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Kleine Störeffekte, große Schocks - die Risiken der Globalisierung

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Kleine Störeffekte, große Schocks - die Risiken der Globalisierung
Copyright  Mohamed Elshahed/AP
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Die Pandemie und die jüngste Sperrung des Suezkanals haben einmal mehr die Verletzbarkeit von globalen Zulieferketten für den internationalen Handel gezeigt. Vor einem Jahr entdeckten die Bürger in Europa, dass sie bei medizinischem Gerät und Halbleitern abhängiger vom Ausland waren, als sie dachten. Vor allem von China, das allein 22 Prozent der EU-Importe ausmacht.

Und dann der Frachter im Suezkanal... Sechs Tage Blockade können den Handel auf Monate hinaus stören. Doch das ist nur eins der Probleme.

Das größte Problem seien nicht nur die langen Zulieferwege, die schon auf kleine Störeffekte mit großen Schocks reagierten, sagt Ian Goldin von der Universität Oxford. Es sei auch die Management-Praxis, nur für den aktuellen Bedarf zu wirtschaften und keinen Vorrat anzulegen in Fabriken, Geschäften oder Krankenhäusern. Das bedeute größere Anfälligkeit für unerwartete Situationen und weniger Widerstandsfähigkeit.

Goldin warnt zugleich vor höheren Kosten, die die derzeitige Form der Globalisierung mit sich bringe könnte. Die europäischen Regierungen sollten sich offener zeigen für Reformideen, wie sie etwa aus dem europäischen Parlament kommen.

Durch Europas starke Abhängigkeit von globalen Zulieferern müsse vieles neu überlegt werden, so die niederländische Liberale Samira Rafaela. Die Just-in-time-Produktion könne sich am Ende als zu kostspielig herausstellen, wenn man nämlich keine Lagerbestände anlege. Deshalb die Idee, vor Ort in Europa zu produzieren.

Die Schlüsselfrage ist also, wieviel globale Vernetzung nötig ist, ohne die wirtschaftlichen Vorteile der Globalisierung zu verlieren. Denn lange Zulieferwege beeinflussen nicht nur die Produktion, sondern auch das Ziel der EU, bis 2050 klimaneutral zu werden.

Der internationale Handel müsse nachhaltiger werden, was die EU mit ihren internationalen Partnern aushandeln müsse, meint die belgische Grüne Saskia Bricmont. Dabei müssten soziale Standards und Maßnahmen für die Umwelt artikuliert werden, etwa die Rechte von Arbeitnehmern. Unter Partnern müssten überall dieselben Normen gelten.

Journalist • Stefan Grobe