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Blutige Terrorangriffe am Flughafen Kabul - Über 70 Todesopfer

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Von Euronews
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Nach dem Anschlag war eine dichte Rauchwolke am Flughafen Kabul deutlich zu erkennen
Nach dem Anschlag war eine dichte Rauchwolke am Flughafen Kabul deutlich zu erkennen   -   Copyright  Wali Sabawoon/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Auf dem Außengelände des Flughafens von Kabul sind bei zwei Sprengstoffanschlägen über 70 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Allein die US-Armee berichtete, 12 ihrer Soldaten seien gefallen, 15 weitere verwundet worden.

Afghanische Behörden gaben am Abend bekannt, mindestens 60 Menschen seien ums Leben gekommen, 143 verletzt worden. Die US-Armee erklärte, sie werde die Evakuierungsmission trotz der "Terrorangriffe" fortsetzen. Zwei Selbstmordattentäter der Miliz Islamischer Staat hätten jeweils einen Sprengsatz gezündet. Abschließend sei es an den Explosionsorten zu Gefechten mit weiteren IS-Kämpfern gekommen, die das Feuer eröffnet hätten. Unter den Opfern seien sowohl US-Amerikaner als auch Zivilisten.

Der erste Anschlag habe sich in der Nähe des Flughafentors Abbey Gate ereignet. Eine weitere Explosion habe es am nahegelegenen Hotel Baron gegeben. Das Pentagon beschrieb das Geschehen als "komplexe Attacke".

Übereinstimmend berichteten mehrere Quellen, dass weit über hundert Menschen verletzt worden seien. Der Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer großen Menschenmenge in die Luft gesprengt. Mindestens ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet. Donnerstagabend bekannte sich ein Ableger der Miliz Islamischer Staat zu dem Anschlag.

Nach Angaben der deutschen Bundeswehr sind keine deutschen Soldaten verletzt worden. Wenige Stunden nach dem Anschlag hob die letzte Bundeswehrmaschine vom Flughafen Kabul unbehelligt ab. Damit war die deutsche Evakuierungsmission offiziell beendet.

Noch unklar ist, wie viele afghanische Ortskräfte vorerst in Kabul bleiben mussten. Jedenfalls scheint sich die deutsche Regierung in die Pflicht genommen zu fühlen, etwas für die Zurückgebliebenen zu tun - und zwar sofort, wie Außenminister Heiko Maas erläuterte.

Den herrschenden Taliban zufolge sind bei dem Anschlag mindestens 52 Menschen verletzt worden. Es habe auch Tote gegeben, allerdings sei die Zahl noch unklar, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid dem lokalen TV-Sender ToloNews.

EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die Attacken am Kabuler Airport.

Die USA und andere westliche Staaten hatten seit mehreren Tagen eindringich appellliert, nicht zum Flughafen in Kabul zu kommen. Trotzdem versammelten sich dort Tag für Tag weiterhin Tausende in der Hoffnung auf eine Ausreisemöglichkeit.

Der britische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, James Heappey, hatte noch am Morgen eine konkrete Warnung veröffentlicht. Demnach drohte ein "ernsthafter, unmittelbarer, tödlicher Angriff" binnen Stunden auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren.

Zuvor hatte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ihre für den 28. bis 30. August geplante Reise nach Israel wegen der dramatischen Entwicklung in Afghanistan abgesagt.