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Schluss mit Olympia: Ukrainischer Sportler wegen seines Helms disqualifiziert

Der umstrittene Helm: Vladyslav Heraskevych im Training bei den Olympischen Winterspielen, 11. Februar 2026
Der umstrittene Helm: Vladyslav Heraskevych im Training bei den Olympischen Winterspielen, 11. Februar 2026 Copyright  AP Photo
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Von Sasha Vakulina
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der ukrainische Skeleton-Fahrer Wladislaw Heraskewytsch ist im Streit um seinen Helm mit Fotos im Krieg getöteter ukrainischer Sportler vom IOC disqualifiziert worden. "Das ist der Preis für unsere Würde", so sein Kommentar.

Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) mitteilte, ist der ukrainische Skeleton-Fahrer Wladislaw Heraskewytsch vor seinem ersten Lauf bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina disqualifiziert worden.

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Das IOC untersagte ihm die Verwendung seines speziell angefertigten Helms, auf dem Porträts ukrainischer Athleten und Athletinnen abgebildet sind, die im Ukraine-Krieg getötet wurden.

Auf dem Helm sind keine Slogans oder politischen Symbole abgebildet.

Wladislaw Heraskewytsch mit seinem Helm beim Taining im Skeleton bei den Olympischen Winterspielen 2026, 10. Februar 2026
Wladislaw Heraskewytsch mit seinem Helm beim Taining im Skeleton bei den Olympischen Winterspielen 2026, 10. Februar 2026 AP Photo

Das IOC gab eine Erklärung zu Heraskewytschs Disqualifizierung ab, in der es hieß, dass der ukrainische Athlet "trotz eines mehrfachen Austauschs und persönlicher Treffen zwischen dem IOC und Herrn Heraskewytsch" keine Form des Kompromisses in Betracht gezogen habe.

"Das IOC war sehr daran interessiert, dass Herr Heraskewytsch antritt. Deshalb hat sich das IOC mit ihm zusammengesetzt, um den respektvollsten Weg zu finden, seinem Wunsch zu entsprechen, seiner Sportlerkollegen zu gedenken, die durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine ihr Leben verloren haben", so das Komitee.

Das IOC bot ihm stattdessen an, "während des Wettkampfs eine schwarze Armbinde zu tragen, um dieses Gedenken zu bekunden".

"Es gibt wichtigere Dinge als Medaillen", kommentierte Heraskewytsch in einem Beitrag auf X nach seiner Disqualifizierung. "Das ist der Preis für unsere Würde."

Das Komitee teilte an diesem Donnerstag mit, dass "es in diesem Fall nicht um die Botschaft geht, sondern darum, wo er sie zum Ausdruck bringen wollte".

"Trauer wird nicht überall auf der Welt auf die gleiche Weise ausgedrückt und wahrgenommen", so das IOC.

"Um die Athleten in ihrer Trauer zu unterstützen, hat das IOC in den Olympischen Dörfern multireligiöse Zentren und einen Ort der Trauer eingerichtet, damit die Trauer mit Würde und Respekt ausgedrückt werden kann."

Mychailo Heraskewytsch, der Vater und Trainer von Wladislaw, wurde vor der Kamera sichtlich verstört gefilmt, als er auf die Nachricht reagierte, dass sein Sohn von der Teilnahme an den Spielen in Mailand-Cortina ausgeschlossen wurde.

Verzweifelt: Mychailo Heraskewytsch, als er bei den Olympischen Winterspielen 2026 vom Ausschluss seines Sohnes erfährt
Verzweifelt: Mychailo Heraskewytsch, als er bei den Olympischen Winterspielen 2026 vom Ausschluss seines Sohnes erfährt AP Photo

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kritisierte die Entscheidung des IOC mit den Worten: "Das IOC hat nicht den ukrainischen Athleten verbannt, sondern seinen eigenen Ruf. Künftige Generationen werden sich daran als einen Moment der Schande erinnern".

Sybiha erklärte, der ukrainische Sportler "wollte einfach nur seinen im Krieg gefallenen Sportlerkollegen gedenken. Daran ist weder nach den Regeln noch nach der Ethik etwas auszusetzen."

"Das IOC hat unseren Athleten und andere Ukrainer eingeschüchtert, respektlos behandelt und sogar belehrt, wie sie über einen der 130 Konflikte in der Welt schweigen sollten", kommentierte Sybiha verbittert.

Der Außenminister erinnerte das Komitee daran, dass 650 ukrainische Athleten und Trainer in Russlands seit nunmehr vier Jahren andauerndem Krieg getötet und 800 Sporteinrichtungen beschädigt worden seien.

"Wenn das olympische Glaubensbekenntnis besagt, dass das Wichtigste bei den Olympischen Spielen nicht das Gewinnen, sondern das Teilnehmen ist, dann hat das IOC dieses Credo völlig verraten, indem es Heraskewytsch an der Teilnahme gehindert und 650 ukrainische Sportler und Trainer verraten hat, die von Russland getötet wurden", klagte er.

Gedenken ist kein Verstoß

Zwei weiteren ukrainischen Olympia-Teilnehmern wurden die Helme wegen "Politisierung" vom Wettbewerb verboten.

Die ukrainische Freestyle-Skifahrerin Kateryna Kotsar erklärte, das IOC habe ihren Helm wegen der Aufschrift "Be Brave like Ukrainians" verboten.

Der ukrainische Skifahrer Dmytro Shepiuk hält bei den Olympischen Winterspielen einen Aufkleber mit der Aufschrift "UKR - Helden mit uns" hoch - Bormio, 11. Februar 2026
Der ukrainische Skifahrer Dmytro Shepiuk hält bei den Olympischen Winterspielen einen Aufkleber mit der Aufschrift "UKR - Helden mit uns" hoch - Bormio, 11. Februar 2026 AP Photo

Oleh Handei, ein ukrainischer Shorttrack-Eisschnellläufer, teilte mit, dass sein Helm verboten wurde, weil es sich laut IOC um einen "politischen Slogan" handelt.

"Ich habe auf meinem Helm eine Inschrift der (ukrainischen Dichterin) Lina Kostenko: 'Wo es Heldentum gibt, gibt es keine endgültige Niederlage'", erklärte Handei.

"Sie haben es verboten und gesagt, dass es ein politischer Slogan sei, dass es um den Krieg ginge und dass es nicht erlaubt sei. Ich übersetzte es Wort für Wort für sie - nein, es ist kein politischer Slogan. Das sind nur motivierende Worte für mich, für mein Team und für mein Land.

Auch Oleksandr Syrskyj,Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, unterstützte in den sozialen Netzwerken die Hommage an die Sportler.

"Gedenken ist keine Verletzung", schrieb er über ein Foto von Heraskewytschs Helm.

Die Initiative wurde von ukrainischen Militärangehörigen aufgegriffen, die Fotos von sich selbst mit demselben Statement posteten.

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