Die deutsche Wirtschaft hellt sich nach zwei Jahren der Rezessionsstimmung etwas auf, doch die Verbraucher scheinen der Erholung nicht zu trauen. Deutsche sparen wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr.
Während die Unternehmen mit den aktuellen Wirtschaftsprognosen etwas Hoffnung schöpfen, zeigen sich die Verbraucher noch kritisch gegenüber eines möglichen Aufschwungs.
Besonders in Konsumlaune sind die Deutschen einer Untersuchung des Marktforschungsinstitut GfK zufolge nicht. Dahinter steht das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V. (NIM). Der Hang zum Sparen hat sich im vergangenen Jahr noch weiter ausgeprägt.
Deutsche wollen lieber Sparen
Deutsche neigen zum Sparen wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Damit ist die Sparneigung seither mit 18,9 Punkten im Februar auf einem neuen Höchststand. Dieser Wert liegt 9,5 Punkte über dem Vorjahresniveau.
"Auch wenn sich die Wirtschaft wieder leicht zu beleben scheint, bleiben die Konsumenten derzeit noch skeptisch", erklärt Rolf Bürkl, der Vorsitzende des Konsumklima-Index bei NIM. Bürkl geht davon aus, dass "die geopolitischen Spannungen, aber auch die Herausforderungen in der Sozialpolitik" die Unsicherheit und damit auch die Sparneigung hochhalten würden.
Das haben auch tiefergehende Analysen des Nürnberger Instituts gezeigt. Steigende Preise sowie die wirtschaftliche und politische Unsicherheit gelten als maßgebliche Faktoren, die Verbraucher zu Rückhaltung drängen.
Denn im Januar ist die Inflationsrate auf 2,1 Prozent gestiegen, die Preiserwartungen der Verbraucher stagnierten hingegen. Die geopolitischen Spannungen haben sich beispielsweise in den Ereignissen rund um das Mercosur-Abkommen und den Debatten über finanzielle Belastungen im Sozialsystem gezeigt.
Anschaffungen werden eher vertagt
"Es zeigt sich weiterhin die Tendenz, dass steigende Einkommen aus Vorsichtsmotiven lieber gespart als konsumiert werden", erklärt Rolf Bürkl weiter. Zwar gab es im Monat einen leichten Anstieg bei der Anschaffungsneigung, doch ein Trend hat sich daraus nicht entwickelt.
"Mit dem leichten Rückgang auf -24,7 Punkte kann das Konsumklima nicht an die Aufhellung im letzten Monat anknüpfen. Die Stimmung bleibt also im Kern wenig verändert", so Bürkl. Das Konsumklima beschreibt das Zusammenspiel zwischen Einkommenserwartunge, Sparneigung und Anschaffungsneigung.
Der Indexwert des Konsumklimas ist im Februar leicht zurückgegangen, nachdem er sich im Januar etwas erholt hatte. Im gesamten vergangenen Jahr pendelte der Wert zwischen -20 und -26. Zuletzt im positiven Bereich war der Konsumklima-Index im November 2021, bevor er über den Jahresverlauf von 2022 tief abrutschte.
Vor April 2020 war das Konsumklima bei etwa 9 bis 10 Punkten relativ stabil. Scharfe Einschnitte gab es einerseits durch die Wellen der Corona-Pandemie und damit einhergehenden Lockdown-Vorschriften, andererseits durch den Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine.
Die deutsche Wirtschaft ist 2025, nach zwei Rezessionsjahren, erstmals wieder etwas gewachsen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) im Januar mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent.
Zuletzt verzeichnete die Wirtschaftsleistung des Landes zwar einen Anstieg um 0,3 Prozent, doch dies ist insbesondere staatlichen Ausgaben zu verdanken. Diese stiegen im Vergleich zu den Ausgaben privater Haushalte um etwa 0,6 Prozent im vierten Quartal 2025.