Nach Razzien und Festnahmen wegen Spionageverdacht in Berlin und Brandenburg hat die Bundesregierung nun einen ranghohen Diplomaten der russischen Botschaft des Landes verwiesen.
Die Bundesregierung hat den russischen Führungsoffizier einer gestern festgenommenen Person angewiesen, Deutschland umgehend zu verlassen. Der Offizier ist als Militärattaché in russischen Boschaft in Berlin tätig.
Aus der russischen Vertretung betreiben die Geheimdienste des Kreml offenbar weiterhin Spionage. Die am Mittwoch festgenommene Frau steht im Verdacht, für Russland spioniert zu haben.
Zwei Razzien an nur einem Tag: In Brandenburg und Berlin wurden am Mittwoch insgesamt zwei Männer und eine Frau wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Russland festgenommen.
In einem der Fälle geht es um die Unterstützung prorussischer Milizen, konkret der sogenannten "Volksrepubliken Donezk und Luhansk". Den Beschuldigten wird vorgeworfen, diese Gruppierungen unterstützt zu haben.
Der zweite Fall betrifft eine mutmaßliche Spionin, die für Russland gearbeitet haben soll. Sie soll unter anderem Kontakte zu Mitarbeitern des Bundesministeriums der Verteidigung unterhalten haben.
Mehr als 14.000 Euro an prorussische Milizen
Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch in Brandenburg zwei mutmaßliche Unterstützer der prorussischen "Volksrepubliken Donezk und Luhansk" festnehmen lassen. Den Männern wird die Unterstützung ausländischer terroristischer Vereinigungen vorgeworfen, wie die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte.
Die beiden Beschuldigten stehen im Verdacht, seit 2016 führende Funktionen in einem Verein ausgeübt zu haben, der den Transport von Hilfsgütern in den Donbass organisierte. Geliefert worden seien demnach nicht nur Versorgungsgüter und Medizinprodukte, sondern auch Drohnen - zugunsten von Milizionären der sogenannten "Volksrepubliken Donezk und Luhansk".
Einem der Verdächtigen, Suren A., wird vorgeworfen, Vereinsgelder in Höhe von mehr als 14.000 Euro an die Milizen weitergeleitet und Transporte finanziert zu haben.
Der zweite, Falko H., soll mehrfach in den Donbass gereist sein, dort Gespräche mit Vertretern der Gruppierungen geführt und Lieferungen koordiniert sowie an der Verteilung der Güter vor Ort mitgewirkt haben.
Die beiden Männer sollen am Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheidet.
Am 27. Mai 2025 waren im Auftrag der Bundesanwaltschaft bereits die Wohnung einer weiteren beschuldigten Person im Landkreis Dahme-Spreewald sowie weitere Objekte in Berlin und Brandenburg durchsucht worden.
Mutmaßliche Spionin in Berlin festgenommen
Parallel dazu wurde in Berlin eine mutmaßliche Spionin festgenommen, die für Russland gearbeitet haben soll. Der Deutsch-Ukrainerin, Ilona W., wird vorgeworfen, nachrichtendienstliche Kontakte in die Russische Botschaft in Berlin unterhalten zu haben. Sie soll Hintergrundinformationen über Teilnehmer hochkarätiger politischer Veranstaltungen gesammelt und weitergegeben haben.
Die 56-Jährige Unternehmerin war angeblich für den russischen Geheimdienst tätig, der Kontakt soll bereits seit November 2023 bestehen. Sie informierte mutmaßlich über Standorte der Rüstungsindustrie, Drohnentests und geplante Lieferungen von Drohnen an die Ukraine. Nach Informationen des Spiegels geht die deutsche Spionageabwehr davon aus, dass es sich bei dem Mann um einen als Militärattaché getarnten Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU handelte.
Sie soll außerdem Kontakte unter ehemaligen Mitarbeitern aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung unterhalten haben. Bei diesen beiden früheren Mitarbeitern wurden zeitgleich Durchsuchungen angeordnet, so das Nachrichtenmagazin.
Auch Ilona W. soll Mitglied eines Berliner Vereins zur Völkerverständigung und internationalen Zusammenarbeit sein, wie der Spiegel nach eigenen Recherchen berichtet. Im Vorstand des Vereins soll auch ein früherer Direktor des deutschen Verteidigungsministeriums sitzen. Dieser Kollege könnte ihr auch sensible Informationen vermittelt haben.
Ob er bewusst Informationen weitergegeben hat oder von Ilona W. mutmaßlich ausgefragt wurde, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Gegen beide Kontakte aus dem Umfeld des Verteidigungsministerium wird lediglich aufgrund eines "Anfangsverdachts" nachgegangen, Festnahmen wurden nicht ausgeführt.
Nicht der erste Spionage-Fall in Deutschland
Bereits 2024 hatte es in Deutschland Festnahmen im Zusammenhang mit mutmaßlichen russischen Aktivitäten gegeben. Im Zuge eines Spionagevorfalls nahm die Polizei in Bayreuth zwei Männer fest. Dieter S. und sein mutmaßlicher Helfer Alexander J. stehen im Verdacht, im Auftrag russischer Geheimdienste Sabotageakte in Deutschland vorbereitet zu haben. Den deutschen Staatsbürgern russischer Herkunft wird zudem vorgeworfen, Militärstützpunkte der USA ausgespäht und Angriffe auf militärisch genutzte Transportwege geplant zu haben.