Am Freitag treffen sich Friedrich Merz und Giorgia Meloni in Rom für deutsch-italienische Regierungskonsultationen. EU-Politiker Manfred Weber forderte ein engeres Bündnis nach dem Vorbild der deutsch-französischen Freundschaft.
Der Chef der europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, Manfred Weber, will die deutsch-italienischen Beziehungen in Zukunft vertiefen. "Italien und Deutschland sind Garanten der europäischen Einigung", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Die bilateralen Beziehungen der beiden Länder sollen daher gefestigt werden. Als Vorbild könnte dabei die deutsch-französische Freundschaft dienen. "Analog des Aachener Vertrages braucht es auch einen engen Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und Italien", sagte Weber.
Deutsch-italienische Regierungskonsultationen
Am Freitag soll Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Rom treffen und die bilateralen Beziehungen besprechen.
Im Rahmen der deutsch-italienischen Regierungskonsultationen nehmen Vertreter beider Länder an den Gesprächen teil, Merz werde mit zahlreichen Mitgliedern des Bundeskabinetts anreisen, so der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in der Regierungspressekonferenz Mitte Januar.
Unter anderem geht es um europa- und wirtschaftspolitische Fragen. Die beiden Länder wollen sich aber auch über sicherheits- und verteidigungspolitische Fragen austauschen. Die Gespräche finden jeweils parallel nach Ressort statt. Zum Abschluss ist eine Plenarsitzung mit einem begleitenden Mittagessen geplant.
"Es besteht eine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der italienischen Regierung", erklärte Hille in der Regierungspressekonferenz vom 16. Januar. Die anstehenden Regierungskonsultationen seien ein Ausweis dieser Zusammenarbeit.
Italien sei ein wichtiger europäischer Verbündeter und auch ein enger Freund Deutschlands, sagte er weiter. Auch Italien hätten eine Schlüsselrolle in der Europäischen Union und bei der Stärkung des europäischen Pfeilers in der NATO.
Nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers gebe es daher ein "breites Fundament", auf dem die Beziehungen und die enge Freundschaft stünden. " Ich darf daran erinnern, dass wir in diesem Jahr seit 75 Jahren diplomatische Beziehungen zu Italien unterhalten", sagte Hille.
Italien und Deutschland als Teil der "Group of Five"
Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien hat sich in den vergangenen Jahren deutlich vertieft, insbesondere durch neue Kooperationsformate.
So haben sich im November 2024 die Verteidigungsminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und Italien erstmals als "Group of Five" in Berlin getroffen. Die fünf Minister berieten über die weitere Unterstützung der Ukraine sowie die Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit. Mitte Januar haben sich die Länder auf Einladung von Polen in Helenów nahe Warschau getroffen.
"2025 ist ein weichenstellendes Jahr für die Sicherheit Europas, wir haben keine Zeit zu verlieren, wenn wir den Frieden in Europa verteidigen wollen", sagte Verteidigungsminister Pistorius damals. "Es geht um einen gerechten, einen dauerhaften Frieden, der am Ende stehen muss." Für Europa sei es notwendig, seine Handlungsfähigkeit zu erhöhen.
Durch die Treffen der "Group of Five" soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe auf Initiative von Pistorius ins Leben gerufen werden. So könnten die Länder ihre Erfahrungen untereinander besser austauschen.
"Wir müssen militärisch stärker und als Gesellschaften vor allem resilienter werden", konstatierte der deutsche Verteidigungsminister. Auch die Abstimmung zwischen EU und NATO ist ein Kernthema der "Group of Five", um Ressourcen zu sparen und die Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen.
Beim nächsten Treffen der neu gegründeten Gruppe in Paris sollen auch der NATO-Generalsekretär Mark Rutte sowie die Hohe Beauftragte der EU, Kaja Kallas und der EU-Vertidigungskommissar Andrius Kubilius eingeladen werden.
Der Elysée-Vertrag: So geht deutsch-französische Freundschaft
Der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer hat 1963 gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle den Freundschaftsvertrag unterschrieben.
Ein Vertrag für die Freundschaft: der Elysée-Vertrag. Damit wollten die Nachbarländer ihre Differenzen aus dem 19. und 20. Jahrhundert überwinden. De Gaulle hatte Adenauer in sein privates Landhaus eingeladen, um nach dem Krieg die deutsch-französischen Beziehungen auf kultureller, wirtschaftlicher und politischer Ebene wiederaufzunehmen.
Die Geste gilt als historisch und legte den Grundstein für den Vertrag etwa fünf Jahre später. Der bilaterale Einigungsprozess diente als Motor für die europäische Einigung und den Integrationsprozess, der mit den Römischen Verträgen und der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von 1957 begonnen hatte.
Im Vertrag steht beispielsweise ein Konsultationsmechanismus: Vertreter beider Länder treffen sich regelmäßig zum politischen Austausch. Außerdem sollen sich die Länder in Außen-, Europa- und Verteidigungspolitik enger abstimmen.