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Europas Woche: Omikron bedroht Weihnachtspläne

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Von Stefan Grobe
Europas Woche: Omikron bedroht Weihnachtspläne
Copyright  Alastair Grant/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Es war eine dieser Wochen, in denen alle über ein Wort sprachen, das in der Woche zuvor niemand kannte: Omicron. Entdeckt in Südafrika, tauchte die stark mutierte Coronavirus-Variante einige Tage früher in Europa auf als zunächst bekannt. Inzwischen ist Omicron praktisch überall auf dem Kontinent.

Regierungen in Europa ordneten reflexartig Verbote von Flügen aus süadafrikanischen Ländern an und lösten damit Durcheinander an Flüghäfen und mögliche Alptraum-Szenarien für die Weihnachtszeit aus. Die Sache ist, dass Experten Reiseverbote in d iesem Stadium für lächerlich halten.

"Es ist klar, dass Reiseverbote die Ausbreitung des Virus nicht verhindern können. Tatsächlich können solche Verbote die Bemühungen im Kampf gegen die Verbreitung eher bedrohen", so Jaouad Mahjour, stellvertretender Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Das Timing konnte für Europa zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen, denn die Covid-Zahlen explodieren. Viele Regierungen erwägen nun, die Öffnungspläne für Weihnachten radikal einzuschränken.

Sie haben von der Vergangenheit gelernt. Nur allzu oft wurden sie nachlässig und dachten, die Pandemie wäre überstanden - nur um von einer neuen Welle überspült zu werden.

Wie geht's weiter? Alle sind sich einig, dass die Impfungen erhöht werden müssen. Und selbst Zwangsimpfungen sind kein Tabu mehr.

Was von medizinischen Experten für notwendig gehalten wird, sollte politisch nicht kontrovers sein, zumal in Umfragen große Mehrheiten der Bevölkerung dafür sind.

In der Zwischenzeit bedrückt die Pandemie weiter die Wirtschaft. Die Börsen hatten eine Woche voller Achterbahnfahrten, Investoren sind wegen Omikron nervös. Auch sind die Verbraucherpreise in der Eurozone weiter auf Rekordfahrt. Die jährliche Inflationsrate erreichte im November 4,9 Prozent, der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen 1997, zwei Jahre vor der Euro-Einführung.

Muss es erst schlechter werden, ehe es besser wird?

Dazu unser Interview mit Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

Euronews: Lassen Sie uns über die wirtschaftliche Folgen von all dem reden. Teilen Sie die Ansicht der US-Notenbank, dass Omikron ein Risiko für Preise und Beschäftigung darstellt?

Schmieding: Omicron ist definitiv ein kurzfristiges Risiko für die Beschäftigung. Die Menschen mögen vielleicht weniger gern ausgehen, sie halten sich bei Ausgaben zurück, sie reisen weniger, und das bringt einige Jobs in Mitleidenschaft. Was aber die Inflation angeht, so sind die Aussichten nicht klar. Einerseits gehen die Ölpreise zurück, andererseits wollen mehr Menschen vielleicht online shoppen, was die nachfrage und damit die Preise erhöht. Also ist der Inflationstrend kurzfristig nicht eindeutig.

Euronews: Angesichts neuer Infektionswellen haben viele Regierung Reisebeschränkungen eingeführt - ist das hilfreich?

Schmieding: Ich denke, dass Reisebeschränkungen tatsächlich sinnvoll sind, denn sie bringen uns mehr Zeit für Impfungen. Wir können die Ausbreitung von Omikron auf der Welt nicht verhindern. Wenn wir aber die Ausbreitung die Reisebeschränkungen verlangsamen, werden mehr Menschen geimpft, bevor sie mit Omikron in Berührung kommen. Dann werden weniger Menschen ernsthaft krank und das verhindert strengere Maßnahmen später. Ich denke also, es ist die richtige Reaktion.

Euronews: Viele Experten erwarten einen deutlichen Rückgang der Inflation im Laufe des nächsten Jahres. Könnte Omikron ihnen hier einen Strich durch die Rechnung machen?

Schmieding: Ich denke nein. Wir haben bei früheren Infektionswellen gesehen, dass die Pandemie den langfristigen Teuerungstrend nicht beeinflusst. Auch haben sich die wirtschaftlichen Folgen nach jeder Welle nachgelassen. Ich rechne daher weiter mit einem deutlichen Nachlassen der Inflation im nächsten Jahr, aber sie wird in den USA nicht viel unter die Marke von drei Prozent sinken, selbst bis zum Jahresende nicht. Und das ist ein Argument für die US-Notenbank, mit einer Änderung ihrer Geldpolitik nicht zu zögern.

Euronews: Und wie ist es mit Europa?

Schmieding: In Europa haben wir weniger Inflationsdruck als in den USA. Denn anders als dort haben wir zusätzlich zu den Angebotsengpässen keine ausufernde Nachfrage. Und in Europa würde die Europäische Zentralbank als Inflationsziel bis zum Jahresende einen Wert knapp unter zwei Prozent anpeilen. Das bedeutet, dass die EZB bis zum Frühjahr 2023 Zeit hat, bis sie die Zinsen erhöht.