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Nach Stromausfall in Berlin: Linksextremistische Gruppe bekennt sich zu Brandanschlag

Stromausfall in Berlin
Stromausfall in Berlin Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Ein mutmaßlicher Brandanschlag sorgt seit Samstag für einen großflächigen Stromausfall in Berlin. Inzwischen ist ein Bekennerschreiben einer linksextremistischen Gruppe aufgetaucht. Sicherheitsbehörden halten es für plausibel - während viele Betroffene auch am Sonntag weiterhin im Dunkeln sitzen.

Der großflächige Stromausfall in Berlin ist nach Einschätzung der Polizei tatsächlich auf einen Brandanschlag zurückzuführen.

In einem Schreiben, das dem rbb vorliegt, bekennt sich die anarchistische "Vulkangruppe" zu dem Brand in der Nähe eines Kraftwerks im Südwesten der Hauptstadt. In dem Text werden Einzelheiten zum Ablauf des Brandgeschehens geschildert.

Nach aktuellem Stand der Ermittlungen wird das Schreiben von der Polizei als "glaubhaft" eingestuft, sagte ein Polizeisprecher. Auch der Berliner Senat geht von einem politisch motivierten Anschlag aus, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bestätigte die Beteiligung der linksextremistischen Gruppe offiziell.

Die Ermittlungen zum Tathintergrund gehen dennoch weiter.

Was ist über die "Vulkangruppe" bekannt?

Über die "Vulkangruppe" liegen den Sicherheitsbehörden bereits seit Jahren Informationen vor. Die Gruppe wurde nach Angaben des Verfassungsschutzes 2011 gegründet. Der Berliner Verfassungsschutz beschäftigte sich seitdem mehrfach mit ihr, unter anderem in den Jahren 2011, 2013, 2018, 2019 und 2024.

"Die Gruppe gehört dem linksextremistischen Spektrum an", so Sicherheitsexperte Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Gespräch mit dem stern. Eine Auswertung früherer Bekennerschreiben durch den Verfassungsschutz habe gezeigt, dass die Gruppe anarchistisch ausgerichtet sei. Inhaltlich gehe es ihr vor allem um Themen rund um Klimawandel und Klimakrise.

Wie viele Menschen zur "Vulkangruppe" gehören, sei unklar. Zu Mitgliederzahl und internen Strukturen gebe es keine gesicherten Erkenntnisse, so Neumann. Nach Einschätzung der Behörden handelt es sich jedoch um eine eher kleine Gruppe. Aktiv war sie bislang vor allem in Berlin und Brandenburg. Zu den bisherigen Zielen zählten Kabelschächte, Funkanlagen und Strommasten.

Bereits im März 2018 verübte die Gruppe in Berlin-Charlottenburg einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen. Auch 2020 brannte ein Kabelschacht in Berlin. In beiden Fällen tauchten anschließend Bekennerschreiben der "Vulkangruppe" auf.

Der bekannteste Fall ereignete sich jedoch 2024. Unter dem Namen "Vulkangruppe Tesla abschalten" bekannte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag auf einen Strommast am 5. März in der Nähe der Tesla-Gigafactory in Grünheide in Brandenburg. Dadurch wurde die Stromversorgung des Werks unterbrochen, die Produktion kam zeitweise zum Stillstand.

Dass nun erneut Infrastruktur Ziel eines Angriffs geworden sein könnte, passt also ins Muster: Laut dem Berliner Verfassungsschutzbericht von 2019 will die "Vulkangruppe" mit Sabotageaktionen gezielt Schwachstellen in der städtischen Infrastruktur aufzeigen und erheblichen Sachschaden verursachen.

Viele im Südwesten Berlins weiterhin im Dunkeln

Während die Polizei weiter ermittelt, sind viele Menschen im Südwesten Berlins weiterhin ohne Strom. Inzwischen wurde eine erste Notunterkunft für Betroffene eingerichtet. In einem Sportzentrum am Hüttenweg im Stadtteil Zehlendorf steht nun ein Betreuungspunkt des Bezirks zur Verfügung, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. Dort gibt es auch Betten für Menschen, deren Wohnungen inzwischen zu kalt geworden sind. Weitere Notunterkünfte sollen folgen.

Der Bezirk rief die Bevölkerung dazu auf, wenn möglich bei Familie, Freunden oder Bekannten unterzukommen. Zudem kündigte die Polizei verstärkte Streifenfahrten in den betroffenen Gebieten an. Rund 300 zusätzliche Polizisten seien im Einsatz. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden würden bestimmte Bereiche ausgeleuchtet. Hilfesuchende könnten sich jederzeit an Einsatzkräfte vor Ort wenden.

Ähnlicher Anschlag auf das Stromnetz im vergangenen Jahr

Es ist nicht das erste Mal, dass Teile Berlins durch einen Brandanschlag von einem großflächigen Stromausfall betroffen sind. Bereits im September vergangenen Jahres kam es nach einem Anschlag auf einen Strommast im Bezirk Treptow-Köpenick zu erheblichen Ausfällen. Damals waren ebenfalls rund 50.000 Haushalte und Gewerbebetriebe zeitweise ohne Strom. Erst nach etwa 60 Stunden war die Versorgung vollständig wiederhergestellt.

Die Folgen des aktuellen Stromausfalls sind nach Einschätzung der Behörden jedoch deutlich gravierender als bei dem Vorfall im vergangenen Jahr. Zwar hatten rund 2.000 Haushalte im Stadtteil Lichterfelde in der Nacht zum Sonntag wieder Strom. In Nikolassee, Zehlendorf und Wannsee müssen sich viele Menschen jedoch voraussichtlich noch bis Donnerstag gedulden, bis die Stromversorgung vollständig wiederhergestellt ist.

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