US-Präsident Trump spricht von Fortschritten bei den Geheimgesprächen mit Iran, doch er befiehlt weiter Raketenangriffe, schickt US-Truppen und droht wegen der Straße von Hormus. Müssen wir Angst haben vor einem größeren regionalen Krieg?
US-Präsident Donald Trump hat in dieser Woche erklärt, bei den Gespräche mit Iran habe es große Fortschritte gegeben. Doch die Angriffe haben gleichzeitig in der gesamten Region zugenommen. Trump drohte auch weiterhin, doch die Ziele Washingtons in diesem Krieg sind weiterhin eher unklar.
Gleich mehrere iranische Führungspersönlichkeiten haben bisher jegliche Verhandlungen mit den USA bestritten. Sie wollten, "bis zum vollständigen Sieg" zu kämpfen, verlautete aus Teheran. Ägypten, Pakistan, die Türkei und die Golfstaaten versuchen Berichten zufolge hinter den Kulissen, Gespräche zu organisieren, aber ihre Bemühungen scheinen bisher nicht recht voranzukommen.
Am Dienstag und Mittwoch schoss der Iran erneut seine täglichen Raketenangriffe auf den Nahen Osten ab.
In der Zwischenzeit waren Tausende US-Marines auf dem Weg in die Golfregion, und die US-Armee bereitete sich darauf vor, in den kommenden Tagen mindestens 1.000 Soldaten der 82nd Airborne Division in den Nahen Osten zu verlegen.
Im Folgenden erfahren Sie, was über die Gespräche bekannt ist und was nicht. Und könnten die Verhandlungen zu einer Unterbrechung des Bombardements oder zu einer vollständigen Beendigung der Feindseligkeiten führen?
Wer verhandelt mit wem?
Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 hat US-Präsident Donald Trump verschiedene und meist sehr vage Ziele für die laufende US-Militäroperation genannt.
Er hat davon gesprochen, die iranischen Raketenkapazitäten und die Fähigkeit des Iran, seine Nachbarn zu bedrohen, zu schwächen oder zu zerstören - Ziele, die Trump in gewissem Sinne für erreicht erklären kann.
Ein viel härteres Ziel ist es, sicherzustellen, dass der Iran niemals eine Atomwaffe bauen kann, und Trump hat darauf bestanden, dass dies Teil eines jeden Abkommens sein werde.
Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus - einer lebenswichtigen Wasserstraße für Öllieferungen, die der Iran zu Beginn des Krieges praktisch unpassierbar gemacht hat - ist nun ebenfalls eine Priorität für den US-Präsidenten und für die Weltwirtschaft.
Während Trump davon spricht, mit der iranischen Führung zusammenzuarbeiten, hat er davon Abstand genommen, den Zusammenbruch der Islamischen Republik anzustreben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu behauptet jedoch weiterhin, der Krieg ziele darauf ab, den Iranern zu helfen, das Regime zu stürzen.
Trump behauptete, der US-Gesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner hätten am Sonntag Gespräche mit einem iranischen Führer geführt, den er als den Mann bezeichnete, der seiner Meinung nach "der am meisten respektierte und der Führer" und sehr vernünftig" sei.
Trump stellte klar, dass er sich nicht auf den verletzten Ayatollah Modschtaba Chamenei (auch: Khamenei) bezog, der seit Beginn des Krieges nicht mehr gesehen wurde.
Axios zitiert einen - anonym sprechenden - israelischen Beamten und identifiziert den geheimnisvollen Gesprächspartner als Mohammad Bagher Ghalibaf, den mächtigen iranischen Parlamentssprecher und eine der prominentesten nicht-klerikalen Persönlichkeiten in Teheran.
Ghalibaf erklärte jedoch in einem Beitrag auf X, dass "keine Verhandlungen" im Gange seien, und dass es sich bei der Ankündigung um "Fake News" handele, die dazu diene, "die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und dem Sumpf zu entkommen, in dem die USA und Israel gefangen sind".
Die New York Times berichtet unter Berufung auf ungenannte Beamte, dass es "in den letzten Tagen" eine "direkte Kommunikation" zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff gegeben habe - obwohl keine der beiden Seiten dies bestätigt hat.
Wer hilft bei der Organisation der Gespräche?
Drei pakistanische Beamte, ein ägyptischer Beamter und ein Golfdiplomat erklärten, dass die USA "im Prinzip" bereit seien, an Gesprächen in Pakistan teilzunehmen, während die Vermittler noch daran arbeiteten, den Iran zu überzeugen.
Die Vermittlerkreisen Nahestehenden sprachen alle unter der Bedingung der Anonymität, da sie nicht befugt waren, den Medien Einzelheiten mitzuteilen.
Der ägyptische Beamte sagte, die Bemühungen konzentrierten sich auf "die Vertrauensbildung" zwischen den USA und dem Iran, mit dem Ziel, eine Pause der Kämpfe und einen Mechanismus" zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zu erreichen.
Laut mehreren Berichten, die sich auf anonyme Quellen berufen, wurde dem Iran ein 15-Punkte-Plan der Trump-Regierung von pakistanischen Vermittlern übergeben, die angeboten haben, neue Verhandlungen zu führen.
Da die USA jedoch Schritte unternehmen, um zusätzliche Soldaten und Marines in den Nahen Osten zu entsenden, wird dieser Schritt als Manöver Trumps gewertet, mit dem er sich Flexibilität bei seinen nächsten Schritten verschafft. Einige Insider behaupten, dass die Kontrolle über die iranische Insel Kharg (oder Charg), von der 90 % des iranischen Öls verschifft werden, auf dem Spiel steht.
Das Weiße Haus reagierte nicht auf Bitten um eine Stellungnahme zur Vorlage des 15-Punkte-Plans durch die Regierung.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baqaei, bestätigte, dass im Laufe des Wochenendes Botschaften von "einigen befreundeten Ländern" eingegangen seien, die "auf ein Ersuchen der USA um Verhandlungen zur Beendigung des Krieges hinwiesen".
Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty rief Araghchi und Witkoff Anfang der Woche an.
Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif sagte am Montag, er habe mit dem iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian gesprochen, während Armeechef Asim Munir laut Financial Times am Sonntag mit Donald Trump in Kontakt stand.
Katar, ein wichtiger diplomatischer Akteur in der Region, hat ausgeschlossen, aktuell bei der Vermittlung eine Rolle zu spielen.
Wer hat in Teheran das Sagen?
Irans militärisches Engagement scheint trotz wochenlanger schwerer Bombardierungen und der Tötung seines Ayatollahs - schon am erste Kriegstag - und zahlreicher hochrangiger Militärs relativ geschlossen geblieben zu sein.
Doch wer tatsächlich das Sagen hat, ist nicht bekannt. Der neue Oberste Geistliche Modschtaba Chamenei wurde seit seiner Ernennung zum Nachfolger seines Vaters Ali Chamenei, der bei den ersten amerikanisch-israelischen Angriffen auf Teheran am 28. Februar getötet wurde, weder gesehen noch hat man direkt von ihm gehört.
Innerhalb der Islamischen Republik gibt es weitere Machtzentren, darunter die Armee und die Revolutionsgarde (IRGC), die nur dem Ayatollah unterstellt sind, sowie politische Persönlichkeiten wie Ghalibaf, Außenminister Abbas Araghchi und Präsident Masoud Peseschkian.
Es ist nicht sicher, dass jeder, der Gespräche mit den USA aufnimmt, von der IRGC unterstützt wird, die für den Machterhalt in Teheran nach wie vor entscheidend ist.
In dem laufenden Krieg hat das iranische Militär Angriffe auf der Grundlage von Befehlen lokaler Kommandeure und nicht von einer politischen Führung durchgeführt. Es wurde berichtet, dass Pläne autonomer regionaler Kommandos für den Fall weiterer Ermordungen im Voraus erstellt wurden.
Der Sprecher des obersten iranischen Militärkommandos, Generalmajor Ali Abdollahi Aliabadi, schwor am Dienstag, dass die Kämpfe "bis zum vollständigen Sieg" weitergehen würden.
Es war eine Botschaft des Trotzes gegenüber Trumps Behauptung, der Iran bitte um Frieden, eine Botschaft der Stärke nach innen und außen, aber möglicherweise auch eine Warnung an alle innerhalb der iranischen Führung, bei Gesprächen nicht nachzugeben.
Trump räumte ein, dass viele potenzielle Gesprächspartner, darunter auch Unterhändler, die vor dem Krieg an Verhandlungen beteiligt waren - wie der Sicherheitschef Ali Laridschani- inzwischen bei den Angriffen getötet wurden.
"Die meisten dieser Leute sind tot. Einige der Leute, mit denen wir verhandeln wollten, sind nicht mehr da, denn das war ein großer - ein großer Schlag", sagte Donald Trump am 1. März in The Atlantic.
Auf die Frage, mit welchen Iranern die USA jetzt verhandeln, antwortete Trump am Dienstag: "Wir haben ihre gesamte Führung getötet. Dann trafen sie sich, um neue Führer zu wählen, und wir haben sie alle getötet. Und jetzt haben wir eine neue Gruppe, und wir können das einfach tun, aber wir werden sehen, wie sie sich entwickeln."
"Wir haben wirklich einen Regimewechsel", sagte der US-Präsident. "Das ist ein Regimewechsel, denn die Anführer sind alle ganz anders als die, mit denen wir angefangen haben und die all diese Probleme verursacht haben."
Hat Trump nur versucht, Zeit zu gewinnen?
Trumps plötzliche Ankündigung von Fortschritten bei den Gesprächen am Montag kam kurz vor Ablauf eines Ultimatums, das er am Wochenende gestellt hatte und in dem er erklärte, die USA würden die iranischen Kraftwerke "auslöschen", wenn das Land nicht seine Blockade der Straße von Hormus aufgebe.
Teheran drohte mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die Strom-, Wasser- und Ölinfrastruktur in der gesamten Golfregion, die das Leben von Millionen Menschen lahmlegen würden.
Am Montag verschob Trump dann sein Ultimatum um fünf Tage und erklärte, es bestehe eine "sehr gute Chance", dass noch in dieser Woche eine Einigung erzielt werden könne, was sich als Erleichterung für die weltweiten Öl- und Aktienmärkte erwies.
Trumps Schritt könnte darauf hindeuten, dass er mögliche langfristige Schäden des Krieges für die heimische und die Weltwirtschaft fürchtet, auch wenn seine Regierung darauf beharrt hat, dass sich das durch die steigenden Ölpreise verursachte Leiden nach Beendigung des Krieges schnell wieder legen werde.
"Trump könnte aktiv nach einer Ausweichmöglichkeit suchen", schrieb das Soufan Center, eine in New York ansässige Denkfabrik, in einer Analyse.
Andererseits, so das Soufan Center, könnte Trump damit Zeit gewinnen, bis Tausende von US-Marines in der Region eintreffen.
Der Einsatz der Marines könnte eine Taktik sein, um den Iran zu Verhandlungen zu drängen. Die Truppenbewegungen haben aber auch zu Spekulationen geführt, dass die USA versuchen könnten, die Insel Kharg oder andere wichtige Orte im Süden des Landes einzunehmen oder eine Operation durchzuführen, um angereichertes Uran aus dem Inneren des Iran zu entfernen. Beides würde eine größere Eskalation und einen längeren Krieg bedeuten.
Donald Trump hat erklärt, er habe keine Pläne, Bodentruppen in den Iran zu schicken, hat diesen Schritt aber auch nicht ausgeschlossen. Israel hat angedeutet, dass Bodentruppen an dem Krieg teilnehmen könnten.
Was liegt auf dem Verhandlungstisch?
Die Atomverhandlungen waren bereits im Gange, als die USA und Israel am 28. Februar ihre Überraschungsangriffe starteten, unmittelbar nachdem die Unterhändler unter Führung des Oman erklärt hatten, sie glaubten, dass ein Durchbruch bei den Gesprächen unmittelbar bevorstehe.
Dies führte zu Teherans wachsendem Misstrauen gegenüber dem Dialog mit den USA, das durch den einseitigen Rückzug Washingtons aus dem drei Jahre zuvor mit den Vereinigten Staaten geschlossenen Atomabkommen im Jahr 2018 ausgelöst wurde.
Der Iran und die USA verhandelten Anfang 2025, und als eine von Trump gesetzte zweimonatige Frist ablief, griff Israel den Iran an und die USA machten mit. Während des zwölftägigen Konflikts im Juni wurden iranische Nuklearanlagen und militärische Stellungen angegriffen.
Trump sagte am Montag, dass jede Vereinbarung zur Beendigung des Krieges die Entfernung des angereicherten Urans aus dem Iran durch die USA beinhalten würde.
"Wir wollen keine Anreicherung, aber wir wollen auch das angereicherte Uran", sagte er und bezog sich dabei auf den bekannten iranischen Bestand von 440 Kilogramm Uran, das auf 60 % angereichert ist - und damit nahe an den 90 % liegt, die für den Bau einer Atombombe erforderlich sind.
Der Iran hat diese Forderung in der Vergangenheit abgelehnt und darauf bestanden, dass er das Recht habe, Uran für friedliche Zwecke anzureichern.
Frühere Berichte aus dem Iran deuten jedoch darauf hin, dass das Regime in Teheran aktiv nach Möglichkeiten suchte, Uran auf Waffenqualität anzureichern, und internationalen Atomaufsichtsbehörden nach dem Konflikt im Juni 2025 nicht erlaubt hat, seine Anlagen zu inspizieren.
In der letzten Gesprächsrunde vor Kriegsbeginn am 28. Februar hat Teheran Berichten zufolge angeboten, den Bestand unter seinen bombardierten Atomanlagen zu bergen und auf ein niedrigeres Niveau der Anreicherung zu reduzieren, so Minister Araghchi.
Hinzu kommt, dass Teheran eine Reihe von extremistischen militanten Gruppen in der Region unterstützt, darunter die Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen.
Die Hisbollah ist die einzige der drei Gruppen, die sich aktiv an den Kämpfen auf der Seite des Iran beteiligt und seit der ersten Kriegswoche Angriffe auf Israel führt.
Die Huthis haben vor allem Drohungen ausgesprochen, aber keine weiteren Schritte unternommen, während die Hamas den Iran offen aufgefordert hat, von weiteren Angriffen auf Nachbarländer abzusehen.
Der Iran hat seine Stellvertreter offenbar noch nicht aufgegeben und behauptet, einige seiner eigenen Angriffe auf Israel in den letzten Wochen seien "zur Unterstützung von Libanon und Palästina" erfolgt.
Ein weit weniger ehrgeiziges Ziel für die Gespräche könnte darin bestehen, einen Waffenstillstand zu erreichen und die Straße von Hormus wieder zu öffnen.
Außenminister Araghchi schien in einem Interview mit Al Jazeera jede Teilvereinbarung abzulehnen.
"Wir glauben nicht an einen Waffenstillstand. Wir glauben an das Ende des Krieges ... das Ende des Krieges an allen Fronten", sagte Araghchi.
Der Iran wird nun wahrscheinlich Garantien für den Verzicht auf Angriffe in der Zukunft, eine finanzielle Entschädigung für die Bombardierung und eine vollständige Aufhebung der Sanktionen fordern.
Was ist mit Israel?
Israel ist nicht in den Verhandlungsprozess involviert.
Israel würde jedoch dem Beispiel Trumps folgen, da es unwahrscheinlich ist, dass es seine Angriffe auf den Iran fortsetzt, wenn die USA ein Ende des Krieges erklären.
In einer Erklärung am späten Montag würdigte Benjamin Netanjahu die diplomatischen Bemühungen Trumps, sagte aber, Israel werde seine Feinde vorerst weiter angreifen.
Ein Ende des Iran-Krieges bedeutet auch nicht das Ende der israelischen Militär-Kampagne im Libanon, wo es sich Israel zum Ziel gesetzt hat, die von Teheran unterstützte Hisbollah zu vernichten.
Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen wurden durch die Kämpfe der letzten Wochen rund 1 Million Menschen im Libanon vertrieben.