Laut dem schwedischen Forschungsinstitut Sipri ist Deutschland zum viertgrößten Rüstungsexporteur der Welt aufgestiegen. Deutschland verdrängt damit China von Platz 4. Während die Rüstungsindustrie boomt, schwächelt weiterhin Deutschlands übrige Wirtschaft.
Am Montag veröffentlichte das "Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut" (Sipri), dass Deutschland zum viertgrößten Rüstungsexporteur aufgestiegen ist. Das Institut wurde 1966 auf Basis einer Entscheidung des schwedischen Parlaments gegründet und finanziert sich größtenteils staatlich.
Damit verdrängt die Bundesrepublik im Rüstungsexport-Ranking China vom Platz. China ist nun Exporteur Nr. 5. Die USA bleiben mit Abstand der größte Exporteur von Rüstungsgütern, gefolgt von Frankreich und Russland – dann Deutschland. Hauptgrund dafür ist der massive Boom der europäischen Nachfrage durch den Ukraine-Krieg.
Fast ein Viertel (24 %) der Waffenexporte von Deutschland flossen in die Unterstützung der Ukraine, weitere 17 % Exporte wurden dem Bericht zufolge in andere europäische Länder wie NATO-Partner ausgeführt.
China exportiert allerdings weiterhin solide. Im Vergleich zum vorherigen Fünfjahreszeitraum (2016–2021) stieg das Exportvolumen Chinas um +11 %, so das Sipri-Institut. Für China ist dies kein Zeichen von Schwäche. Tatsächlich hat sich China eine größere Unabhängigkeit aufgebaut: Es braucht weniger Rüstungsgüter von außen, produziert mehr selbst und exportiert gezielt in Einflusssphären wie nach Pakistan.
China – jetzt nicht mehr viertgrößter, sondern fünftgrößter Rüstungsexporteur – setzt zudem bei der Rüstungsproduktion strategisch auf eigenen Bedarf und militärischen Aufbau, wie beispielsweise der aktuelle Bericht des Center für Strategic and International Studies (CSIS) zeigt.
Während die Rüstungsindustrie in Deutschland boomt und unter anderem Rekordaufträge sowie Umsatzexplosionen verzeichnet, steht die deutsche Wirtschaft im März 2026 weiterhin schwach da – mit einem erwarteten Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von nur ca. 0,9 bis 1,2 Prozent für das Jahr.
Europäische Staaten verdreifachten Waffenimporte
Die globalen Waffenlieferungen stiegen laut dem schwedischen Institut zwischen den Perioden 2016 bis 2020 sowie 2021 bis 2025 um 9,2 Prozent. Für diesen Zeitraum hätten die europäischen Staaten ihre Waffenimporte verdreifacht.
"Während Spannungen und Konflikte in Asien, Ozeanien und dem Nahen Osten weiterhin die Waffenimporte in großem Umfang ankurbeln, hat der starke Anstieg der Waffenlieferungen an europäische Staaten die globalen Waffentransfers um fast 10 Prozent erhöht", sagte Mathew George, Direktor bei Sipri.
Auch andere europäische Staaten hätten "begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren, um ihre militärischen Kapazitäten angesichts der wahrgenommenen wachsenden Bedrohung durch Russland zu stärken."
Doch auch die Unsicherheit darüber, inwiefern die USA ihre NATO-Partner in einem sogenannten "Ernstfall" verteidigen würden, hätte die Nachfrage nach Waffen ebenso in die Höhe getrieben, so der Bericht.
Größter Teil der US-Waffenexporte ging nach Europa
Zugleich ging der größte Anteil der US-Waffenexporte nach Europa, nicht in den Nahen und Mittleren Osten - "zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten", heißt es im Sipri-Papier.
Die USA standen von 2021 bis 2025 für 42 Prozent aller internationalen Waffenlieferungen und exportierten Rüstung in 99 Staaten. Im Zeitraum 2016 bis 2020 waren es noch 36 Prozent. Die USA bauen ihre Dominanz im Waffenexport also weiter aus.
Unter den 99 Staaten sind: 35 Staaten in Europa, 18 in Amerika, 17 in Afrika, 17 in Asien und Ozeanien sowie 12 im Nahen Osten.
"Die USA haben ihre Dominanz als Waffenlieferant weiter gefestigt, selbst in einer zunehmend multipolaren Welt", sagte Pieter Wezeman, Senior Researcher beim Sipri Arms Transfers Programme.