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Ende der Verspätungen? Deutschland soll Fernzüge aus Italien bekommen

Der Hochgeschwindigkeitszug Italo von Ntv wartet auf die Abfahrt vom Bahnhof Tiburtina in Rom, 20. April 2012
Der Hochgeschwindigkeitszug Italo von Ntv wartet auf die Abfahrt vom Bahnhof Tiburtina in Rom, 20. April 2012 Copyright  Gregorio Borgia/AP
Copyright Gregorio Borgia/AP
Von Filippo Gozzo
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Die Menschen in Deutschland könnten bald mit italienischen Zügen reisen, die als moderner, schneller und günstiger gelten als die ICE-Züge der Deutschen Bahn. Das würde das Monopol der Bahn aufbrechen, die derzeit mit 95 Prozent dominiert.

Der Fernverkehr auf deutschen Schienen dürfte in Zukunft vielfältiger und von stärkerem Wettbewerb geprägt sein.

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Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, bereiten gleich zwei italienische Bahnunternehmen den Einstieg in den deutschen Hochgeschwindigkeitsverkehr vor: die staatliche Ferrovie dello Stato (FS) mit ihrer Tochtergesellschaft Trenitalia sowie der private Anbieter Italo.

Die Deutsche Bahn, die quasi eine Monopolstellung innehat (es gibt kleine private Unternehmen, die regionale Verbindungen betreiben), verzeichnet ein Defizit von mehr als acht Milliarden Euro.

Außerdem kommt im Schnitt jeder zweite Zug in Deutschland mit Verspätung an, während dies vor zwanzig Jahren nur bei drei Prozent der Züge der Fall war.

Italiens Hochgeschwindigkeitszüge sollen dazu beitragen, dieses Problem zu lösen.

Italo gründete bereits deutsche Tochtergesellschaft

Ferrovie dello Stato Italiane (FS), die staatliche Eisenbahngesellschaft Italiens, und Italo (der private Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen in Italien, der offiziell den Namen NTV – Nuovo Trasporto Viaggiatori trägt) planen nun die Gründung von zwei Gesellschaften in Deutschland, mit Verbindungen im Ein- bis Zweistundentakt zwischen den wichtigsten deutschen Städten.

Ferrovie dello Stato Italiane (FS) drängt mit seiner Tochtergesellschaft Trenitalia auf den deutschen Markt, die u.a. Hochgeschwindigkeitszüge betreibt.

Italo soll demnach bereits besonders weit in seinen Plänen sein: Das Unternehmen hat eine deutsche Tochtergesellschaft gegründet und im Oktober die Betriebserlaubnis beantragt. Geplant seien Investitionen im mittleren einstelligen Milliardenbereich sowie stündliche oder zweistündliche Verbindungen. Nach Angaben der FAZ könnten dadurch über 1000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Trenitalia prüft indes parallel den Ausbau seines Deutschlandgeschäfts im renditestarken Fernverkehr - ein großer Markt in Deutschland mit über einer Milliarde Reisenden pro Jahr.

Geplant ist zudem bereits, dass italienische Hochgeschwindigkeitszüge innerhalb von zwei Jahren Rom über Mailand mit Berlin verbinden sollen.

Die beiden italienischen Unternehmen und die Deutsche Bahn haben sich dazu bisher nicht geäußert, aber Stefano Donnarumma, Geschäftsführer der FS-Gruppe, sagte, die "Beziehungen zur Deutschen Bahn seien ausgezeichnet".

Krise des deutschen Eisenbahnsystems

Deutschland befindet sich in der vielleicht schwersten Eisenbahnkrise seiner Geschichte.

Zu ständigen Verspätungen kommen Modernisierungsarbeiten an der Infrastruktur und Ausgaben in Höhe von mehr als hundert Milliarden: 40 kritische Strecken liegen fünf Jahre hinter dem Zeitplan zurück, und die Arbeiten sollen erst 2035 abgeschlossen sein. Dreitausend Kilometer Gleise müssen erneuert werden. 800 Brücken müssen teilweise abgerissen werden, viele Bahnhöfe sind renovierungsbedürftig.

Ein Beispiel dafür ist der Stuttgarter Bahnhof, der wie der Bahnhof in Bologna unterirdisch werden sollte und stattdessen nach 20 Jahren immer noch nicht fertiggestellt ist, wobei sich die Kosten verdreifacht haben.

Auch die italienischen Züge sind nicht perfekt: 2024 kamen 30 Prozent des Frecciarossa (die Hochgeschwindigkeitszüge der Marke Trenitalia) und 20 Prozent des Italo zu spät.

Die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie Italiane schloss ihre letzte Bilanz mit einem Defizit von 89 Millionen ab. Italo, mit einer Bilanzsumme von 911 Millionen, musste einen Rückgang der Aktiva um ein Drittel auf 108 Millionen hinnehmen.

Das sind jedoch immer noch bessere Zahlen als die der Deutschen Bahn.

Bundesregierung setzt bei der Bahn offenbar auf Italien

Andere europäische Bahngesellschaften, wie die aus Österreich und Frankreich, bieten bereits einige Verbindungen in Deutschland an, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr.

Von Wien nach Berlin reist man nachts mit österreichischen Zügen, während französische TGV-Züge einige Strecken in Deutschland befahren können, auch wenn es sich dabei nur um kleine Verbindungen handelt, die nicht mit dem Umfang der Leistungen von Italo und Frecciarossa im deutschen Eisenbahnnetz vergleichbar wären.

Das erste Anzeichen dafür, dass Berlin bei der Lösung der Bahnkrise zunehmend auf Italien setzt, kam am 1. September, als die 52-jährige Evelyn Palla aus Bozen in Südtirol als erste Frau in der 200-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn an die Spitze des Unternehmens berufen wurde.

Die italienische Managerin, die eine Ausnahme in der historischen Tradition der deutschen Führungskräfte darstellt, soll den Bahngiganten sanieren und die Pünktlichkeit der Züge wiederherstellen.

Die Entscheidung, italienische Züge einzusetzen, braucht noch die Zustimmung der Bundesregierung.

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