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Angst vor Gasstopp: Glasindustrie am Rennsteig bangt um ihre Existenz

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Von Euronews  mit AFP
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Qualitätskontrolle im Heinz-Glas-Werk in Kleintettau
Qualitätskontrolle im Heinz-Glas-Werk in Kleintettau   -   Copyright  Ronny Hartmann / AFP

Das 400 Jahre alte Traditionsunternehmen Heinz-Glas, das Flakons für illustre Marken wie Gucci oder L'Oréal herstellt, hat schon viele Stürme überstanden.

Die Firma in der Glasregion am Rennsteig gehört zu den weltweit größten Akteuren der Branche. Doch die aktuelle Gaskrise, die Deutschland erschüttert, könnte sich als fatal erweisen.

Im bayerischen Werk in Kleintettau werden täglich fast 70 Tonnen Glas verarbeitet - bei einer Temperatur von bis 1.600 Grad. Dabei kommt massiv Gas zum Einsatz. Eine gefährdete und immer teurere Ressource.

Gas- und die Energiepreise teilweise um das Zehnfache gestiegen

Man erlebe eine außergewöhnliche Situation, sagte Murat Agac, stellvertretender Geschäftsführer des Familienunternehmens.

"Nachdem Einmarsch in der Ukraine sind die Gas- und die Energiepreise teilweise um das Zehnfache im Vergleich zu 2019 gestiegen und zwischenzeitlich teilweise sogar bei dem 20-Fachen gewesen, also sehr volatil, aber grundsätzlich viel zu hoch und kaum mehr wirtschaftlich tragbar. "

Die Folgen eines Stopps der russischen Gaslieferungen wären für das Unternehmen, das in Deutschland täglich eine Million dieser Flaschen herstellt, schwerwiegend.

Die Glasschmelzöfen müssten stillstehen und könnten dauerhaft beschädigt werden. Ein Wiederhochfahren würde Monate dauern. Es käme einen Gnadenschuss gleich.

Umstieg auf alternative Energiequellen möglich, aber teuer

 Das Unternehmen hat zwar in Tanks für Flüssiggas investiert, das täglich per Lkw angeliefert werden könnte. Das würde dreimal so viel kosten und wäre nicht ausreichend.

Bliebe längerfristig der Umstieg von Gas auf andere Energiequellen. "Die Transformation weg von fossilen Energiequellen hinzu regenerativen Energiequellen ist möglich", meint Murat Agac. "Die Glasindustrie ist dafür prädestiniert. Dafür sind aber Investitionen notwendig. Also wir reden in unserem Fall von ungefähr 50.000.000€, die können wir alleine nicht stemmen, das ist nicht möglich. Hier brauchen wir die Unterstützung von der Bundesregierung, von der Landesregierung."

Die Sorgen der Firma Heinz-Glas stehen stellvertretend für die Ängste der stark gasabhängigen deutsche Industrie, die sich nun auf baldiges Ende der Lieferungen vorbereiten und für mögliche Rationierungsmaßnahmen der Regierung wappen muss.