In den größten Städten Russlands kam es zu spontanen Gedenkaktionen für Alexej Nawalny. Der prominente Gegner von Kremlchef Wladimir Putin war am 16. Februar 2024 in einer Strafkolonie gestorben.
In den größten Städten Russlands haben Menschen spontan des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny gedacht. Der bekannteste Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin wäre am 4. Juni 50 Jahre alt geworden. Nawalny war im vergangenen Jahr in einer Strafkolonie gestorben.
In Moskau legten Dutzende Menschen Blumen an seinem Grab auf dem Borisowskoje-Friedhof nieder, darunter auch seine Eltern. Auch die Eltern seines Weggefährten Ilja Jaschin wurden dort gesehen. Schon nach kurzer Zeit verwandelte sich das Grab in ein Meer aus Blumen. Ein roter Herzballon mit der Aufschrift "Alexej, wir lieben dich!" wurde angebracht.
Andere Besucher stellten ein Kinderfoto Nawalnys auf und hinterließen eine Notiz: "Lescha, wir erinnern uns an dich und vermissen dich sehr. Sankt Petersburg." Ein Chor sang zudem eine Totenandacht.Vor dem Friedhof stand Polizei bereit, Sicherheitskräfte kontrollierten stichprobenartig die Ankommenden. Von Festnahmen ist bislang nichts bekannt.
Auch in Sankt Petersburg gedachten Menschen des verstorbenen Oppositionspolitikers. Sie legten Blumen am Solowezki-Stein auf dem Troizkaja-Platz sowie am Denkmal für die Opfer politischer Repressionen an der Woskressenskaja-Uferstraße nieder.
Berichten zufolge griff die Polizei dort nicht ein, die Blumen blieben liegen und es gab keine Festnahmen. In Jekaterinburg fand eine Gedenkaktion am Mahnmal "Maske der Trauer" für die Opfer politischer Repressionen statt.
Mehrere Polizisten waren vor Ort. Anders verlief die Aktion in Ufa: Dort kontrollierten Beamte die Personalien eines Mannes, der am Mahnmal für die Opfer politischer Repressionen im Park "50 Jahre Sieg" Blumen und ein Foto Nawalnys niedergelegt hatte. Anschließend entfernte er sich in Begleitung eines Polizisten. Wenige Minuten später wurden die Blumen und das Foto beseitigt. Ähnliche Gedenkaktionen wurden auch aus Perm, Tambow und Twer gemeldet.
In Dutzenden Städten weltweit waren weitere Gedenkaktionen angekündigt. Zum 50. Geburtstag Nawalnys haben seine Mitstreiter auf einer gemeinsamen Website Recherchen, Texte, Fotos, Videos, Interviews und Dokumente des Oppositionspolitikers zusammengestellt.
Auch seine Memoiren "Patriot" sind anlässlich seines 50. Geburtstags als Hörbuch erschienen. Das teilte seine Witwe Julija Nawalnaja mit. "Ich habe sehr lange versucht, mir für euch etwas Besonderes auszudenken. Und nun ist dieses Geschenk für alle entstanden: In diesem Jahr haben wir ein Hörbuch von Alexejs Memoiren 'Patriot' produziert. Es wird von wunderbaren Menschen gelesen, denen die Erinnerung an ihn wichtig ist", erklärte Nawalnaja.
Alexej Nawalny galt als einer der prominentesten Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er starb am 16. Februar 2024 in der Strafkolonie "Polarwolf" im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen.
Die Umstände seines Todes bleiben umstritten. Nach Recherchen des Investigativmediums The Insider sollen internationale Labore Spuren des Nervengifts Epibatidin in Proben nachgewiesen haben, die von Nawalnys Familie gesichert worden waren. Russische Behörden weisen Vorwürfe einer Beteiligung am Tod des Oppositionspolitikers zurück.
Das Medium berichtete zudem, mehrere Stoffe, die bei der Synthese von Epibatidin verwendet werden könnten, seien über eine russische Tochtergesellschaft eines deutschen Chemieunternehmens nach Russland importiert worden.