Der Europaabgeordnete Dominik Tarczynski (Recht und Gerechtigkeit, Europäische Konservative und Reformisten) hatte in den sozialen Medien ein Video vom Moment des Eingreifens der Bundesbehörden in Minneapolis gepostet und hinzugefügt: "Good job ICE! FAFO"
Tarczynskis Beitrag, in dem er das Vorgehen der US-Behörden lobt, hat in Polen für eine Welle der Kritik gesorgt. Der nationalistische Politiker schrieb unter anderem auch folgende Buchstabenfolge: FAFO. Dabei handelt es sich um ein Akronym für die vulgäre Phrase "Fu*k Around and Find Out", was übersetzt werden kann mit "etwas Unvernünftiges tun und die Konsequenzen herausfinden".
Empörung in polnischen Medien
Dominik Tarczynskis Eintrag löste eine Welle von Kommentaren aus, die meisten von ihnen negativ.
Roman Giertych, Abgeordneter der Bürgerlichen Koalition und Rechtsanwalt, reagierte auf Tarczynskis Kommentar und kündigte an, Anzeige zu erstatten. Er bezeichnete sein Verhalten als äußerst unverantwortlich und möglicherweise strafbar wegen "Verherrlichung von Mord". Giertych betonte, die Förderung von Gewalt und das Loben solcher Gewalttaten verstoße gegen das polnische Strafrecht:
"Je nachdem, wie wir die Handlungen von ICE definieren, kann die Einstufung in zweierlei Hinsicht erfolgen. Es geht um 126a des polnischen Strafgesetzbuches in Verbindung mit 118a Abs. 1 Pkt. 1 oder 255 Abs. 3 des ZGB."
Waldemar Zurek, Justizminister und Generalstaatsanwalt, sprach den Fall in einem Radio-Interview vom 26. Januar an: "Ich bin entsetzt über Äußerungen wie die von Herrn Tarczynski, aber auch über die Art und Weise, wie die Dienste in den Staaten, die diese Situation verteidigen, sich äußern. Ich bin von Dominic Tarczynski überrascht. Entweder hat er das Video nicht gesehen, oder er will, dass wir in Polen in diese Richtung gehen (...) Das zeigt, was die Partei, aus der dieser Politiker kommt, anstrebt".
Auch konservative Politiker haben sich von den Äußerungen Tarczynskis distanziert. Wojciech Machulski, Sprecher der rechtsextremen Konföderation, kritisierte Tarczynski in der Sendung "Tłit" auf der Online-Plattform Wirtualna Polska:
"Seit vielen Monaten können wir sicher sein, dass die Vereinigten Staaten ihren eigenen Europaabgeordneten haben. Das ist Dominik Tarczynski, der sich mehr als amerikanischer denn als polnischer Politiker auszugeben scheint."
Adrian Zandberg, Mitbegründer der linken Razem-Partei, schrieb auf dem Portal X:
Er appellierte an Jaroslaw Kaczynski, den Vorsitzenden der Partei Recht und Gerechtigkeit: "Wollen Sie dieses Vieh in den Reihen Ihrer Partei weiter dulden?".
Recht und Gerechtigkeit hatte sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels noch nicht offiziell zu Tarczynskis Äußerung geäußert.
USA: Proteste in Minneapolis nach tödlichen ICE-Schüssen
Am vergangenen Wochenende ereignete sich in Minneapolis, Minnesota, ein weiterer tödlicher Vorfall, der eine Welle von Protesten auf den Straßen und in den sozialen Medien in den USA augelöst hat.
Am Samstag, den 24. Januar 2026, wurde der 37-jährige Alex Pretti aus Minneapolis von Bundesbeamten erschossen, die an einer groß angelegten Einwanderungsaktion beteiligt waren. Diese war in Teilen von der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) durchgeführt wurde. Nach Angaben der örtlichen Behörden und anhand von Videoaufnahmen wurde der Mann zu Boden gestoßen und erschossen, obwohl er, wie die Aufnahmen zeigen, ein Telefon und keine Waffe in der Hand hielt, wie von der Dienststelle, einschließlich des Grenzschutzkommandanten Greg Bovino, behauptet.
Die Bundesbeamten sagen, sie hätten die Schüsse abgegeben, weil ihre Sicherheit bedroht gewesen sei. In Kommentaren gegenüber dem Wall Street Journal am Sonntag vermied Trump, die Handlungen der Beamten ausdrücklich zu bewerten. Er deutete an, die Bundesbeamten würden die Stadt verlassen.
Der Vorfall zog eine massive öffentliche Reaktion nach sich. Tausende von Einwohnern von Minneapolis gingen auf die Straße und forderten Gerechtigkeit und ein Ende der Bundespräsenz in der Stadt. Auch in anderen US-Städten wie San Francisco, New York, Boston und Los Angeles fanden Proteste statt, bei denen die Demonstranten das Vorgehen der ICE verurteilten und ein Ende der brutalen Methoden der Einwanderungsbehörde forderten.
Die Behörden des Bundesstaates Minnesota verurteilten das Vorgehen der Bundesbehörden ebenfalls. Gouverneur Tim Walz hat öffentlich gefordert, die ICE-Agenten sollten den Bundesstaat verlassen. Er leitete rechtliche Schritte ein, um ihre Tätigkeit einzuschränken. Der Bürgermeister von Minneapolis kündigte nach einem Telefonat mit Donald Trump zu Beginn der Woche den Abzug der ICE-Agenten aus der Stadt ab.
Das tödliche Vorgehen der ICE-Agenten vom 24. Januar war nicht der erste Vorfall dieser Art. Am 7. Januar hatte ein ICE-Agent die 37-jährige Renée Good tödlich getroffen, was ebenfalls Proteste und zivile Empörung ausgelöst hatte.
Außerdem war über weitere Vorfälle, darunter der Schuss ins Bein eines Mannes bei einer Festnahme, war in den nationalen und internationalen Medien berichtet worden.
FAFO ('Fu*k Around and Find Out')
"Wenn unsere Feinde den unklugen Entschluss fassen, uns herauszufordern, werden sie durch die Gewalt, Präzision und Grausamkeit des Kriegsministeriums vernichtet. An unsere Feinde: FAFO" - sagte Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister, zu auf dem Stützpunkt Quantico bei Washington versammelten Generälen. "Wenn nötig, können unsere Soldaten dies für Sie übersetzen", fügte er - fügte er hinzu.
Bis vor kurzem wurde das Akronym FAFO vor allem im Internet-Slang für Erwachsene oder im Militärjargon verwendet. Heute taucht es zunehmend in der politischen Debatte auf - und weckt extreme Emotionen. Für die einen ist es ein Zeichen elterlicher Hilflosigkeit, für die anderen ein realistischer Ansatz, um Verantwortung zu lernen. Was genau ist FAFO und warum ist es zu einem der umstrittensten Erziehungstrends der letzten Jahre geworden?
Im Zusammenhang mit der Erziehung beschreibt FAFO eine Strategie, bei der die Eltern ihrem Kind - innerhalb sicherer Grenzen - erlauben, die Konsequenzen seiner eigenen Entscheidungen zu erfahren, anstatt es ständig zu warnen oder zu schützen.
Die Popularität von FAFO hat durch die sozialen Medien exponentiell zugenommen. Kurze Videos, die zeigen, wie Eltern "die Kontrolle loslassen", werden millionenfach aufgerufen. Der Hashtag #FAFO-Elternschaft ist zu einem Symbol für die Müdigkeit der Überfürsorglichkeit und den Druck, die "perfekten Eltern" zu sein, geworden.
FAFO-Kritiker sagen, es sei der Beweis für eine Krise der modernen Elternschaft. Ihrer Ansicht nach wird damit die Verantwortung von den Erwachsenen auf die Kinder verlagert, die nicht immer in der Lage sind, Risiken zu beurteilen.