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Kritik an Plastikmüll: "Bis 2050 mehr Plastik als Fische in den Ozeanen"

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Von Méabh Mc Mahon  & Euronews
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Proteste gegen Plastikmüll in den Weltmeeren
Proteste gegen Plastikmüll in den Weltmeeren   -   Copyright  Euronews

Diese Woche ist wegen der Weihnachtsfeiertage etwas kürzer, die Umweltminister der EU haben jedoch noch über eines der größten Umweltthemen des Jahres debattiert: das Fit-for-55-Paket. Mit diesem Maßnahmenbündel, das eine radikale Umstellung unseres Energieverbrauchs vorsieht, sollen bis 2030 die Emissionen um 55 Prozent gesenkt werden.

In Polen würde man diesen Plan gerne aufschieben, da so die Energie- und Strompreise ansteigen würden. Der slowenischer Umweltminister Andrej Vizjak sieht das allerdings anders: "Ich bin überzeugt, dass der enorme Anstieg der Energiepreise kurz vor dem Winter absolut nichts mit der Veröffentlichung des Fit-for 55-Pakets zu tun hat. Mit diesem Argument wollen einige Mitgliedstaaten versuchen, den Willen der EU-Mitglieder und der Kommission zu lähmen.

Ich glaube, dass der Großteil der Mitgliedsstaaten der Ansicht ist, dass auf diese Weise die Umwelt-Ziele nur gestärkt werden.
Andrej Vizjak
Umweltminister Slowenien

Am Rande des Treffens der EU-Umweltminister demonstrierten Aktivistinnen und Aktivisten von Ocean Rebellion – tote Meerjungfrauen lagen in schmutzigem Plastik. Auf diese Weise wollte Ocean Rebellion darauf hinweisen, dass bis 2050 mehr Plastik als Fische in den Ozeanen schwimmen könnte.

"Plastik wird in riesigen Mengen und ohne jede Einschränkung produziert, und meistens geben wir den Verbrauchern, die Schuld am Plastikkonsum", sagt Shanturu Premkumar von Ocean Rebellion. "Doch solange wir produzieren, muss es einen Ort geben, wo das Plastik landet. Plastik kann sich nicht zersetzen, sprich wenn es über Jahre im Meer verbleibt, entstehen sogar Inseln, voll von Plastik und Müll, vom Menschen produziert. Wir zeigen, dass man bei der Schleppnetzfischerei mehr Plastik und Müll fängt, als Fische."

"Schneise der Zerstörung": Kritik an der Grundschleppnetzfischerei

Ein weiterer Kritikpunkt der NGOs ist die sogenannte Grundschleppnetzfischerei. In Europa würde mehr als die Hälfte des Meeresbodens regelmäßig mit Grundschleppnetzen befischt, wobei der Großteil der Fänge aus einem sehr kleinen Gebiet stamme, so Vera Coelho, Leitende Direktorin Advocacy bei Oceana. "Die Schiffe hinterlassen eine riesige Schneise der Zerstörung, während der Gewinn sowohl für die Flotte als auch für die europäischen Verbraucher nicht sehr hoch ist."

Der EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius erklärt: "Wir haben uns alle auf unsere Klimaziele geeinigt, diese werden nicht erreicht, wenn wir bestimmte Bereiche ausklammern. Ich denke, wir können uns zwar mit Verkehr und Energie befassen, dürfen aber unsere Ozeane nicht außen vorlassen."

Euronews sprach mit der Leiterin der Abteilung für nachhaltigen Wohlstand am European-Policy Centre, Annika Hedberg.

Euronews: War 2021 das Jahr, in dem die Europäische Union dem Klima endlich Priorität eingeräumt hat?

Annika Hedberg: "Ich glaube, wir können sagen, dass, rhetorisch betrachtet, viel Wert auf Klimaschutzmaßnahmen gelegt wird. Egal, ob wir darüber sprechen, klimaneutral zu werden, das 2030-Ziel zu erreichen, unsere Emissionen bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren, die Bedeutung der Energiewende zu betonen, genauso wie den gerechten Übergang und alle Menschen mitzunehmen. Das spiegelt sich jeweils in den Reden und Erklärungen wider, die wir hören. Man kann also sagen: Ja, ich glaube, die Herausforderung liegt in der Umsetzung und darin, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind."

"Kommerzielle Fischerei beschleunigt den Klimawandel"

Euronews: Natürlich wird es Aufgabe der französischen EU-Ratspräsidentschaft und Emanuel Macrons sein, diese schwierigen Verhandlungen im nächsten Jahr zu leiten. Befürchten Sie, dass der Anstieg der Gaspreise seine Bemühungen zunichte machen könnte?

Hedberg: "Man darf nicht vergessen, dass der derzeitige Anstieg der Energiepreise nicht auf den Green Deal zurückzuführen ist. Er resultiert vielmehr aus unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und dem Anstieg der Preise für fossile Brennstoffe. Daher sollte der derzeitige Anstieg der Energiepreise eine deutliche Erinnerung daran sein, warum wir die Energiewende, die saubere Energiewende, beschleunigen müssen, warum wir in Energieeffizienz investieren sollten, warum wir in erneuerbare Energien und intelligente Netze investieren und sicherstellen sollten, dass der Strommarkt normal funktioniert."

Euronews: Wenn wir uns die Ozeane anschauen - hier werden viele Maßnahmen nicht umgesetzt, oder?

Hedberg: "Das ist richtig, unsere Politiker sind sehr gut darin, Sonntagsreden zu halten. Doch wenn es am Montag dann an die Umsetzung geht, geschieht wenig. Durch die kommerzielle Fischerei, betrieben mit Grundschleppnetzen, setzen wir leider enorme Mengen an CO2 frei, das sich am Meeresgrund befindet. In Europa ist das ein großes Problem. Die kommerzielle Fischerei beschleunigt also tatsächlich den Klimawandel und treibt ihn voran. Und darüber wird leider zu wenig gesprochen."

Wie heißt der Film zu "2021"?

Jetzt zu Weihnachten kommt die Zeit, es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen oder einen Film zu schauen. Euronews hat sich mal umgehört und gefragt: Wenn 2021 ein Film wäre, wie würde er heißen? Hier die besten Antworten:

  • "Corona Teil 2"
  • "Die Widerstandsfähigkeit"
  • "'Das Ende einer Ära' - für alles, was passiert ist, ein bisschen apokalyptisch. Dieses ganze Covid- und Pest-Zeug, das würde ich 'das Ende einer Ära' nennen."
  • "Täglich grüßt das Murmeltier"
  • "Verwandlung – denn für jeden einzelnen stand in diesem Jahr eine Veränderung an."
  • "Chaos und Katastrophe, die in Weihnachten enden – also Chaos wegen der ganzen Ungewissheit, es war eine Katastrophe, einige von uns hatten Glück. Aber es ist ja auch Weihnachten."
  • "Der maskierte Rächer"
  • "Titanic - weil es ein sinkendes Schiff war, und ich hoffe, dass es im Jahr 2022 einen zweiten Teil geben wird, in dem es besser wird."
  • "Erwarte das Unerwartete"
  • "Das Jahr des Neuanfangs"

Unser Vorschlag: "Lebe im Jetzt". Vielen Dank, dass Sie uns das ganze Jahr über auf Euronews begleitet haben. Genießen Sie die Weihnachtspause und die Zeit mit Ihrer Familie und Ihren Freunden. Wir sehen uns im nächsten Jahr.