In einer gemeinsamen Operation haben Guardia Civil und Gendarmerie einen Glasaal-Schmugglerring zwischen Baskenland und Südfrankreich zerschlagen und hunderte Kilo Ware sowie mehrere Millionen Euro beschlagnahmt.
Die Operation trägt den Namen "Putzua". Das baskische Wort bedeutet so viel wie "Brunnen". Ihren Ausgang nahm "Putzua" mit der Entdeckung einer Gruppe von Fischereiwilderern, die auf beiden Seiten der spanisch-französischen Grenze aktiv waren und eine systematische Methode entwickelt hatten, um Kontrollen zu umgehen: Sie meldeten ihre Fänge schlicht nicht. Ohne Rückverfolgbarkeit konnte die Ware unauffällig transportiert werden und über ein spanisches Zwischenunternehmen im legalen Markt landen.
Bei der gemeinsamen Operation gegen die Schmuggler ermittelten die Umweltabteilungen der spanischen Guardia Civil und der französischen Gendarmerie, auf lokaler Ebene unterstützt von den örtlichen Fischerei- und Gesundheitsbehörden, auf grenzüberschreitender Ebene von Europol, dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) und der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission.
Kiloweise lebender und gefrorener Glasaal sichergestellt
Die Behörden in Spanien stellten bei der Durchsuchung von Firmensitzen, Zuchtanlagen und Privatwohnungen 28 Kilo lebende Glasaale und 407 Kilo tiefgefrorene Glasaale sicher, außerdem 65.000 Euro Bargeld ohne ersichtliche rechtmäßige Herkunft. Vier Personen wurden festgenommen. In Frankreich endete der Einsatz nach sechs Durchsuchungen mit der Beschlagnahmung von 10 Kilo gefrorener Ware und 13.000 Euro in bar sowie sechs Festnahmen.
Über die sichergestellte Ware hinaus ließen die Behörden Bankguthaben im Wert von 416.000 Euro einfrieren und pfändeten Grundstücke und Fahrzeuge im Gesamtwert von 2,78 Millionen Euro. Die Summe zeigt, welche wirtschaftliche Dimension dieser Handel erreichen kann.
Die gesamte sichergestellte Ware verfügte weder über Nachweise von Gesundheitskontrollen, noch über Zertifikate zur Rückverfolgbarkeit und war damit nach Angaben aus Ermittlerkreisen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet.
Warum Glasaal mehr wert ist als viele Drogen
Die europäische Aalart „Anguilla anguilla“ nimmt auf dem Schwarzmarkt für geschützte Tierarten eine besondere Stellung ein. Ihre Jungtiere, die Glasaale, können auf asiatischen Märkten bis zu 5.000 Euro pro Kilo erzielen, dort übersteigt die Nachfrage das legale Angebot bei Weitem. Der wenige Zentimeter lange Nachwuchs gehört damit zu den profitabelsten Schmuggelgütern der Welt gemessen am Gewicht. In Asien sind die Glasaale eine Delikatesse.
Die Art gilt als vom Aussterben bedroht nach den Kriterien der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) und steht in Anhang II des CITES-Übereinkommens, das den internationalen Handel mit wildlebender Fauna und Flora regelt.
Eine unmittelbare Folge dieser Einstufung ist das Verbot, Glasaale aus dem Gebiet der Europäischen Union zu exportieren. Spezialisierte kriminelle Gruppen versuchen seit Jahren, diese Beschränkung zu umgehen.
Grundproblem: illegale Fischerei als erstes Kettenglied
Die illegalen Fischer, die das Netzwerk versorgten, handelten nicht nur gelegentlich: Sie verstießen systematisch gegen die Pflicht, ihre Fänge zu melden. Genau diese fehlende Rückverfolgbarkeit erschwert die Strafverfolgung: Ohne Fangregister ist es sehr schwer zu beweisen, dass eine Lieferung Glasaale illegalen Ursprungs ist, sobald sie ein Zwischenunternehmen durchlaufen hat. Die Operation "Putzua" konnte die Lieferkette in diesem Fall nachzeichnen und die beteiligten Akteure auf beiden Seiten der Grenze miteinander in Verbindung bringen.