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Bondi Beach: Keine Hinweise auf Terrornetzwerk hinter Anschlag

Die Kommissarin der australischen Bundespolizei, Krissy Barrett, spricht über die Ermittlungen zu den Terroranschlägen, während Premierminister Anthony Albanese zuhört, in Canberra, 30. Dezember 2025
Die Kommissarin der australischen Bundespolizei, Krissy Barrett, spricht über die Ermittlungen zu den Terroranschlägen, während Premierminister Anthony Albanese zuhört, in Canberra, 30. Dezember 2025 Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Euronews
Zuerst veröffentlicht am
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Sydney reagiert mit Rekord-Polizeieinsatz auf den Bondi-Beach-Anschlag: Über 2.500 Beamte sichern Silvesterfeiern, begleitet von Gedenken und politischen Debatten um Sicherheit.

Die australische Polizei hat nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf gefunden, dass die beiden Bewaffneten hinter dem antisemitischen Anschlag am Bondi Beach in Sydney Teil eines größeren Terrornetzwerks waren. Bei dem Angriff wurden 15 Menschen getötet. Das teilten die Behörden am Dienstag mit.

Nach Angaben der Chefin der australischen Bundespolizei, Krissy Barrett, hielten sich Sajid Akram (50) und sein Sohn Naveed Akram (24) den größten Teil des Monats November in Davao City im Süden der Philippinen auf. Am 29. November kehrten sie nach Australien zurück.

Zwei Wochen später, am 14. Dezember, eröffneten die beiden während einer Chanukka-Feier das Feuer. Dabei wurden 15 Menschen getötet und weitere 40 verletzt.

Ermittlungen der philippinischen Nationalpolizei ergaben, dass die beiden Männer ihr Hotel während ihres Aufenthalts nur selten verlassen hatten. „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sie für den mutmaßlichen Anschlag geschult oder logistisch vorbereitet wurden“, sagte Barrett vor Reportern. Nach derzeitigem Stand seien sie offenbar allein vorgegangen. Es gebe keinerlei Hinweise auf eine Einbindung in eine größere Terrorzelle oder auf Unterstützung durch Dritte.

Zugleich betonte Barrett, sie gehe nicht davon aus, dass die Reise rein touristischen Zwecken diente. Den konkreten Grund für den Aufenthalt, der am 1. November begann, wollte sie jedoch nicht nennen.

Ein Polizeifahrzeug fährt an einem Budget-Hotel in der Innenstadt von Davao City im Süden der Philippinen vorbei, in dem die Bondi-Beach-Verdächtigen während ihres Aufenthalts im Land übernachtet haben sollen, 17. Dezember 2025
Ein Polizeifahrzeug fährt an einem Budget-Hotel in der Innenstadt von Davao City im Süden der Philippinen vorbei, in dem die Bondi Beach-Verdächtigen untergebracht gewesen sein sollen, 17. Dezember 2025 AP Photo

Die Behörden gehen davon aus, dass die Täter von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ inspiriert waren. Die südlichen Philippinen galten in der Vergangenheit als Anziehungspunkt für eine kleine Zahl ausländischer Kämpfer mit Verbindungen zu IS oder Al-Qaida, die dort gemeinsam mit separatistischen Gruppen trainierten.

Barrett erklärte zudem, dass Informationen aus den Philippinen nur eingeschränkt veröffentlicht würden, um das laufende Verfahren gegen Naveed Akram nicht zu gefährden. Dieser hat sich bislang nicht zu den zahlreichen Anklagepunkten geäußert, darunter 15 Mordanklagen und ein Vorwurf wegen terroristischer Handlungen.

Naveed Akram wurde am Tag des Anschlags bei einem Schusswechsel mit der Polizei am Bondi Beach verletzt und eine Woche lang im Krankenhaus behandelt, bevor er in Haft kam. Sein Vater wurde noch am Tatort getötet. Unter den Verletzten befanden sich auch zwei Polizeibeamte. Die zuerst eintreffenden Einsatzkräfte waren lediglich mit Glock-Pistolen ausgerüstet, die den Gewehren und Schrotflinten der Angreifer unterlegen waren.

Massive Polizeipräsenz

Vor dem Hintergrund des Anschlags kündigten die Behörden für die Silvesterfeierlichkeiten in Sydney die größte Polizeipräsenz in der Geschichte der Stadt an. Mehr als 2.500 Polizisten sollen am Hafen im Einsatz sein, viele davon mit automatischen Waffen – ein ungewohntes Bild für Sydneys Straßen.

Der Premierminister von New South Wales, Chris Minns, betonte jedoch, dass der Staat nicht zu einer dauerhaft militarisierten Polizei übergehen werde. Angesichts des schlimmsten Terroranschlags in der australischen Geschichte sei es jedoch selbstverständlich, dass Sicherheitsmaßnahmen angepasst würden.

Ein Polizist sitzt mit einer Schusswaffe auf dem Dach eines Gebäudes in Bondi Beach in Sydney, 21. Dezember 2025
Ein Beamter sitzt mit einer Schusswaffe auf dem Dach eines Gebäudes in Bondi Beach in Sydney, 21. Dezember 2025 AP Photo

Er räumte ein, dass es Kritik an der verstärkten Bewaffnung gebe, sagte aber zugleich, viele Familien fühlten sich dadurch sicherer. Jährlich versammeln sich mehr als eine Million Menschen an der Uferpromenade, um das Feuerwerk rund um die Sydney Harbour Bridge zu verfolgen.

Minns äußerte zudem die Sorge, ein Rückgang der Besucherzahlen könne von Extremisten als Erfolg gewertet werden. Die Feierlichkeiten seien daher auch ein Zeichen des Widerstands: eine Möglichkeit, das öffentliche Leben nicht von Angst bestimmen zu lassen.

Menschen nehmen an einer Zeremonie anlässlich des Nationalen Tages der Besinnung für die Opfer und Überlebenden am Bondi Beach in Sydney teil, 21. Dezember 2025
Menschen nehmen an einer Zeremonie anlässlich des Nationalen Tages der Besinnung für Opfer und Überlebende am Bondi Beach in Sydney teil, 21. Dezember 2025 AP Photo

Am Mittwoch um 23 Uhr soll der Opfer des Anschlags von Bondi Beach mit einer Schweigeminute gedacht werden. Zudem werden vier Darstellungen einer Menora auf die Pylone der Harbour Bridge projiziert, wie Sydneys Bürgermeisterin Clover Moore mitteilte. Ursprünglich war geplant gewesen, eine Friedenstaube zu zeigen, doch nach Gesprächen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde wurden diese Pläne geändert.

„Ich höre weiterhin auf die Gemeinde, um sicherzustellen, dass der schreckliche Anschlag in der Silvesternacht angemessen gewürdigt wird“, erklärte Moore.

Weitere Quellen • AP

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