Die „Washington Post“ meldet, Ungarns Außenminister Péter Szijjártó habe Russland vertrauliche Infos aus EU-Ratssitzungen zugespielt. Budapest weist die Vorwürfe als falsch zurück.
Nach Recherchen der Zeitung „The Washington Post“ beruft sich der Bericht auf einen anonymen europäischen Sicherheitsbeamten. Demnach soll die ungarische Regierung seit Jahren vertrauliche Informationen aus internen Beratungen der Staats- und Regierungschefs im Rat der Europäischen Union an Moskau weitergeben.
Dem Bericht zufolge soll Ungarns Außenminister Péter Szijjártó in Pausen von EU-Treffen seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow kontaktiert, ihn über den Stand der Beratungen informiert und Vorschläge für die russische Führung unterbreitet haben.
Die anonyme Quelle wird mit den Worten zitiert, seit Jahren finde praktisch jede EU-Sitzung „mit Moskau am Tisch“ statt.
Zu den Vorwürfen äußerte sich am Sonntag auch Polens Ministerpräsident Donald Tusk.
„Die Nachricht, dass Leute Orbáns Moskau detaillierte Informationen über die Sitzungen des EU-Rates übermitteln, sollte niemanden überraschen. Wir hatten dazu seit Langem unseren Verdacht“, schrieb der polnische Regierungschef.
„Das ist einer der Gründe, warum ich nur dann das Wort ergreife, wenn es absolut notwendig ist, und nur so viel sage, wie nötig“, ergänzte er in einem Beitrag auf der Plattform X.
Auch Ungarns Außenminister kommentierte den Bericht der „Washington Post“ auf X. Er nannte ihn falsch und deutete an, der Artikel solle vor der Parlamentswahl die Oppositionspartei Tisza von Péter Magyar unterstützen.
„Wie üblich Fake News. Ihr verbreitet Lügen, um die Partei Tisza dabei zu unterstützen, in Ungarn eine kriegstreibende Marionettenregierung zu installieren. Das wird euch nicht gelingen!“, schrieb Péter Szijjártó.
Zu Wort meldete sich auch Polens Vizepremier und Außenminister Radosław Sikorski.
„Das würde vieles erklären, Péter“, schrieb Sikorski auf der Plattform X.
Wie die „Washington Post“ zuvor berichtet hatte, sollen russische Berater der Regierung von Ministerpräsident Orbán sogar vorgeschlagen haben, ein Attentat auf sein Leben zu inszenieren. Das könne ihm ihrer Ansicht nach helfen, die bevorstehende Parlamentswahl zu gewinnen.
Nach aktuellen Umfragedaten liegt die Oppositionspartei Tisza von Péter Magyar weiter vor Fidesz, der Partei von Viktor Orbán.
Die Parlamentswahl in Ungarn findet am zwölften April statt.