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Merz auf dem Weg in die USA: Zweites Treffen mit Trump im Oval Office

Bundeskanzler Friedrich Merz besucht Donald Trump zum zweiten Mal im Oval Office.
Bundeskanzler Friedrich Merz besucht Donald Trump zum zweiten Mal im Oval Office. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Es ist der zweite Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz bei Donald Trump im Weißen Haus. Die Reise platziert sich in die jüngsten geopolitischen Eskalationen in Nahost. Was jetzt zählt, ist die deutsche Reaktion auf die US-Militärschläge und die zukünftige Rolle Deutschlands im Ukraine-Konflikt.

Bundeskanzler Friedrich Merz wird am Dienstag nach Washington reisen, um sich mit US-Präsident Donald Trump zu treffen. Es ist das zweite Mal für Merz im Oval Office, der Kontext diesmal deutlich schärfer, die Zahl der Konflikte erneut gestiegen.

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"Wir stimmen überein, wie fürchterlich dieser Krieg ist, und wir suchen nach Wegen, diesen Krieg zu beenden", erklärte Merz im Juni vergangenen Jahres nach dem Treffen und bezog sich damit auf den großangelegten russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Merz zweiter Besuch im März 2026 reiht sich in aufflammende Konflikte, diesmal jedoch im Iran und mit direkter Beteiligung der USA. Während Deutschland am Spielfeldrand steht, haben die USA und Israel klare Schläge gegen das iranische Atomprogramm verübt und den Obersten Führer Ali Chamenei getötet.

"Der Blick der Bundesregierung auf die Entwicklung in Iran ist bestimmt durch unsere eigene geopolitische Gefährdung", sagte Merz in einer Rede am Sonntag. Der russische Krieg gegen die Ukraine stehe nämlich dem Unrecht des iranischen Regimes in nichts nach.

Merz zu Besuch im Weißen Haus

"Wir erleben in diesen Tagen und Wochen eine einzigartige Dichte an Kriegen und Umbrüchen auf der Welt und auch in unserer Nachbarschaft", erklärte Bundeskanzler Merz am Sonntag. Mit dem Tod von zahlreichen Vertretern des iranischen Regimes sei "die Schwelle in eine ungewisse Zukunft überschritten", sagte Merz. "Über diese gesamten Entwicklungen werde ich am Dienstag in Washington mit Präsident Trump sprechen", so Merz weiter.

Der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Sebastian Hille, bestätigte, dass Merz am Dienstag nach Washington fliegen werde. Dort trifft er den US-Präsidenten Donald Trump zu einem Gespräch im Oval Office, bevor es ein gemeinsames Mittagessen geben soll.

Inhalte des gemeinsamen Gesprächs werden unter anderem bilaterale, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie die Lage im Nahen Osten sein.

Steht Deutschland hinter den US-Schlägen gegen den Iran?

Friedrich Merz zieht Parallelen zwischen den zwei großen Kriegen, die Europa derzeit am meisten beschäftigen. "Moskaus Überfall auf einen friedlichen Nachbarn ist genauso wenig zu rechtfertigen wie der Terrorkrieg, den Teheran seit Jahren gegen Israel führt." Merz betonte dabei die Unterstützung der Bundesregierung für Kyjiw.

Der Kanzler zeigte sich außerdem bereit, wieder stärker in die Verhandlungen einbezogen zu werden. "Wir schätzen dabei die wichtige Verhandlungsarbeit, die die Vereinigten Staaten von Amerika unter Präsident Trump hier leisten, und wir wünschen uns eine noch engere transatlantische Kooperation", sagte er im Blick auf seine Reise in die USA am Dienstag.

Merz sieht Deutschland zukünftig mit am Verhandlungstisch. "Diese Zusammenarbeit wollen wir auch am Verhandlungstisch mit Russland. Wir wollen sie auch bei der Anstrengung, Russland durch Druck und Sanktionen zu Kompromissen in den Verhandlungen zu bewegen."

Merz setzte in Relation, dass die Unterstützung der Ukraine an vorderster Stelle steht. Wer Sicherheit, Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten wolle, der müsse sie auch in Europa wollen". Die Leistungen Deutschlands für die Ukraine bezeichnete er als "transatlantische Lastenteilung".

Merz erklärte weiter: "Deshalb belehren wir unsere Partner nicht hinsichtlich ihrer militärischen Schläge gegen Iran. Wir wollen mit dem notwendigen Maß an Realismus mit ihnen an einer Friedensordnung arbeiten, und zwar im Nahen Osten genauso wie in Europa."

Europäer erwägen "militärische Defensivmaßnahmen"

"Mit den Vereinigten Staaten und Israel teilen wir das Interesse daran, dass der Terror dieses Regimes aufhört und die gefährliche nukleare und ballistische Aufrüstung gestoppt wird", sagte Merz in seinem Statement von Sonntag.

Die Militärschläge der beiden verbündeten Länder sollten das Regime beenden, seien aber nicht ohne Risiko. "Wir wissen nicht, in welche Eskalation die harten iranischen Gegenschläge die Region noch ziehen werden", so Merz und forderte Teheran auf, Gegenschläge und Angriffe auf Nachbarländer in der Region zu beenden.

"Wir wissen schließlich nicht, ob der Plan aufgeht, durch Militärschläge von außen einen politischen Wandel von innen heraus zu ermöglichen", stellt der Kanzler klar. In einer gemeinsamen Erklärung mit Frankreich und Großbritannien schloss er "verhältnismäßige militärische Defensivmaßnahmen" nicht aus.

Auch Europa und Deutschland müsse die Folgen einer weiteren Eskalation tragen. Merz gesteht ein, dass die Appelle der vergangenen Jahre nicht viel ausgerichtet hätten. Auch mit Sanktionspaketen und der Verurteilung iranischer Rechtsbrüche sind kaum Konsequenzen erlangt worden.

"Das hat auch daran gelegen, dass wir nicht bereit waren, grundlegende Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen", so Merz. Deshalb sei jetzt nicht der Moment, Partner und Verbündete zu belehren. Schließlich würde Deutschland viele Ziele der USA teilen, ohne selbst imstande zu sein, sie auch tatsächlich zu erreichen.

"Wir wollen als Bundesregierung dort handeln, wo wir wirklich handeln können, und auch wenn wir heute mit unseren Partnern in den Vereinigten Staaten, in Israel, in der Region und auch in Europa noch nicht absehen können, wie der Tag danach aussehen wird, wollen wir eine Agenda mit Iran für diesen Tag danach entwickeln", erklärte Merz und stellte einen 4-Punkte-Plan vor.

Merz bei Trump: Zweiter Besuch nach neun Monaten

Bei seinem ersten Besuch hatte der CDU-Politiker Donald Trump eine Nachbildung der Geburtsurkunde seines Großvaters mitgebracht. Trumps Großvater Friedrich war in Kallstadt in der Pfalz geboren und wanderte später in die Vereinigten Staaten aus. Trump bezeichnete Merz daraufhin als "guten Mann".

Inmitten der heutigen Spannungen scheint der zweite Besuch in ein schwierigeres Verhältnis zu fallen. Zwar hatte Merz in seinen Stellungnahmen zu den Schlägen gegen den Iran auf deutliche Kritik an den USA verzichtet und schloss auch Belehrungen aus, doch klar hinter den USA wollte er sich gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien, den E3-Staaten ebenso nicht positionieren.

Auch der Zollstreit zwischen den USA und der EU-Kommission dürfte besprochen werden. Nachdem das Oberste US-Gericht Trump untersagt hatte, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz Zölle auf den Import von Waren zu verhängen, setzte die EU-Kommission die Ratifizierung eines geplanten Handelsabkommen zeitweise aus.

Beim Treffen im Juni vergangenen Jahres betonte Merz, er sehe den US-Präsidenten in der zentralen Rolle bei den Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Nun fordert er doch recht deutlich einen eigenen Platz am Verhandlungstisch mit Deutschland.

Wie Merz sein Gepäck an Themen im Oval Office präsentiert und welche Überraschung Donald Trump für ihn dort bereit hält, wird sich am Dienstag zeigen.

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