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Wer ist Salah Abdeslam, der Terrorist, der in Paris vor Gericht steht?

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Von Alexandra Leistner  & Julien Pavy
Eine Skizze von Salah Abdeslam beim Prozess, der am Mittwoch, 9. September, in Paris begonnen hat.
Eine Skizze von Salah Abdeslam beim Prozess, der am Mittwoch, 9. September, in Paris begonnen hat.   -   Copyright  ALTERNATIVE CROP TO PAR155/Noelle Herrenschmidt
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Er ist der Mann, der im Zentrum des Prozesses steht, der in dieser Woche in Paris begonnen hat: Salah Abdeslam. Der 31-jährige Franzose marokkanischer Abstammung gilt als einziger Überlebender des Terrorkommandos von den Anschlägen in der französischen Hauptstadt am 13. November 2015.

Vor den Anschlägen, bei denen 130 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden, galt Abdeslam als Kleinkrimineller. Beim Prozessauftakt am Mittwoch, 9. September, stellte Abdeslam fest: "Ich bin Kämpfer des Islamischen Staats". Seinen Beruf habe er zu diesen Zwecken aufgegeben.

Nach den Anschlägen war Abdeslam die Flucht nach Belgien gelungen, 125 Tage lang wurde mit Höchstdruck nach ihm gefahndet, es fehlte jede Spur. Nach vier Monaten konnten Sicherheitskräfte ihn im Brüsseler Stadtteil Molenbeek lokalisieren und festnehmen. In Molenbeek wuchs Abdeslam gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Terrorzelle auf: Seinem Bruder Brahim, der am 13. November auf Menschen in Pariser Cafés schoss und Abdelhamid Abaaoud, der als einer der Drahtzieher der Anschläge gilt.

Vom Kleinkriminellen zum Terroristen?

Abdeslam selbst soll eine wichtige logistische Rolle am Abend der Anschläge gespielt haben. So war das Fahrzeug, mit dem die Terroristen an der Konzerthalle Bataclan abgesetzt wurden, auf seinen Namen gemietet. Er soll zudem die Selbstmordattentäter, die sich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, abgesetzt haben. Ob sein Sprenggürtel defekt war oder er sich in letzter Minuten gegen den Schritt entschied, ist nicht bekannt.

Er kaufte auch Material zur Herstellung von Sprengstoff, buchte Zimmer in der Region Paris, die dem Kommando als Versteck dienten.

Mitte 2018 brach Abdeslam zum ersten Mal sein Schweigen bezüglich der Anschläge. Die Taten seien nicht verübt worden, weil die Menschen Schweinefleisch essen, Wein trinken oder Musik hören. Die Muslime verteidigten sich nur gegen die, die sie angriffen. An die Familien der 130 Todesopfer gerichtet sagte er, diese sollten ihren Ärger beiseitelegen und mal einen Augenblick nachdenken. Ihre Leiden seien nur auf die Fehler ihrer Anführer zurückzuführen.

"Man behandelt uns wie Hunde"

Seit seiner Verhaftung in Belgien sitzt Salah Abdelsam unter hohen Sicherheitsvorkehrungen im Gefängnis von Fleury-Mérogis bei Paris. Er hat bisher gegenüber den Ermittlern, aber auch gegenüber seinen Anwälten geschwiegen. Zwei von ihnen haben das Handtuch geworfen, einer von ihnen beschrieb ihn so: "Er ist ein kleiner Idiot" (...) "eher ein Mitläufer als ein Anführer" (...), der "die Intelligenz eines leeren Aschenbechers" hat.

Vor dem Pariser Gericht wird er von der jungen Strafrechtsanwältin Olivia Ronen vertreten, die zuvor schon andere angeklagte Terroristen und Rechtsextreme vertrat. Zu Beginn des Prozesses beschwerte sich Abdeslam gegenüber dem Richter, dass die Angeklagten wie Hunde behandelt würden. Zeugen zufolge soll er zwei Minuten lang geschrien haben.

Gegen Salah Abdeslam gab es bereits im April 2018 einen ersten Prozess. Er wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er bei einer Durchsuchung im Rahmen der Ermittlungen zu den Anschlägen vom 13. November 2015 auf Polizeibeamte geschossen hatte.

Nach dem Pariser Prozess wird ein weiterer Prozess auf ihn warten, nämlich der des Doppelanschlags in Brüssel, bei dem im März 2016 32 Menschen starben.

Noelle Herrenschmidt/AP
Neben Abdeslam stehen 19 weitere mutmaßlich in die Anschläge verwickelte Männer vor Gericht.Noelle Herrenschmidt/AP