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Putin: Russlands Soldaten auf "heiliger Mission"

Heiligabend in Kronstadt.
Heiligabend in Kronstadt. Copyright  AP Photo
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Von Euronews
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Das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, ein offener Befürworter der Aggression gegen die Ukraine, gratulierte den Russinnen und Russen zur "Ankunft des Erlösers". Erst kürzlich erklärte er, Russland verstoße im Krieg nicht gegen das Gebot Christi "Du sollst nicht töten".

Die russischen Behörden rechnen damit, dass zu den orthodoxen Weihnachtsgottesdiensten in diesem Jahr mindestens ebenso viele Gläubige kommen werden wie im vergangenen Jahr. Sie verweisen darauf, dass allein im Januar 2025 in Moskau mehr als 1,5 Millionen Menschen an kirchlichen Veranstaltungen teilgenommen haben.

Zu denen, die den Weihnachtsgottesdienst regelmäßig besuchen, gehört auch Kremlchef Wladimir Putin. In diesem Jahr beging er das Fest in einer Kirche auf dem Gelände einer Militäreinheit im Moskauer Umland, umgeben von Offizieren des militärischen Geheimdienstes.

"Wie auf Gottes Geheiß"

Nach dem Gottesdienst wandte sich Putin mit Glückwünschen an die Gläubigen. In seiner Ansprache zog er einen Vergleich zwischen Jesus Christus und dem russischen Militär. Beide erfüllten, so der Präsident, ihren Auftrag "wie im Auftrag Gottes", nämlich "das Vaterland und sein Volk zu retten".

Den Krieg gegen die Ukraine sprach er nicht ausdrücklich an, sprach jedoch von einem "einzigen Sieg für alle".

Die Darstellung der groß angelegten Aggression gegen die Ukraine als "heiliger Krieg" und als "Verteidigung des Vaterlandes" gehört weiterhin zu den gängigen Erzählmustern des Kremls und der ihm nahestehenden Führung der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Zu Beginn der umfassenden Invasion hatte das Oberhaupt der Kirche, Patriarch Kirill, den im Krieg gefallenen Russen die Vergebung ihrer Sünden in Aussicht gestellt, während er selbst von einem "internen Konflikt" sprach. Die Invasion rechtfertigte er mit der angeblichen Notwendigkeit, gegen Pride-Paraden vorzugehen, und ordnete ein neues Gebet mit dem Titel "O Heiliges Russland" an, das in russischen Kirchen gesprochen werden sollte.

Der Priester John Koval, der darin das Wort "Sieg" durch "Frieden" ersetzt hatte, wurde kurz darauf seines Amtes enthoben. Zahlreiche Geistliche, die sich gegen den Krieg stellten, sahen sich zu unterschiedlichen Zeiten Repressionen ausgesetzt.

Zu den bekanntesten Fällen zählen Priester John Burdin, der wegen "Diskreditierung der Armee" mit einem Predigtverbot und einer Geldstrafe belegt wurde, Andrej Kurajew, dem man wegen "destruktiver Handlungen" das Amt entzog, sowie Andrej Kordotschkin, der aufgrund seiner Predigten über Barmherzigkeit auf die Liste sogenannter ausländischer Agenten gesetzt wurde.

Arbeitet das Moskauer Patriarchat in der Ukraine für den Kreml?

Im Frühjahr 2022 unterzeichneten mehrere russische Geistliche einen offenen Brief mit einem Friedensappell, der von 293 Namen getragen wurde. Diese Haltung steht jedoch im klaren Widerspruch zur offiziellen Linie.

So bezeichnete der Kongress des Russischen Weltvolksrats, der im Frühjahr 2024 unter der Schirmherrschaft der Russisch-Orthodoxen Kirche stattfand, den russischen Krieg gegen die Ukraine als "heilig".

Im selben Jahr stufte die Parlamentarische Versammlung des Europarats die Russisch-Orthodoxe Kirche als Instrument der Propaganda und politischen Einflussnahme des Kremls ein.

Vor diesem Hintergrund erklärte der Rat der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) seine Autonomie und Unabhängigkeit vom Moskauer Patriarchat. Im Herbst 2025 reichte der ukrainische Staatsdienst für Ethnopolitik und Gewissensfreiheit Klage ein und forderte die Auflösung des Kyjiwer Metropolitenbezirks der UOK, da dieser weiterhin als mit Moskau verbunden angesehen werde.

Die Behörden in Kyjiw leiteten zudem mehr als 200 Strafverfahren wegen mutmaßlich antiukrainischer Aktivitäten und weiterer Straftaten gegen Vertreter der UOK ein. Ihnen wird vorgeworfen, ukrainische Bürger angeworben und im Auftrag russischer Geheimdienste gehandelt zu haben, mit dem Ziel, die sozioökonomische Lage des Landes zu destabilisieren.

Zu Beginn des Jahres 2026 nahm der ukrainische Sicherheitsdienst Ermittlungen zu den Aktivitäten einer Untergrundschule auf dem Gelände des Holosiivskyi-Klosters in Kyjiw auf, auf die Journalisten gestoßen waren. Dort sollen Kinder mit sowjetischen Lehrbüchern und auf Russisch unterrichtet worden sein. Auch Bildungsminister Oksen Lisowyj schaltete sich in den Fall ein.

Am 28. Juli 2023 unterzeichnete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Gesetz, mit dem der orthodoxe Weihnachtsfeiertag nach julianischem Kalender am 7. Januar abgeschafft wurde. Stattdessen gilt seither ausschließlich der 25. Dezember als gesetzlicher Feiertag.

Was die Rolle der Russisch-Orthodoxen Kirche im Zusammenhang mit dem Krieg betrifft, wirft ihr der ukrainische Sicherheitsdienst vor, unter religiösem Deckmantel gezielt Gemeindemitglieder zu rekrutieren.

Nach Erkenntnissen der Behörden werden entsprechende Zentren von Finanz und Industriekonzernen unterstützt, die dem russischen Präsidenten nahestehen. Die Mittel flössen unter anderem in Form von Mitgliedsbeiträgen und Spenden für den Bau von Kirchen.

Eine zerstörte Kirche in der Region Donezk.
Eine zerstörte Kirche in der Region Donezk. AP Photo

In Russland selbst ist die unmittelbare Bindung der Gläubigen an christliche Dogmen vor dem Hintergrund des Krieges längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

So erklärte Patriarch Kirill im November, wie das sechste Gebot Christi "Du sollst nicht töten" unter den aktuellen Bedingungen zu verstehen sei. Seiner Darstellung zufolge stelle sich das russische Militär in der Ukraine dem Bösen entgegen und verstoße damit nicht gegen das Gebot des Erlösers zur Unantastbarkeit menschlichen Lebens.

Orthodoxe Weihnachten und Raketen

Am orthodoxen Weihnachtsabend beschoss die russische Armee die Stadt Dnipro. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden dabei sieben Menschen verletzt, zudem kam es zu Schäden an Wohnhäusern und Infrastruktur. Moskau erklärt zwar regelmäßig, ausschließlich militärische und energetische Ziele auf ukrainischem Gebiet anzugreifen, doch Drohnen und Raketen trafen immer wieder auch zivile, kulturelle und religiöse Einrichtungen.

Zu Ostern im vergangenen Jahr bezeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj die russische Armee als "eine der größten Bedrohungen für christliche Kirchen und Gläubige".

"In den Jahren des totalen Krieges wurden 67 ukrainische Priester, Pastoren und Mönche von russischen Besatzern getötet oder zu Tode gemartert. 640 religiöse Stätten wurden zerstört, die meisten von ihnen christlich", sagte das Staatsoberhaupt damals. Er versprach, "sie alle wiederaufzubauen".

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