Ayatollah Khamenei beschuldigt den US Präsidenten Donald Trump die Unruhen im Iran anzuheizen. Trotz Internetsperre gehen die Proteste im Land weiter. Der im Exil lebende Kronprinz Reza Pahlavi ruft zu Massendemonstrationen für Freiheit auf.
Der iranische Ayatollah Ali Khamenei beschuldigte die Demonstranten mit Blick auf US-Präsident Donald Trump, „ihre eigenen Straßen zu ruinieren, um den Präsidenten eines anderen Landes glücklich zu machen“. Die Proteste hielten trotz eines landesweiten Internet- und Telefonverbots bis Freitag an.
Der 86-jährige Führer in Teheran signalisierte in einer kurzen Fernsehansprache, dass die Behörden weiterhin hart gegen Demonstranten vorgehen würden. Im Publikum waren Rufe wie „Tod für Amerika“ zu hören.
Am Donnerstagabend zogen Demonstranten durch Teheran und andere Städte, nachdem der im Exil lebende Kronprinz Reza Pahlavi zu Massendemonstrationen aufgerufen hatte. In online geteilten Videos sind Menschen zu sehen, die an Lagerfeuern Parolen gegen die Regierung rufen. Auf den Straßen liegen Trümmer.
Iranische Staatsmedien brachen am Freitag ihr Schweigen über die Proteste. Sie behaupteten, „terroristische Agenten“ der USA und Israels hätten Brände gelegt und Gewalt ausgelöst. Das staatliche Fernsehen sprach von „Opfern“, nannte aber keine Details.
Wegen der Kommunikationsunterbrechung ließ sich das Ausmaß der Demonstrationen nicht unabhängig überprüfen. Dennoch gelten die Unruhen als die größte Herausforderung für die iranische Führung seit mehreren Jahren. Auslöser ist nach Einschätzung von Beobachtern vor allem die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage. Seit dem 28. Dezember haben sich die Proteste weiter verschärft.
Nach Angaben der in den USA ansässigen Human Rights Activists News Agency wurden im Umfeld der Demonstrationen mindestens 42 Menschen getötet und mehr als 2.270 festgenommen.
Kronprinz: Iraner fordern ihre Freiheit
Pahlavi, dessen Vater vor der islamischen Revolution von 1979 ins Exil ging, rief am Donnerstagabend erneut zu Protesten auf. Für Freitag kündigte er Demonstrationen um 20 Uhr Ortszeit an, das entspricht 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit.
„Den Ausschlag für die Proteste gab der Aufruf des ehemaligen Kronprinzen Reza Pahlavi, auf die Straße zu gehen“, sagte Holly Dagres, Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy. „Genau deshalb wurde das Internet abgeschaltet: um zu verhindern, dass die Welt die Proteste sieht.“
Als es am Donnerstag 20 Uhr wurde, brachen in Vierteln Teherans Sprechchöre aus, berichteten Zeugen. Demonstranten riefen „Tod dem Diktator“ und „Tod der Islamischen Republik“. Andere lobten den Schah. Wieder andere skandierten: „Dies ist die letzte Schlacht, Pahlavi wird zurückkehren.“ Kurz darauf wurde die Kommunikation gekappt.
Pahlavi fordert internationalen Druck
„Die Iraner haben heute Abend ihre Freiheit gefordert. Als Antwort hat das Regime alle Kommunikationsverbindungen gekappt“, sagte Pahlavi. Er forderte europäische Regierungschefs auf, gemeinsam mit Trump Druck auszuüben, um die Kommunikation wiederherzustellen und die iranische Führung zur Verantwortung zu ziehen.
Nach Angaben des staatlichen Fernsehens gab es Tote. Außerdem seien „Privatautos, Motorräder, öffentliche Einrichtungen wie die U-Bahn, Feuerwehrfahrzeuge und Busse“ in Brand gesetzt worden.
Die iranische Währung Rial fiel im Dezember auf 1,4 Millionen je US-Dollar. In dieser Phase wurden Sanktionen verschärft, zugleich stand das Land nach einem zwölftägigen Konflikt mit Israel im Juni unter starkem Druck. Kurz darauf begannen Proteste.
Trump warnte vergangene Woche, die USA würden reagieren, falls Teheran friedliche Demonstranten töte. In einem Interview mit Hugh Hewitt sagte Trump am Donnerstag, dem Iran sei klar gemacht worden, dass es dann „höllische“ Konsequenzen gebe.
Trump lehnte es ab zu sagen, ob er Pahlavi treffen würde. Zu Hewitt sagte er: „Ich bin mir nicht sicher, ob es zu diesem Zeitpunkt angemessen wäre, das als Präsident zu tun. Ich denke, wir sollten das laufen lassen und sehen, wer dabei herauskommt.“
In einem Gespräch mit Sean Hannity auf Fox News am Donnerstagabend deutete Trump an, Khamenei könne erwägen, den Iran zu verlassen. „Er will irgendwohin gehen“, sagte Trump und fügte hinzu: „Es wird sehr schlimm.“