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"Sanktionen gegen Afghanistan unterstützen den IS"

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Von Anelise Borges, su  mit AFP
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Die USA und die seit 100 Tagen in Afghanistan herrschenden radikalislamischen Taliban nehmen ihre Gespräche in Doha, Katar wieder auf. Die Taliban-Regierung, die bisher kein Land offiziell anerkannt hat, fordert die Amerikaner auf, die nach der Rückkehr der Taliban beschlossene Sperrung der Reserven der afghanischen Zentralbank zu beenden.

Anelise Borges, Euronews:

„ …und das Land steht vor einer seiner schlimmsten humanitären Krisen: 95% der Menschen dort haben nicht genug zu essen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist von einer Hungersnot bedroht. Während die Taliban in der zunehmenden humanitären Krise weiter um Hilfe der internationalen Gemeinschaft bitten, haben sie praktisch alle Zusagen noch nicht eingelöst: Zum Beispiel Bildungschancen für Mädchen, eine inklusive Regierung und Sicherheit in Afghanistan, angesichts anhaltender Terrorgefahr im Land.”

“Frage an Suhail Shaeen, Sprecher der Taliban und Kandidat des Emirats als UN-Vertreter, Suhail Shaeen: Was haben die Taliban erreicht, seit sie die Macht übernommen haben?

Suhail Shaheen, Taliban-Sprecher:

„Uns sind die Hände gebunden wegen internationaler Sanktionen. Und das trifft die einfachen Leute im Land. Sie stehen vor einer humanitären Krise. Aber das liegt nicht an uns. Sondern an denen, die sanktionieren und die afghanischen Bankreserven und eingefroren haben.“

Anelise Borges:

"Tut mir leid, wenn ich Sie unterbreche, Herr Shaheen, aber seit Monaten hören wir von Ihnen und anderen Taliban-Vertretern, dass die internationale Gemeinschaft den Taliban helfen muss, Afghanistan helfen muss – Sie fordern die Wiederaufnahme der internationalen Hilfe... Aber während Sie um Vertrauen bitten, haben Sie nicht wirklich etwas erreicht bei irgendeinem der Knackpunkte – wie Bildung für Frauen ... eine inklusive Regierung bilden ... Ihre Kämpfer koordinieren und ausbilden, um afghanische Zivilisten tatsächlich von Angriffen schützen zu können .... warum sollten andere Länder jetzt mit Ihnen zusammenarbeiten, wenn Sie die Zusagen nicht einhalten?“

Suhail Shaheen:

„Einer der Zwecke, Ziele und Anliegen des Doha-Abkommens (zwischen USA und den Taliban, 29.02.2020) war, durch Gespräche eine friedliche Lösung zu erreichen und die Feindschaft zwischen dem islamischen Emirat Afghanistan und der internationalen Gemeinschaft zu beenden. Aber sie scheinen weiter feindselig wie in der erste Phase der Besetzung. Der Ball liegt also bei ihnen. Sie sollten in der Gegenwart ankommen und sich am gemeinsamen Aufbau Afghanistans beteiligen. Das ist gut für sie, meine ich.

Die Stabilität und Sicherheit in Afghanistan tragen bei zu Frieden, Stabilität und Sicherheit in anderen Ländern der Welt. Aber die Sanktionen schaffen eine humanitäre Krise, wie wir sie jetzt haben – das bietet Rekrutierungschancen für den IS, die er nutzen kann.

Ich weiß nicht, warum sie den IS unterstützen, indem sie die Sanktionen fortsetzen und unser Geld blockieren. Es gehört dem afghanischen Volk."

Anelise Borges:

"Eine eindringliche Warnung der Taliban – der Sprecher hat auch gesagt, dass die Gruppe auch weiter – mit oder gegen die internationale Gemeinschaft – für Afghanistan kämpfen wird.

Sie bereiten sich hier in Doha vor auf eine weitere Gesprächsrunde mit Vertretern der USA und Europas am Wochenende."

Seit der Machtübernahme der Taliban ist die ohnehin prekäre afghanische Wirtschaft zusammengebrochen. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben ihre Hilfe eingestellt. UN-Agenturen haben gewarnt, dass 23 Millionen Afghanen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes, in diesem Winter von einer Hungersnot bedroht sein werden. Die Auslöser: Klimawandel (Trockenheit') und Lähmung der Wirtschaft.

Anelise Borges, su mit AFP