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Ex-Guerillero wird neuer Präsident Kolumbiens

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Von Euronews  mit dpa, AP
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Gustavo Petro hat die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien knapp gewonnen, Bogotá, 19.06.2022
Gustavo Petro hat die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien knapp gewonnen, Bogotá, 19.06.2022   -   Copyright  Fernando Vergara/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

In Kolumbien ist erstmals ein bekennender Linker ins Präsidentenamt gewählt worden. Gustavo Petro gewann mit 50,5 Prozent der Stimmen knapp vor seinem Herausforderer, dem Immobilien-Unternehmer Rodolfo Hernández, der 47,3 Prozent der Stimmen holte.

Neben Petro wird auch die afro-kolumbianische Menschenrechtsaktivistin und Umweltschützerin Francia Márquez als Vizepräsidentin an die Staatsspitze rücken.

Was uns bevorsteht ist ein echter Wandel, ein grundlegender Wandel.

Petro, der frühere Bürgermeister von Bogotá, versprach, das sozial stark gespaltene Land zu befrieden, die Ausbeutung von Rohstoffen zu bremsen, und Unternehmen stärker zu besteuern:

"Heute ist zweifellos ein historischer Tag. Was uns bevorsteht ist ein echter Wandel, ein grundlegender Wandel, bei dem wir die Existenz, das Leben selbst, in Frage stellen", sagte Petro nach seinem Wahlsieg.

Bisher hatten linke Parteien in dem eher konservativ geprägten Land einen geringen Einfluss, vor allem wegen der wahrgenommenen Verbindung zu bewaffneten Konflikten und der Gewalt der Guerillagruppen, die das südamerikanische jahrzehntelang geprägt haben.

Petro war als Guerillero in der inzwischen aufgelösten M-19-Rebellenbewegung aktiv und wurde nach seiner Inhaftierung wegen Beteiligung an der Gruppe begnadigt.

Sein Herausforderer, der Bauingenieur und Millionär Rodolfo Hernández musste sich in einem knappen Rennen geschlagen geben. Er gestand seine Niederlage ein:

" Ich wünsche Gustavo Petro, dass er weiß, wie er das Land regieren sollte, dass er seiner Rede gegen die Korruption treu bleibt und dass er diejenigen, die ihn gewählt haben, nicht enttäuscht", so Rodolfo Hernández.

Die Herausforderungen für den künftigen Staatschef sind zahlreich: Kolumbien kämpft mit den Folgen der Corona-Pandemie, großen sozialen Unterschieden und Gewalt. Zwar hatte die Regierung 2016 einen Friedensvertrag mit der linken Farc-Guerilla geschlossen, doch dieser wurde bislang nur halbherzig umgesetzt, die Hoffnungen auf einen Aufschwung schwinden. Die Gewalt ist vor allem in ländlichen Gebieten zurückgegangen.

In Kolumbien, das über 50 Jahre in einen blutigen Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und staatlichen Sicherheitskräften verstrickt war, ist der Wunsch nach Veränderung groß - ob der neue Präsident die Herausforderungen bewältigen kann, bleibt abzuwarten.