Die europäischen Gaspreise sind am Montag deutlich gestiegen: Wegen der Eskalation im Nahen Osten stoppte Katar die LNG-Förderung in seinem größten Werk.
Der maßgebliche europäische Gaspreis am niederländischen TTF-Handelspunkt ist am frühen Nachmittag zeitweise um bis zu fünfundvierzig Prozent auf rund 46 Euro je Megawattstunde gestiegen.
Auch in Großbritannien schnellten die Erdgaspreise nach oben; die Referenzsorte NBP zog im Gleichschritt mit den Festlandmärkten kräftig an.
Die starke Nervosität an den Märkten sorgt für heftige Ausschläge im Minutentakt.
Der Preissprung folgt auf Angriffe der USA und Israels auf den Iran. Sie haben die Spannungen in einer für die weltweiten Energieflüsse zentralen Region weiter verschärft.
QatarEnergy gab am frühen Montagnachmittag bekannt, dass das Unternehmen die Produktion von Flüssigerdgas aus Vorkommen im riesigen North-Field-Gasfeld nach einem Angriff auf seine Anlagen gestoppt habe. Zum Ausmaß der Beeinträchtigung machte der Konzern keine weiteren Angaben.
Störungen in der Straße von Hormus schüren weltweite Sorge
Ein großer Teil der weltweiten Energieversorgung stammt aus dem Nahen Osten. Schon vor der Meldung aus Katar stand der Seehandel mit Öl und Gas im Mittelpunkt der Sorgen an den Märkten.
Die Straße von Hormus, eine enge Seepassage, die weitgehend unter iranischer Kontrolle steht, gehört zu den wichtigsten Engpässen für den Transport von Öl und Flüssigerdgas, darunter auch für die Exporte Katars.
Der Iran versucht seit den Angriffen, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu behindern. Das schürt die Angst vor Lieferunterbrechungen.
„In der modernen Geschichte ist die Straße von Hormus nie vollständig geschlossen worden, auch wenn es zeitweise zu Verzögerungen im Schiffsverkehr kam“, sagte Maurizio Carulli, globaler Energieanalyst beim Vermögensverwalter Quilter Cheviot.
Er fügte hinzu: „Rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung und 38 Prozent des Seehandels mit Rohöl passieren die Straße von Hormus.“
Carulli rechnet nicht damit, dass Reedereien ihre Öltanker wieder durch die Meerenge schicken, bevor sich die militärische Lage entspannt. Das Risiko von Beschädigungen oder Beschlagnahmungen der Schiffe sei zu hoch, zudem könnten Versicherer den Schutz vorübergehend aussetzen.
„Satellitendaten zeigen, dass der Tankerverkehr am Wochenende nahezu zum Erliegen gekommen ist. Reedereien haben dies aus Vorsicht veranlasst“, sagte er.
Anhaltende Störungen könnten auch die LNG-Lieferungen aus Katar treffen. Das Emirat deckt rund zwölf bis vierzehn Prozent der europäischen Flüssigerdgasimporte.
Europa stärker dem globalen Wettbewerb ausgesetzt
Europa ist zwar nicht hauptsächlich auf Gas aus Katar angewiesen, doch Fachleute warnen trotzdem vor erheblichen indirekten Folgen.
Sollten Lieferungen nach Asien ausfallen, würden Käufer dort nach Ersatzfracht suchen und damit den Wettbewerb um LNG weltweit verschärfen.
Die Preise dürften dann überall steigen, auch in Europa.
Katar ist nach den USA und Australien der drittgrößte Exporteur von Flüssigerdgas. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 spielt das Land für Europa eine immer wichtigere Rolle, weil die Staaten der EU ihre Abhängigkeit von russischem Pipelinegas verringern.
Niedrige Speicherstände erhöhen die Verwundbarkeit
Die vergleichsweise geringen Füllstände der europäischen Gasspeicher verstärken die Nervosität an den Märkten.
Die Gasspeicher in der Europäischen Union sind derzeit zu weniger als 30 Prozent gefüllt, obwohl die Heizsaison zu Ende geht. Im vergangenen Jahr lag der Wert zum gleichen Zeitpunkt noch bei rund 40 Prozent.
Besonders verwundbar sind Deutschland und Frankreich, die beiden größten Volkswirtschaften der EU.
Nach Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe waren die deutschen Speicher am Samstag zu 20,5 Prozent gefüllt, die französischen zu 21 Prozent.
Je geringer die Reserven, desto anfälliger sind Staaten für Lieferunterbrechungen und heftige Preisschwankungen – zumal sich der weltweite LNG-Markt weiter verknappen könnte.