Kriegsverbrechen an Kindern: Die russische Praxis der Verschleppung

Ukrainische Kinder in einem Bahnwaggon (Symbolfoto)
Ukrainische Kinder in einem Bahnwaggon (Symbolfoto) Copyright Vadim Ghirda/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.
Von Euronews
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Können Kriegsverbrechen besonders verwerflich sein, wenn sie sich gegen Kinder richten? Ein journalistisches Netzwerk hat die scheinbar gängige russische Praxis von Kinderverschleppungen dokumentiert. Gegen ihr Schicksal wehren können sich die Kinder und ihre Eltern meist nicht.

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Ein idyllisches Bild, das Millionen von Herzen rührt. Es handelt sich um Kinder aus dem Donbas und anderen russisch besetzten Gebieten in einer russischen Passagiermaschine, die aus der Ukraine geholt wurden, um sie russischen Familien zu übergeben und ihnen die russische Staatsangehörigkeit zu verleihen.

Präsident Wladimir Putins Beauftragte für Kinderrechte, Maria Belova, verteidigt dies als einen Akt der Liebe für verwaiste Kinder, die niemanden haben, der sich um sie kümmert. Eine Untersuchung des EBU Investigative Journalism Network zeigt, dass viele dieser Kinder sehr wohl Familien haben und dass diese getäuscht oder die Kinder ohne ihre Zustimmung nach Russland gebracht wurden.

Jurist: "Hunderte Fälle"

Bill van Esveld ist stellvertretender Direktor für Kinderrechte bei Human Rights Watch: "Nicht nur die gewaltsame Verschleppung ist ein Kriegsverbrechen, auch die Adoption von Kindern während eines Krieges verstößt gegen internationales Recht. Aber Russland hat im Mai seine Gesetze geändert, damit diese Kinder die russische Staatsangehörigkeit erhalten können. Und das ist in Hunderten von Fällen geschehen."

Bei der Ankunft in Russland sagte eine Frau aus der Passagiermaschine, die Kinder begleitete: "Wir werden ihre Wurzeln sein, was uns noch mehr Verantwortung auferlegt, wirklich ihre wahren Eltern zu werden. Tut mir leid, ich kann nicht weiter reden."

Einzelschicksale mit glücklichem Ausgang

Verletzte Kinder aus der Ukraine wurden auch in Filtrationslager gebracht. Oleksander kam mit seiner Mutter in eines von ihnen. Sie wurde verhört und bestand das Screening-Verfahren nicht. "Wir durften uns nicht einmal verabschieden", sagte Oleksander vor laufender Kamera. Seine Großmutter überquerte die Front und schaffte es, ihn zurückzuholen, bevor er ins Landesinnere verlegt werden konnte. Jetzt sind beide wieder vereint, aber von seiner Mutter, ihrer Tochter, haben sie nichts mehr gehört.

Ein anderes Beispiel mit glücklichem Ausgang: Natalia schickte ihre Tochter in ein Sommerlager, das von den von Moskau eingesetzten Behörden in Kozacha Lopan, einer der ersten ukrainischen Städte, die besetzt wurden, organisiert wurde. Natalia konnte ihre Tochter Karina wieder in die Arme schließen, aber andere Kinder, die in dieses Lager geschickt wurden, sind nicht wieder gesehen worden.

Unerwünscht in der Ukraine?

Natalia sagte im Interview, dass sie glaubt, dass die KInder nicht mehr zurückkommen werden. Zur Begründung sagte Natalia: "Denn die Hälfte derer, die gegangen sind, haben bereits russische Pässe beantragt und bleiben dort. Soweit ich weiß, hat man ihnen gesagt, dass die Ukraine ihnen die Einreise nicht mehr erlaubt, aber das glaube ich nicht."

Die Ukraine sagt, es handele sich um eine Art Völkermord. Der erfahrene Menschenrechtsanwalt und Verfasser des Buches "To Catch a Dictator", Reed Brody meint, dass die russische Praxis über ein reines Kriegsverbrechen hinausgeht: "Die gewaltsame Verschleppung von Kindern ist aus unserer Sicht eindeutig ein Kriegsverbrechen, aber auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, weil sie auf einer weit verbreiteten und systematischen Ebene durchgeführt wird, aber auch, weil sie im Kontext von Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchgeführt wird."

Weitere Quellen • EBU Investigative Journalism Network

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