Hand in Hand in Europa: 60 Jahre deutsch-französische Freundschaft

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Von euronews
Bundeskanzler Helmut Kohl (l.) und Staatspräsident Mitterand in Verdun, 22.09.1984
Bundeskanzler Helmut Kohl (l.) und Staatspräsident Mitterand in Verdun, 22.09.1984   -   Copyright  Herve Merliac/1984 AP

Frankreich und Deutschland - Mitte des 20. Jahrhunderts noch Feinde, heute Freunde. Gemeinsam bilden sie seit Jahrzehnten den Motor der Europäischen Union. Zusammen prägten in den vergangenen 60 Jahren sehr unterschiedliche Politiker gewissermaßen Hand in Hand das Gesicht Europas. Euronews hat mit einer Expertin für die deutsch-französischen Beziehungen darüber gesprochen.

Ein Bild, das um die Welt ging: Hand in Hand stehen der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident Francois Mitterand in Verdun, um der Kriegstoten beider Länder zu gedenken. Das war im Jahr 1984.

"Die beiden Männer trafen sich an einem äußerst geschichtsträchtigen Ort. Diese Geste war keineswegs geplant. In einem sehr emotionalen Moment ergriff Mitterand Kohls Hand", erklärt Claire Demesmay, Leiterin des Referats für interkulturelle Aus- und Weiterbildung des Deutsch-Französischen Jugendwerks OFAJ in Berlin.

Élysée-Vertrag besiegelte Zusammenarbeit beider Länder

Die besondere Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland begann vor 60 Jahren mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags durch den französischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. Damit besiegelten die einstigen Kriegsgegner ihre freundschaftliche Zusammenarbeit.

"Einer der wichtigsten gemeinsamen Vorschläge beider Länder, ich greife da einen aus der Zeit von Giscard d'Estaing und Schmidt heraus, war der eines europäischen Währungssystems, was später folgte war die Einfrühung des Euro", so Demesmay weiter. 

Merkozy - zwei unterschiedliche Persönlichkeiten

In guten wie in schlechten Zeiten hat die deutsch-französische Partnerschaft das Schicksal Europas und schließlich der EU geprägt. Die zuweilen schwierige Zusammenarbeit zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Sarkozy brachte dem Paar den Spitznamen Merkozy ein. Noch einmal Claire Demesmay: 

"Mit den beiden trafen sehr unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander und das machte die Sache zunächst nicht einfacher. Sarkozy handelte schnell, Merkel verhielt sich eher abwartend und verwandte Zeit auf ihre Entscheidungen. Sie hasste Schnellschüsse. Im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Europa gab es dann eine Annäherung."

Nun herrscht erneut Krieg in Europa und die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland ist wichtiger als je zuvor. Mit deren Umsetzung werden sich weiter Bundeskanzler Olaf Scholz und Staatspräsident Emmanuel Marcon zu beschäftigen haben - noch bis mindestens 2025. Dann wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Wer danach das deutsch-französische Tandem an seiner Stelle besteigen wird, bleibt abzuwarten.