Nur Stunden nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, Washington verhandele gerade mit Teheran, hat der Iran eine neue Raketenwelle über dem Nahen Osten gestartet und jegliche Verhandlungen dementiert.
Der Iran hat am Mittwoch eine neue Welle von Raketenangriffen im gesamten Nahen Osten gestartet. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump vorsichtige Fortschritte bei diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges signalisiert.
Der Konflikt, der am 28. Februar begann, hat sich mit den jüngsten Angriffen weiter ausgeweitet. Teheran nimmt inzwischen Ziele in der gesamten Region ins Visier. Die Folgen sind auch auf den globalen Energiemärkten spürbar.
Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden feuerte der Iran "präzisionsgelenkte" Raketen und Drohnen auf Israel sowie auf Stützpunkte des US-Militärs in Kuwait, Jordanien und Bahrain ab.
In Kuwait schlugen Drohnen in einen Treibstofftank am internationalen Flughafen ein und lösten einen Feuerball aus. Die jordanischen Behörden meldeten herabfallende Trümmerteile nahe der Hauptstadt Amman. In Bahrain wurden Luftalarm-Sirenen ausgelöst.
Damit geraten auch die Golfstaaten stärker in den Fokus des Konflikts. Die Region galt lange als vergleichsweise stabil. Nun leiden Tourismus und Luftverkehr, wichtige Drehkreuze werden angegriffen, Flüge fallen aus.
Auch im Libanon weiten sich die Kämpfe aus. Das israelische Militär versucht nach eigenen Angaben, das Gebiet bis zum Litani-Fluss unter Kontrolle zu bringen und seine Offensive gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah zu verstärken.
Zugleich kündigte Israel weitere Angriffe auf die "Infrastruktur des iranischen Regimes" an.
Trump spricht von "Geschenk" aus Teheran
Während die Angriffe andauern, bemüht sich Washington nach eigenen Angaben um eine diplomatische Lösung. Trump erklärte, die USA befänden sich "jetzt gerade in Verhandlungen" mit dem Iran.
Im Weißen Haus sprach er von einem "sehr großen Geschenk" aus Teheran. Details nannte er nicht. Nach seinen Worten stehe die Straße von Hormus im Mittelpunkt, die der Iran nach Angriffen der USA und Israels weitgehend blockiert hatte.
Medienberichten zufolge soll Washington über Pakistan einen 15-Punkte-Plan übermittelt haben. Pakistan hatte sich zuvor als Vermittler angeboten.
Trump wiederholte zudem seine Aussage, der Iran habe zugesichert, "niemals eine Atomwaffe zu besitzen".
Bereits 2015 hatte Teheran im Rahmen eines internationalen Abkommens Einschränkungen seines Atomprogramms akzeptiert. Die USA zogen sich während Trumps erster Amtszeit aus dem Deal zurück.
Trotz der diplomatischen Signale plant die US-Regierung laut einem Bericht des Wall Street Journal die Entsendung weiterer 3.000 Soldaten in die Region.
Offizielle iranische Stellen haben Gespräche bislang nicht bestätigt. Ein hochrangiger Sprecher des iranischen Militärs zog US-Präsident Trumps Aussagen über mögliche Waffenstillstandsverhandlungen ins Lächerliche, so die Hindustan Times. Oberstleutnant Ebrahim Zolfaghari fragte demnach in einer im Staatsfernsehen ausgestrahlten Videobotschaft, ob Trump "mit sich selbst verhandle".
Der iranische Militärsprecher wies Trumps Behauptungen über Gespräche zurück und erklärte, es werde keine Einigung geben. "Jemand wie wir wird sich niemals mit jemandem wie Ihnen einigen", sagte er.
Unklar bleibt, wer in Teheran derzeit die Entscheidungen trifft. Beobachter berichten, dass die iranischen Revolutionsgarden nach dem Tod von Ayatollah Ali Khamenei stärker dezentral agieren könnten.
Hormus bleibt im Fokus
Im Fokus bleibt die Lage in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel. Rund ein Fünftel der globalen Rohöllieferungen passiert die Meerenge.
In einer Mitteilung an die Internationale Seeschifffahrtsorganisation erklärte das iranische Außenministerium, "nicht feindliche Schiffe" könnten die Passage weiterhin nutzen. Für Schiffe aus den USA und Israel gelte dies jedoch nicht.
Die wirtschaftlichen Folgen sind weltweit spürbar. Regierungen versuchen, den Energieverbrauch zu senken. Fluggesellschaften streichen Verbindungen.
Gleichzeitig reagierten die Märkte auf die jüngsten Signale aus Washington und Teheran. Aktienkurse legten zu, die Ölpreise gaben im asiatischen Handel nach.
Auch langfristige Effekte werden sichtbar. Ein hochrangiger Vertreter der Welthandelsorganisation warnte vor Folgen für die Landwirtschaft.
"Düngemittel sind derzeit das Hauptproblem", sagte Jean-Marie Paugam der Nachrichtenagentur AFP. Ohne ausreichende Versorgung drohten geringere Ernten und steigende Preise.