Katzen schnurren nicht nur zum Wohlfühlen, ihr Schnurren ist fast wie ein akustischer Fingerabdruck. Eine neue Studie zeigt: Es bleibt bei jeder Katze erstaunlich konstant, während Miauen je nach Situation stark variiert.
Hunde haben den Ruf, die besseren Menschenfreunde zu sein. Sie hören aufs Wort, sie suchen Nähe, wedeln zur Begrüßung. Katzen wirken dagegen unabhängig und eher unbeeindruckt. Sie entscheiden eben selbst, wann Nähe passt.
Wer mit einer Katze lebt, merkt jedoch schnell: Da wird permanent kommuniziert, nur eben subtiler. Und genau da wird es spannend: Eine neue Studie des Berliner Museums für Naturkunde und der Universität Neapel Federico II legt nahe, dass ausgerechnet das Schnurren mehr über die Identität einer Katze verrät als ihr wandelbares Miauen.
Für die Analyse nutzte das Team KI-gestützte Spracherkennung. Das Ergebnis: Schnurrlaute sind stabiler und individueller. Miaus verändern sich viel stärker, je nachdem, was gerade los ist. Das passt gut zu dem Eindruck, dass Katzen sozial klüger sind, als ihre “Ich-mach-mein-Ding”-Fassade vermuten lässt.
Schnurren: Das akustische Namensschild
Schnurren erweist sich offenbar als ein kleines Meisterwerk der Wiedererkennbarkeit. Gerade in ruhigen Situationen, etwa beim Kuscheln oder im Kontakt zwischen Muttertier und Kitten, bleibt es erstaunlich konstant. Die Algorithmen konnten Schnurren einzelnen Katzen deutlich zuverlässiger zuordnen als Miauen. Der Grund liegt wohl in den gleichmäßigeren Mustern, also Rhythmus und Klanganteilen, die bei jeder Katze sehr charakteristisch ausfallen.
Co-Autorin Anja Schild vom Museum für Naturkunde in Berlin bringt es so auf den Punkt: "Jede Katze in unserer Studie hatte ihr eigenes, charakteristisches Schnurren." Für Katzen, die in Gruppen leben oder enge Beziehungen pflegen, kann so eine akustische “Signatur” praktisch sein. Sie unterstützt Bindung und Wiedererkennen, selbst wenn gerade nicht hingeschaut wird.
Miauen: Domestiziertes Betteltool
Ganz anders ist es beim Miauen. Hier zeigt sich, wie stark die Haustierhaltung, die sogenannte Domestikation, Kommunikation verändern kann. Miauen ist bei Hauskatzen ein flexibles Werkzeug geworden, das sich in Tonhöhe, Länge und Lautstärke anpasst. Mal bedeutet es Hunger, mal Langeweile, mal “Mach bitte die Tür auf”, und manchmal ist es schlicht ein direkter Ruf nach Aufmerksamkeit.
Bei Wildkatzen fällt die Bandbreite deutlich kleiner aus. Die Studie fand heraus, dass Domestikation vor allem die Variabilität des Miauens erhöht hat. Das passt zur Idee, dass Hauskatzen ihr Miauen stärker auf Menschen “zurechtgeschliffen” haben. Seniorautorin Mirjam Knörnschild fasst diese Entwicklung so zusammen, dass das Leben mit Menschen "Miaus" zu einem anpassungsfähigen Werkzeug gemacht habe.
Miauen: das Chamäleon unter den Katzenlauten
Für ihre Auswertung verglich das Team Laute von Haus- und Wildkatzen und nutzte dafür unter anderem Material aus dem Tierstimmenarchiv des Museums. Das Muster ist klar: Schnurren bleibt relativ stabil und trägt besonders viel Information über das Individuum. Miauen ist dagegen das Chamäleon unter den Katzenlauten. Es wird je nach Kontext verändert, und genau diese Flexibilität scheint durch das Zusammenleben mit uns Menschen noch einmal deutlich verstärkt worden zu sein.
Unterm Strich macht das Katzen akustisch zu ziemlich raffinierten Mitbewohnern. Sie haben einen Laut, der wie eine Art “Stimmabdruck” funktioniert, und einen zweiten, der je nach Situation als sehr gezieltes Kommunikationssignal eingesetzt wird.
Katzenohren decodieren unsere Worte
Dass Katzen uns genau beobachten und sehr genau hinhören, zeigen auch andere Studien. So gibt es Experimente, die nahelegen, dass Hauskatzen gesprochene Wörter mit Bildern verknüpfen können.
Sie reagieren irritiert, wenn Wort und Bild plötzlich nicht mehr zusammenpassen. Wichtig ist dabei: Es geht um schnelle Zuordnungen und Erwartungen, nicht darum, dass Katzen Sprache so verstehen wie Menschen.
Fast 16 Millionen Schnurrer zu Hause
Katzen sind in Deutschland nicht nur kommunikative Meister, sondern auch die unangefochtenen Lieblinge der Nation. Laut der Skopos-Erhebung im Auftrag des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) e.V. und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) e.V. lebten 2024 rund 15,9 Millionen Katzen in einem Viertel der Haushalte. In 38 Prozent der Katzenhaushalte waren es sogar zwei oder mehr Tiere.
Insgesamt hielten 44 Prozent aller Haushalte mindestens ein Heimtier. Katzen liegen mit 15,9 Millionen Tieren vor 10,5 Millionen Hunden, 4,3 Millionen Kleintieren und 3,2 Millionen Ziervögeln.
Wer künftig also ein Schnurren hört, hört vielleicht mehr als nur Gemütlichkeit. Schließlich ist es der ganz eigene Klangabdruck Ihrer Katze.