Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Ist ein Ende der Plastikvermüllung in Sicht? UN-Versammlung einigt sich auf Abkommen

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit dpa
euronews_icons_loading
Kunst-Installation anlässlich der UN-Umweltversammlung in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, 02.03.2022
Kunst-Installation anlässlich der UN-Umweltversammlung in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, 02.03.2022   -   Copyright  Brian Inganga/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Die internationale Staatengemeinschaft hat sich bei der Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) in Nairobi darauf verständigt, einen rechtsverbindlichen Vertrag über den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen - der von der Produktion, Verbrauch und Entsorgung reicht - auszuarbeiten. Nach der Annahme der Resolution gab es im Verhandlungssaal Beifall. 

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der WWF sprachen von einem "historischen" Beschluss. Laut UNEP-Chefin Inger Andersen ist Einigung eines der wichtigsten Umweltabkommen seit dem Pariser Klimaabkommen. Man dürfe sich nun keine Pause erlauben, und müsse zügig verhandeln.

"Ein verbindliches Abkommen gegen die Plastikvermüllung ist dringender denn je", erklärte auch die deutsche Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Es ist das erste Mal, dass sich die internationale Staatengemeinschaft gemeinschaftlich darauf verständigt hat, gegen das weltweite Problem des Plastikmülls vorzugehen.

Umstritten war vor allem Frage der Rechtsverbindlichkeit. Tagelang hatten die Vertreter vor Beginn der Versammlung um den Wortlaut der Erklärung gerungen. Nach Annahme der UN-Resolution soll nun ein Verhandlungskomittee bis Ende 2024 eine Konvention erarbeiten. Diese soll rechtsverbindliche Regeln und Maßnahmen, die den gesamten Lebenszyklus von Plastik betreffen, definieren.

Damit könnte der weltweiten Plastikvermüllung ein Riegel vorgeschoben werden. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werden jährlich 400 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert. Gerade mal neun Prozent davon werden wiederverwertet, der Rest landet auf Müllkippen, wird verbrannt, ins Ausland importiert oder landet im Meer. Dort befinden sich bereits 7 Milliarden Tonnen Plastikabfälle, jährlich kommen 11 Millionen Tonnen dazu.

Über die Langzeitfolgen von Plastik und ihren Mikropartikeln auf Organismen ist bislang wenig bekannt. Forscher:innen konnten Mikroplastik schon in der Plazenta schwangerer Frauen, in der Lunge und der Leber nachweisen. Auch Weichmacher, die in vielen Kunststoffen enthalten sind, stehen im Verdacht, sich negativ auf die menschliche Spermienqualität auszuwirken und krebserregend zu sein.

Dennoch: bis das weltweite Plastikproblem angegangen wird, ist noch ein langer Weg. Expert:innen befürchten, dass nationale Wirtschaftsinteressen öl- und plastikproduzierender Länder die Bestrebungen, der Plastikvermüllung einen Riegel vorzuschieben, untergraben könnten.