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Luftabwehr "Made in Europe": Kommt die Alternative zu Patriot aus Deutschland?

Fahrzeuge des Luftverteidigungssystems IRIS-T SLM auf dem Gelände der Todendorf-Kaserne in Todendorf, 4. September 2024
Fahrzeuge des Luftverteidigungssystems IRIS-T SLM auf dem Gelände der Todendorf-Kaserne in Todendorf, 4. September 2024 Copyright  Christian Charisius/dpa via AP
Copyright Christian Charisius/dpa via AP
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Deutschland baut das IRIS-T Luftverteidigungssystem aus. Könnte die neue Variante SLM/X Europas Antwort auf das US-amerikanische Patriot-System sein?

Während der Enforce Tac, Deutschlands Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung, hat Diehl Defence einen gemeinsamen Raketenwerfer für die Mittel- und Langstreckenvariante des IRIS-T-Luftverteidigungssystems vorgestellt.

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Das deutsche Rüstungsunternehmen führt damit zwei bislang getrennte Luftabwehrsysteme zusammen: IRIS-T SLM für mittlere Reichweiten und IRIS-T SLX für größere Entfernungen. Der neue Werfer kann beide Raketenvarianten abfeuern – sogar gemischt.

Das System IRIS-T SLM besteht aus einer mobilen Kommandozentrale, einem Radar und mehreren Startfahrzeugen mit Abfangraketen. Das Radar kann Ziele in bis zu 250 Kilometern Entfernung erfassen, darunter Drohnen, Flugzeuge oder Marschflugkörper.

Die Raketen können Ziele in bis zu 40 Kilometern Entfernung und in einer Höhe von bis zu 20 Kilometern bekämpfen, wie mehrere Fachmedien berichten. Die Variante IRIS-T SLX hat eine Abfangreichweite von bis zu 80 Kilometern.

Sie gilt eher als zusätzliche Verteidigungsschicht zwischen IRIS-T SLM und dem Patriot-System – nicht als Ersatz. Anders als Patriot ist das System weiterhin kaum für die Abwehr ballistischer Raketen ausgelegt. Gegen Drohnen, Flugzeuge und Marschflugkörper kann das IRIS-T-System jedoch bereits eingesetzt werden.

Was ist am US-Patriot-System so besonders?

Das Patriot-Luftverteidigungssystem wurde im Kalten Krieg von den USA entwickelt, um Militärbasen und Städte vor Luftangriffen zu schützen. Die Produktion begann 1976, seit 1984 ist das System im Einsatz und gilt heute als eines der wichtigsten Luftabwehrsysteme des Westens.

Kern des Systems ist ein leistungsstarkes Radar, das Ziele in über 150 Kilometern Entfernung erkennen und mehrere Bedrohungen gleichzeitig verfolgen kann. Eine Patriot-Batterie besteht aus Radar, Feuerleitstand, Startgeräten, Antennen und Stromversorgung und kann innerhalb weniger Stunden verlegt werden.

Ursprünglich zur Abwehr von Flugzeugen entwickelt, wurde Patriot später mehrfach modernisiert. Mit den PAC-Varianten (Patriots mit erweiterten Funktionen, Patriot Advanced Capability) kann das System heute auch ballistische Raketen bekämpfen. Die modernste Version, PAC-3 MSE, zerstört Ziele durch einen direkten Treffer ("Hit-to-kill") und erreicht deutlich höhere Reichweiten und Präzision.

Das System ist technisch sehr aufwendig und teuer: Eine einzelne Batterie kostet über eine Milliarde Dollar, eine moderne Abfangrakete rund fünf Millionen. Jedoch können mit den PAC-3 MSE-Lenkflugkörpern russische ballistische Raketen abgeschossen werden. Im Vergleich: das IRIS-T-System ist aufgrund seiner begrenzten Höhenreichweite nur eingeschränkt zur Abwehr ballistischer Raketen geeignet.

ARCHIV – Patriot-Luftabwehrsystem während der NATO-Übung „Tobruq Legacy“, Šiauliai, Litauen, 2017.
ARCHIV – Patriot-Luftabwehrsystem während der NATO-Übung „Tobruq Legacy“, Šiauliai, Litauen, 2017. AP Photo/Mindaugas Kulbis, File

Große Nachfrage

Der russische Angriffkrieg in der Ukraine hat gezeigt, dass moderne Raketen oft nur mit dem US-amerikanischen Patriot-System abgefangen werden können. Um so vor allem die Großstädte flächendeckend zu schützen, sind demnach mehrere Systeme dieser Art notwendig.

Berichten zufolge soll die Ukraine sieben Patriot-Systeme haben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bittet deswegen wiederholt die westlichen Verbündeten Kyjiws um mehr Unterstützung bei der Luftverteidigung. Sowohl die USA als auch die europäische Staaten verfügen nur über begrenzte Bestände, während die Nachfrage durch den Krieg in der Ukraine stark wächst.

In den vergangenen vier Jahren hat Deutschland bereits mehrere MIM-104 Patriot-Systeme an die Ukraine geliefert. Ein Ersatz wird voraussichtlich erst gegen Ende des Jahrzehnts verfügbar sein.

Das Patriot-System ist weltweit stark gefragt und wird an 18 Länder geliefert. Eine Einheit besteht aus Radar, Feuerleitstand, Antennenmast und drei bis acht Startgeräten, und von der Bestellung bis zur Auslieferung dauert es in der Regel rund drei Jahre. Laut dem US-Magazin The Atlantic hat die US-Regierung den Export dieser Systeme vergangenes Jahr vorübergehend gestoppt, da das Pentagon sie als knapp betrachtet und vorrangig für den eigenen Einsatz reservieren will.

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