Donald Trump setzt Angriffe auf den Iran vorerst aus und spricht von möglichen Verhandlungen – doch das Rote Kreuz warnt, der Krieg stehe kurz vor einem "Punkt ohne Wiederkehr".
Die Vereinigten Staaten haben angekündigt, die Frist für den Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt zu verlängern. Präsident Donald Trump erklärte, er werde Angriffe auf iranische Kraftwerke für weitere fünf Tage aussetzen.
Zugleich sprach er von "sehr guten und produktiven Gesprächen" mit iranischen Vertretern, die zu einer "vollständigen und umfassenden Lösung" des Krieges führen könnten.
Trump sagte außerdem, ein "Regimewechsel" im Iran sei faktisch im Gange. Gleichzeitig warnte er, dass die Bombardierungen fortgesetzt würden, falls Gespräche mit von den USA kontaktierten iranischen Akteuren scheitern sollten.
Das iranische Außenministerium teilte am Montag mit, man habe über "befreundete Staaten" Botschaften erhalten, die auf ein amerikanisches Verhandlungsersuchen zur Beendigung des Krieges hindeuten. Zugleich bestritt Teheran jedoch, dass tatsächlich Gespräche stattfinden.
"In den vergangenen Tagen sind über einige befreundete Länder Nachrichten eingegangen, die auf eine US-Anfrage nach Verhandlungen zur Beendigung des Krieges hindeuten", sagte Außenamtssprecher Esmaeil Baqaei laut der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.
Gleichzeitig "bestritt er, dass in den vergangenen 24 Tagen des aufgezwungenen Krieges Verhandlungen oder Gespräche mit den Vereinigten Staaten stattgefunden haben".
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte derweil, er sei Trump "dankbar" für die Verschiebung der zuvor angedrohten Angriffe auf iranische Kraftwerke, wie AFP berichtet.
Rotes Kreuz warnt vor "point of no return"
Währenddessen dauern die Kämpfe inzwischen in der vierten Kriegswoche an. Der Iran setzte seine Angriffe auf Nachbarstaaten fort. Saudi-Arabien meldete den Abschuss einer ballistischen Rakete, die auf die Hauptstadt Riad zielte; eine weitere sei in einem unbewohnten Gebiet eingeschlagen.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate berichteten, ihre Luftabwehr habe am frühen Montag eingehende Raketen abgefangen. Bahrain und Kuwait lösten ebenfalls Raketenalarm aus, ohne zunächst Schäden zu bestätigen.
Parallel dazu flog Israel Luftangriffe auf Teheran. Das Militär sprach von einer „groß angelegten Angriffswelle gegen die Infrastruktur des iranischen Regimes“.
Zuvor hatte die israelische Führung eine Gemeinde nahe einer geheimen Atomforschungsanlage besucht, die am Samstag von iranischen Raketen getroffen worden war. Mehrere Menschen wurden verletzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem „Wunder“, dass es keine Todesopfer gegeben habe.
Derweil forderte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz am Montag ein Ende des "Kriegs gegen lebenswichtige Infrastruktur" im Nahen Osten und warnte vor möglichen „irreversiblen Folgen“, darunter auch Schäden an nuklearen Anlagen. Die Region drohe, bald den "point of no return" zu erreichen.
"Was wir in den vergangenen Tagen im Nahen Osten gesehen haben, birgt die Gefahr, einen Punkt ohne Wiederkehr zu erreichen", erklärte IKRK-Präsidentin Mirjana Spoljaric in einer Stellungnahme.
USA sehen Kampagne "im Plan"
Netanjahu erklärte, Israel und die USA seien auf gutem Weg, ihre Kriegsziele zu erreichen. Dazu zählen die Schwächung des iranischen Atom- und Raketenprogramms sowie die Eindämmung von Teherans Unterstützung für Stellvertretergruppen – bis hin zur Hoffnung auf einen politischen Umbruch im Iran.
Auch aus Washington kommen ähnliche Signale. Der Chef des US-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, bezeichnete die Militärkampagne als "planmäßig".
In einem Interview mit dem persischsprachigen Sender Iran International sagte er, Irans Angriffe gefährdeten Zivilisten in der gesamten Region. Die USA und Israel nähmen daher auch Produktionsstätten für Raketen und Drohnen ins Visier.
"Wir zielen auch auf die Hersteller", sagte Cooper. "Es geht nicht nur um die aktuelle Bedrohung, sondern darum, zukünftige Risiken zu beseitigen – sowohl bei Drohnen und Raketen als auch auf See."
Zugleich mahnte er die iranische Bevölkerung zur Vorsicht. Ein Aufstand gegen die Führung sei derzeit nicht angezeigt.
"Raketen und Drohnen werden aus bewohnten Gebieten abgefeuert – bleiben Sie vorerst in Sicherheit", sagte er. "Zu gegebener Zeit wird es ein klares Signal geben, wie es der Präsident angedeutet hat."
Der Krieg, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen haben, hat bislang mehr als 2.000 Menschen das Leben gekostet.