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Erneute tödliche Schüsse von US-Bundesbeamten in Minneapolis

Geistliche und Gemeindeaktivisten versammeln sich am Freitag, den 23. Januar 2026, auf dem internationalen Flughafen Minneapolis-St. Paul.
Geistliche und Gemeindeaktivisten versammeln sich am Freitag, den 23. Januar 2026, auf dem internationalen Flughafen Minneapolis-St. Paul. Copyright  AP Photo/Angelina Katsanis
Copyright AP Photo/Angelina Katsanis
Von Sonja Issel & Euronews mit AFP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Bei dem Todesopfer handelt es sich um den 37-jährigen US-Staatsbürger Alex Pretti. Laut Angaben des Ministeriums für Heimatschutz war der Mann mit einer Schusswaffe ausgestattet.

Bundesbeamte haben am Samstagmorgen (Ortszeit) in Minneapolis erneut eine Person erschossen. Das bestätigte der Gouverneur des Bundesstaates Minnesota, Tim Walz.

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Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, erklärte auf einer Pressekonferenz, dass es sich bei dem Mann, der bei dem Schusswaffenvorfall getötet wurde, um einen 37-jährigen Einwohner von Minneapolis handele, von dem die Polizei annehme, dass er US-Staatsbürger sei. Der Mann wurde später von seiner Familie als Alex Jeffrey Pretti identifiziert, ein Intensivpfleger in einem der Krankehäuser der Stadt.

Ein in sozialen Medien verbreitetes Video zeigt, wie mehrere Bundesagenten der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) mit einem Mann auf einem Bürgersteig ringen und ihn auf den Boden drücken. Dabei schlagen sie wiederholt auf ihn ein. Dann fallen mehrere Schüsse. Die maskierten Agenten lassen schließlich von dem Mann ab, der regungslos auf dem Bürgersteig liegen bleibt.

Die lokale Zeitung Star Tribune berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von mehreren Schüssen, die den Mann in die Brust getroffen hätten. Anschließend sei ein Krankenwagen eingetroffen. Trotz lebensrettender Maßnahmen der Sanitäter sei der Mann später im Krankenhaus gestorben.

Heimatschutzministerium spricht von Notwehr

Nach Angaben des Ministeriums für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten hatte der Mann eine Schusswaffe bei sich getragen. Demnach führten Einsatzkräfte der Bundesbehörden in Minneapolis eine gezielte Operation gegen einen mutmaßlich illegal eingereisten Ausländer durch, der wegen eines Gewaltdelikts gesucht wurde.

Während des Einsatzes habe sich eine Person mit einer halbautomatischen 9-mm-Pistole US-Grenzschutzbeamten genähert. Die Beamten hätten daraufhin versucht, den Verdächtigen zu entwaffnen, dieser habe jedoch gewaltsam Widerstand geleistet.

Nach Angaben des Ministeriums feuerte einer der Beamten Schüsse ab, da er um sein eigenes Leben und das seiner Kollegen fürchtete.

Gregory Bovino von der US-Grenzschutzbehörde, der derzeit die Einwanderungsoffensive der Trump-Regierung in Großstädten leitet, erklärte, der Beamte, der den Mann erschossen habe, sei umfassend ausgebildet gewesen – sowohl als Sicherheitsausbilder auf dem Schießstand als auch im Einsatz weniger tödlicher Zwangsmittel.

"Dies ist nur der jüngste Angriff auf die Strafverfolgungsbehörden. Im ganzen Land werden die Männer und Frauen des Heimatschutzministeriums (DHS) angegriffen", sagte er.

Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, sagte, die Polizei gehe davon aus, dass Pretti ein gesetzlicher Waffenbesitzer mit einer Trageerlaubnis gewesen sei.

Prettis Familie: "Widerliche Lügen"

In von Zuschauern aufgenommenen Videos der Schießerei, die kurz nach dem Vorfall veröffentlicht wurden, ist der Mann jedoch nur mit einem Mobiltelefon in der Hand zu sehen. Keines der öffentlich zugänglichen Videos zeigt ihn mit einer Waffe.

Die Familie von Alex Pretti veröffentlichte am Samstagabend eine Erklärung, in der sie sagte, sie sei "tief bestürzt und zugleich sehr wütend". Sie bezeichnete die Darstellung der Regierung über den Vorfall als _"_widerliche Lügen" und beschrieben Pretti als einen freundlichen Menschen, der versuchte, einer Frau zu helfen. Die Angehörigen betonten, er habe kein Gewehr in der Hand gehalten, als die Bundesbeamten ihn angriffen.

Das undatierte Foto von Michael Pretti zeigt Alex J. Pretti, den Mann, der am Samstag, den 24. Januar 2026, von einem Bundesbeamten in Minneapolis erschossen wurde.
Das undatierte Foto von Michael Pretti zeigt Alex J. Pretti, den Mann, der am Samstag, den 24. Januar 2026, von einem Bundesbeamten in Minneapolis erschossen wurde. AP/AP

Die Untersuchungen zu dem Fall laufen derzeit noch. Zwischen der Stadtverwaltung von Minneapolis und den US-Bundesbehörden gibt es jedoch bereits deutliche Differenzen über den Umgang mit der Aufklärung.

So erklärte Gouverneur Tim Walz, er habe kein Vertrauen in die Darstellung der Bundesbehörden und kündigte an, dass der Bundesstaat Minnesota die Untersuchung des jüngsten tödlichen Schusswaffenvorfalls selbst führen werde.

Drew Evans, Leiter des Minnesota Bureau of Criminal Apprehension, berichtete bei einer Pressekonferenz, dass Bundesbeamte seine Behörde trotz eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses vom Tatort ferngehalten hätten – selbst nachdem dieser offiziell vorlag

Walz: "Minnesota reicht es"

Walz teilte in sozialen Medien mit, er habe nach dem Vorfall Kontakt mit dem Weißen Haus aufgenommen und Präsident Donald Trump aufgefordert, das Vorgehen in seinem Bundesstaat zu beenden.

Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, erklärte wenige Stunden nach den tödlichen Schüssen auf einer Pressekonferenz, er habe ein Video gesehen, auf dem mehr als sechs maskierte Agenten zu sehen waren, wie sie einen Einwohner niederschlagen und schließlich erschießen.

"Wie viele weitere Bewohner, wie viele weitere Amerikaner müssen sterben oder schwer verletzt werden, bis diese Operation beendet wird? Wie viele weitere Leben müssen verloren gehen, bevor diese Regierung erkennt, dass eine politische und parteiische Erzählung nicht wichtiger ist als amerikanische Werte?", so Frey weiter.

US-Präsident Donald Trump meldete sich kurze Zeit später über die sozialen Medien selbst zu Wort und kritisierte Gouverneur Tim Walz sowie den Bürgermeister von Minneapolis scharf. Trump warf den beiden Demokraten vor, "Aufruhr anzustiften mit ihrer pompösen, gefährlichen und arroganten Rhetorik".

Zudem teilte er Bilder der Waffe, die nach Angaben der Einwanderungsbehörden sichergestellt worden sei, und schrieb: "Was soll das? Wo ist die örtliche Polizei? Warum durften sie die ICE-Beamten nicht schützen?"

Unüberschauliche Situation nach tödlichen Schüssen

Nach dem Schusswaffenvorfall versammelten sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) Passanten und schrien Bundesbeamten Beschimpfungen entgegen, nannten sie "Feiglinge" und forderten sie auf, nach Hause zu gehen. Ein Beamter soll spöttisch reagiert haben, als er sich entfernte, und rief: "Buhuhu." An anderer Stelle schoben Einsatzkräfte einen laut rufenden Demonstranten in ein Auto.

Ein in sozialen Medien verbreitetes Video zeigt einen brennenden Müllcontainer auf der Straße, während die Spannungen in der Nähe der Stelle eines Schusswaffenvorfalls mit Bundesbeamten am Samstagabend anhalten.

Laut Berichten umringten staatliche Polizeikräfte und andere Einsatzkräfte das Feuer und setzten Feuerlöscher ein, um die Flammen zu bekämpfen. Mittlerweile unterstützt die Minnesota National Guard auf Anweisung von Gouverneur Tim Walz die örtliche Polizei, wie Behörden mitteilten.

Die Schießerei am Samstag ereignete sich vor dem Hintergrund täglicher, landesweiter Proteste in den Zwillingsstädten Minneapolis und St. Paul. Auslöser waren die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten auf die 37-jährige Renée Good, eine US-Bürgerin und Mutter von drei Kindern, die am 7. Januar in ihrem Fahrzeug in Minneapolis erschossen wurde.

Seit Freitag demonstrieren Tausende Menschen in der eisigen Kälte von Minneapolis, um gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde zu protestieren und den Abzug der Bundesbeamten aus der Stadt zu fordern.

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