Radfahrerin stirbt nach Unfall in Berlin: Welche Schuld tragen die Klima-Kleber?

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Von Alexandra Leistner
Nach dem Zusammenprall mit einem Betonmischer befand sich eine Frau in Berlin in Lebensgefahr, am Donnerstag teilte die Polizei mit, sie sei nun hirntot.
Nach dem Zusammenprall mit einem Betonmischer befand sich eine Frau in Berlin in Lebensgefahr, am Donnerstag teilte die Polizei mit, sie sei nun hirntot.   -   Copyright  Paul Zinken/dpa via AP

Nach einem schweren Unfall mit einem LKW ist eine 44 Jahre alte Frau in einem Berliner Krankenhaus mittlerweile verstorben. Am Donnerstag war sie zunächst für hirntot erklärt worden.

Zu dem Unfall war es Montag, 31. Oktober im Berufsverkehr der deutschen Hauptstadt gekommen. Um 8.20 Uhr waren sowohl die Frau auf ihrem Fahrrad als auch der Betonmischer, der von einem 64-jährigen Fahrer gelenkt wurde, auf der Bundesallee in Richtung Zoologischer Garten unterwegs.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand erfasste der LKW die Radfahrerin, sie stürzte auf die Fahrbahn und wurde anschließend von dem Fahrzeug überrollt. Sie wurde mit schwersten, lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

An der Grenze der Demonstrationsfreiheit?

Der tragische Verkehrsunfall hatte national Aufmerksamkeit erregt, weil ein Spezialfahrzeug, mit dem die Verletzte unter dem Betonmischer befreit werden sollte, auf der Berliner Stadtautobahn blockiert wurde. Der Stau war von einem unangemeldeten Klimaprotest verursacht worden. Der Fall hatte für eine Welle der Kritik gegen die Klimaaktion gesorgt. Auch Justizminister Marco Buschmann von der FDP äußerte sich sehr kritisch. 

In dem Fall gehe es "möglicherweise um fahrlässige Körperverletzung. Wer solche Klebe-Aktionen unternimmt, geht das Risiko ein, für die Folgen einstehen zu müssen. Und das ist richtig so. Auch die Demonstrationsfreiheit hat Grenzen", so Buschmann.

Allerdings sagte die behandelnde Notärztin am Freitag laut Süddeutsche Zeitung, dass der Stau wegen des Klimaprotests keine Auswirkungen auf die Rettung der verunglückten Radfahrerin gehabt hätte. Sie habe entschieden, nicht auf das Anhebe-Fahrzeug zu warten und den Betonmischer mit eigenem Motor zu bewegen, um die mit dem Bein eingeklemmte Frau zu befreien.

Kurz nach dem Unfall kam es zudem zu einem Angriff auf den Fahrer des Betonmischers. Ein Mann ging mit einem Messer auf diesen zu und verletzte ihn, der Verdächtige flüchtete nach der Tat wurde aber mittlerweile ausfindig gemacht.

Der LKW-Fahrer wurde in ein Krankenhaus aufgenommen und behandelt, ist mittlerweile aber entlassen worden.

Rettungsgassen gibt es in Berlin nicht

Am Mittwoch teilte die Polizei mit, dass gegen zwei Klimaaktivisten der Gruppe "Letzte Generation" Strafanzeige gestellt wurde. Mehrere Personen hatten sich auf der Stadtautobahn A100 mit den Händen an der Fahrbahn festgeklebt. Die Aktivisten wurden in sozialen Medien und anderen Medien daher "Klima-Kleber" getauft. 

Der Pressesprecher der Berliner Feuerwehr Rolf Erbe bedauerte gegenüber Focus online, dass bei Staus in Berlin nie eine Rettungsgasse gebildet würde. Dafür sei kein Platz, weil die Fahrzeuge sich zu dicht auffahren. Dass Rettungsfahrzeuge daher blockiert werden, sei keine Seltenheit. 

Klimaaktivist:innen schließen Mitschuld nicht aus

Klimaaktivist:innen müssten sich also im Klaren sein, dass jeder Stau Menschenleben kosten könne. Die "Letzte Generation" erklärte in einem Statement auf ihrer Internetseite, dass man nicht ausschließen könne, "dass die Verspätung des Rüstwagens auf einen durch uns verursachten Stau zurückzuführen ist".

 "Wir hoffen inständig, dass sich ihr Gesundheitszustand durch die Verspätung nicht verschlimmert hat." Bei den Protestaktionen sei es "das oberste Gebot, die Sicherheit aller teilnehmenden Menschen zu gewährleisten. Das gilt selbstverständlich auch für alle Verkehrsteilnehmer”, wird Carla Hinrichs, Pressekontakt der Letzten Generation, in dem Statement zitiert.

Aimée van Baalen, Sprecherin der Gruppe sagte demnach: "Wir unterbrechen den Alltag nicht leichtfertig. Wir wünschten, eine solche Störung wäre nicht notwendig, um die Regierung in der Klimakrise zum Handeln zu bewegen. Wir haben uns für dieses Mittel des Protests entschieden, da alle zuvor gelagerten Mittel wie Demonstrationen und Petitionen nicht den notwendigen Erfolg gebracht haben. Die Sicherheit aller auf unseren Straßen, auch in Zukunft, ist grundlegende Motivation für unser Handeln. Sobald die Regierung die ersten Sicherheitsmaßnahmen gegen den drohenden Klimakollaps ergreift, werden wir sofort alle Protestaktionen einstellen."