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Sorge um Britin im Iran: Aus der Haft entlassen, aber nicht frei

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Nazanin Zaghari-Ratcliffe mit ihrer Tochter (2018)
Nazanin Zaghari-Ratcliffe mit ihrer Tochter (2018)   -   Copyright  Free Nazanin campaign / AFP
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Nach dem Ende einer fünfjährigen Haftstrafe darf sich die britisch-iranische Staatsbürgerin Nazanin Zaghari-Ratcliffe im Iran wieder frei bewegen, aber nicht das Land verlassen.

Ihr seien die Fußfesseln abgenommen worden, doch erwarte sie ein weiterer Prozess in der nächsten Woche wie ihr Anwalt Hodschat Kermani der Nachrichtenagentur ISNA am Sonntag mitteilte. Die Anklage laute auf Propaganda gegen das iranische Regime,

Der britische Außenminister Dominic Raab forderte ihre sofortige Heimreise zu ihrer Familie in Großbritannien. Die Inhaftierung der 42-Jährigen hatte in den vergangenen Jahren zu einer diplomatischen Krise zwischen dem Iran und Großbritannien geführt.

Mit der Tochter am Flughafen festgenommen

Zaghari-Ratcliffe war im April 2016 am Flughafen von Teheran festgenommen worden - in Anwesenheit ihrer nicht einmal zwei Jahre alten Tochter Gabriella. Die in London lebende Projektmanagerin der Thomson Reuters Stiftung mit doppelter Staatsangehörigkeit hatte ihre Familie im Iran besucht, auch um ihren Eltern die kleine Tochter zu zeigen.

Ein Revolutionsgericht verurteilte sie unter dem Vorwurf der Spionage und des Umsturzversuchs gegen die iranische Regierung zu fünf Jahren Haft, obwohl sie alle Anklagepunkte gegen sich vehement zurückwies.

Hungerstreik, Depression, Selbstmordgedanken

Es war der Beginn eines langen Leidensweges für die junge Mutter unter zum Teil unerträglichen Haftbedingungen und mangelnder medizinischer Versorgung, wogegen sie mit Hungerstreiks protestierte. Auch an Selbstmord habe sie gedacht, wie ihr Ehemann Richard Ratcliffe, der von London aus für ihre Freilassung kämpft, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP berichtet.

"Sie hatte immer einen starken Sinn für Loyalität und Gerechtigkeit" und sei "zutiefst empört über die Ungerechtigkeit" dieser Situation.

Die Besucher der kleinen Tochter halfen Zaghari-Ratcliffe zunächst durchzuhalten, auch wenn sie unter Depressionen litt.

"Mein Schmerz ist unermesslich"

Im Oktober 2019 erlebte Nazanin Zaghari-Ratcliffe einen schweren Schlag: Gabriella, die seit ihrer Verhaftung bei ihren Großeltern mütterlicherseits lebte, kehrte in das Haus ihres Vaters in London zurück, um die Schule zu besuchen. "Mein Schmerz ist unermesslich", schrieb sie damals.

Seit März 2020 war Zaghari-Ratcliffe wegen der Coronavirus-Pandemie aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt worden. Ihre Haftstrafe ging offiziell an diesem Sonntag zu Ende.

Doch bereits im September 2020 wurde ihr eine neue Anklageschrift wegen Verbreitung von Propaganda gegen das Regime zugestellt. Der für Mitte September angesetzte Prozess wurde in letzter Minute verschoben - und soll nun in der nächsten Woche beginnen.