Schon nach Khomeinis Tod 1989 kappte die iranische Regierung Telefonverbindungen ins Ausland, um die Kommunikation mit der Außenwelt zu blockieren.
Die Abschaltung von Kommunikationsmitteln mit der Außenwelt ist ein Ansatz, der sich im Laufe der Jahre zu einem der wirksamsten Instrumente der iranischen Behörden zur Kontrolle des Informationsflusses entwickelt hat.
Dieses Vorgehen hat sich mehrfach bewährt und wurde mit unterschiedlicher Intensität umgesetzt. So wurde während des zwölf Tage dauernden Konflikts mit Israel im Juni 2025 die Internet-Bandbreite im Iran erheblich eingeschränkt.
Bei den Protesten gegen die steigenden Treibstoffpreise im November 2019 wurde der Internetzugang für die breite Bevölkerung fast vollständig gekappt, während bestimmte Institutionen und Einzelpersonen weiterhin einen begrenzten, kontrollierten Zugang hatten.
Während der Protestbewegung „Frauen, Leben, Freiheit“ kam es zu spürbaren Reduzierungen der Internetgeschwindigkeit und zu weitreichenden Unterbrechungen, doch die Verbindungen wurden nie vollständig gekappt, sodass zumindest ein minimaler Informationsfluss möglich blieb.
Die jüngsten Proteste zeigen jedoch eine beispiellose Eskalation. Nicht nur der Internetzugang ist vollständig unterbrochen, auch Mobilfunknetze und Auslandsgespräche sind nicht mehr verfügbar. Die einzige einigermaßen stabile Kommunikationsmöglichkeit besteht in Festnetzanrufen innerhalb des Landes.
Dieses Ausmaß an Beschränkungen geht weit über frühere Maßnahmen hinaus und zeigt, dass die Regierung ihre Kontrollinstrumente vom digitalen Raum auf die gesamte Telekommunikationsinfrastruktur ausgeweitet hat.
Die Internetsperren zielen in erster Linie darauf ab, die Übertragung von Bildern, Videos und Nachrichten aus dem Iran zu verhindern. Unter diesen Bedingungen ist es unabhängigen Medien praktisch unmöglich, aus dem Land zu berichten, wodurch die Regierung faktisch zum einzigen Berichterstatter wird.
Gleichzeitig wird die Möglichkeit der Demonstrierenden, sich über soziale Medien und Messaging-Apps zu koordinieren, weitgehend unterbunden. Die Abschaltung der Mobilfunknetze dient demselben Zweck und verhindert die direkte Kommunikation zwischen den Bürgern.
Darüber hinaus stört die Islamische Republik seit langem persischsprachige Satellitenkanäle durch Störsignale, wodurch der Empfang ausländischer Sender erschwert wird. Diese Maßnahmen schließen den Informationskontrollkreislauf der Regierung ab.
Was sich heute im Iran abspielt, ist sowohl in Bezug auf das Ausmaß als auch auf die Intensität des Kommunikations-Blackouts ein Novum in der jüngeren Geschichte. Es zeigt, dass die jüngsten Proteste die Behörden in Teheran stärker alarmiert haben als je zuvor und sie gezwungen sind, das volle Spektrum ihrer Kommunikationskontrollinstrumente einzusetzen.