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Russische Flagge bei den Paralympics: Deutschland protestiert mit der Ukraine

Paralympics 2026
Paralympics 2026 Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Johanna Urbancik & Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am
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Die Rückkehr russischer und belarussischer Flaggen bei den Paralympics sorgt für Protest aus Deutschland, der Ukraine, Polen, den baltischen Staaten und weiteren Ländern. Das deutsche Team boykottiert die Eröffnungsfeier und stellt sich demonstrativ an die Seite Kyjiws.

Das deutsche Team wird nicht am Einmarsch der Nationen bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele teilnehmen. Auch die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Christiane Schenderlein (CDU), sagte ihre Teilnahme ab.

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Der Grund: Erstmals seit Jahren dürfen russische und belarussische Athleten wieder unter ihrer eigenen Flagge antreten. Gewinnen sie eine Medaille, wird entsprechend auch ihre jeweilige Nationalhymne gespielt.

Die deutsche Delegation wird aus Protest also nicht im Amphitheater auftreten. Die vorgesehenen Fahnenträger sollen jedoch in vorab aufgezeichneten Videobotschaften zu sehen sein.

Ukrainischer Olympia-Sportler: "Reicht nicht aus"

Der Deutsche Behindertensportverband und das Nationale Paralympische Komitee (DBS) begründen die Entscheidung mit einem gemeinsamen Beschluss, der sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe dienen soll als auch eine "solidarische Haltung" gegenüber der ukrainischen Delegation ausdrücken soll.

Idriss Gonschinska vom DBS erklärte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, die Entscheidung sei das Ergebnis einer umfassenden Abwägung gewesen. Neben juristischen und sportpolitischen Aspekten hätten auch die eigene Haltung des Verbandes, Emotionen sowie die Solidarität mit den ukrainischen Athleten eine Rolle gespielt.

Der ukrainische Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch, der aufgrund seines Helms bei den olympischen Winterspielen in Milano Cortina vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) disqualifiziert wurde, begrüßte die Entscheidung des DBS. "Das ist die richtige Entscheidung, aber leider reicht sie nicht aus", erklärte er auf Anfrage von Euronews.

Heraskewytsch am 9. Februar 2026, in Cortina d'Ampezzo, Italien, beim Training für das Skeleton der Männer bei den Olympischen Winterspielen 2026
Heraskewytsch am 9. Februar 2026, in Cortina d'Ampezzo, Italien, beim Training für das Skeleton der Männer bei den Olympischen Winterspielen 2026 Alessandra Tarantino/Copyright 2026 The AP. All rights reserved

Konzept der Eröffnungsfeier in der Kritik

Bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele in Italien werden am Freitag grundsätzlich keine Athleten als Fahnenträger für ihre Länder auftreten. Stattdessen übernehmen Freiwillige im römischen Amphitheater in Verona diese Rolle, wie das Internationale Paralympische Komitee (IPC) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Grund dafür sind vor allem Probleme mit der Logistik.

Ein wirklicher Boykott ist die Entscheidung des DBS also streng genommen nicht. Das sieht auch der Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher, so. Es handle sich hier "lediglich die Nicht-Teilnahme an einer Eröffnungsfeier, die von den Organisatoren um alle Kriterien einer normalen Eröffnungsfeier gebracht worden ist“, so der langjährige DBS-Präsident im Gepsräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Er äußerte vor allem Kritik an der Gestaltung der Feier. "Eröffnungs- und Schlussfeiern sind immer ein wunderbares internationales Zusammentreffen von Sportlerinnen und Sportlern anlässlich eines großen Wettkampfes", sagte der 79-Jährige dem SID.

Trotzdem bewertet Beucher das Fernbleiben als gute Entscheidung. "Gemessen an unserer bisherigen Solidarität zur Ukraine ist das ein konsequenter und richtiger Schritt“, sagte er.

Eröffnungsfeier "Große Bedeutung" für die Athleten

Auch der frühere Paralympics-Skirennfahrer Gerd Schönfelder unterstützt die Entscheidung des deutschen Teams. Er bezeichnete den Boykott der Eröffnungsfeier in Verona als "richtige Entscheidung". Zugleich bedauerte aber auch er vor allem die Gestaltung der Veranstaltung in diesem Jahr. Im Gespräch mit dem Sender BR24 betonte er, dass die Eröffnungsfeier für viele Athleten eine große Bedeutung habe.

Als Gründe nannte Schönfelder die "besondere Atmosphäre, das große Publikum und die mediale Aufmerksamkeit", die ihm während seiner aktiven Zeit einen "zusätzlichen Motivationsschub" gegeben und ihn für die Wettkämpfe angespornt hätten.

Ähnlich äußerte sich auch die diesjährige deutsche Fahnenträgerin Anna-Lena Forster. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch kritisierte sie die Veranstalter. "Es ist sehr schade, dass es nicht geschafft wurde, es wie bei Olympia zu machen, dass man zeitgleich zur Eröffnungsfeier in den Dörfern jeweils diesen Einmarsch hat. Da geht schon sehr viel verloren", sagte die viermalige Paralympics-Goldmedaillengewinnerin bei der Auftakt-Pressekonferenz des DBS.

Über den eigentlichen Hintergrund des Protests – die Teilnahme russischer Sportler unter eigener Flagge – wurde bei der Pressekonferenz dagegen nur wenig gesprochen.

Russland und Belarus bei Paralympischen Winterspielen wieder unter eigener Flagge

Wegen früherer Dopingskandale und des Krieges gegen die Ukraine durften russische Athleten bei den diesjährigen Olympischen Spielen nicht unter ihrer eigenen Flagge antreten. Stattdessen starten sie als "Individual Neutral Athletes" (AIN) ohne Flagge, Hymne oder offizielle Länderwertung.

ARCHIV – Putin posiert am 16.12.2024 in Moskau mit den Paralympics-Athleten Alexei Churkin (Silber, Kugelstoßen) und Evgeniia Galaktionova (Bronze, Speerwurf)
ARCHIV – Putin posiert am 16.12.2024 in Moskau mit den Paralympics-Athleten Alexei Churkin (Silber, Kugelstoßen) und Evgeniia Galaktionova (Bronze, Speerwurf) Kristina Kormilitsyna, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP, File

Das IOC suspendierte zudem 2023 das Russische Olympische Komitee (ROC), nachdem Russland ukrainische Sportorganisationen aus den von Russland besetzten Gebieten – darunter Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, in seine Struktur eingegliedert hatte. Das gilt als ein Verstoß gegen die olympische Charta.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erklärte, der Ausschluss russischer und belarussischer Athleten von den Winter-Paralympics 2022 in Peking sei nicht direkt wegen des Angriffs auf die Ukraine erfolgt sei, da dieser formal keinen Regelverstoß dargestellt habe. Nach Angaben des IPC stellte die russische Vollinvasion zwar einen gravierenden politischen Hintergrund dar, verletzte jedoch aus Sicht des Verbands zunächst keine konkrete Bestimmung der IPC-Statuten.

Entscheidend sei vielmehr gewesen, dass der paralympische Sport zur Unterstützung des russischen Angriffskrieges instrumentalisiert worden sei – ein klarer Verstoß gegen die IPC-Regeln. Damals hatte das IPC zunächst erwogen, die Athleten unter neutraler Flagge starten zu lassen.

Angesichts drohender Boykotte anderer Nationen und einer zunehmend angespannten Lage im Athletendorf verhängte das Komitee schließlich doch einen vollständigen Ausschluss, um die "Integrität der Spiele und die Sicherheit aller Teilnehmer" zu gewährleisten. Inzwischen sieht das IPC nach eigenen Angaben weniger Hinweise auf entsprechende Propaganda.

ARCHIV – Die russische Flagge weht während der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, Russland, 7. März 2014
ARCHIV – Die russische Flagge weht während der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, Russland, 7. März 2014 Pavel Golovkin/Copyright 2026 The AP. All rights reserved.

Heraskewytsch kritisierte die Entscheidung des IPC: "Indem sie gemeinsam mit den Sprachrohren des Krieges auftreten, werden sie auch Teil der russischen Propaganda, ob sie wollen oder nicht. Und alle Athleten und ihre nationalen Olympischen Komitees müssen sich darüber im Klaren sein, dass auch sie Verantwortung tragen werden", erklärte er auf Anfrage von Euronews.

Er ergänzte, dass er es zudem "interessant" findet, dass "auch russische Paralympioniken keinen zusätzlichen Kontrollen unterzogen werden und unter ihnen durchaus ehemalige russische Militärangehörige sein könnten."

Dies wurde Heraskewytsch zufolge auch vom Vorsitzenden des Russischen Paralympischen Komitees, Rozhkov, bestätigt. Er sprach von mehr als 300 ehemaligen Militärangehörigen, die inzwischen Teil der russischen Paralympics-Mannschaft geworden seien. "Das bedeutet: Gestern kämpften sie noch an der Front gegen Ukrainer – heute setzen sie dies durch die Verbreitung russischer Propaganda fort. Das ist inakzeptabel", so der Skeletonfahrer.

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