Der Krieg im Iran treibt Öl- und Gaspreise sowie Erwartungen an höhere Zinsen nach oben. EZB-Chefin Lagarde sieht die Eurozone jedoch robuster als zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine.
Die Europäische Zentralbank lässt sich beim Umgang mit dem Energieschock durch den Krieg im Nahen Osten nicht von Zögern lähmen. Das sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Mittwoch.
Der Konflikt begann Ende Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran. Seitdem sind die Preise für Öl und Gas stark gestiegen. Grund ist die nahezu vollständige Sperrung der Straße von Hormus und Angriffe auf Energianlagen am Golf.
Lagarde betonte, die Welt stehe vor „tiefgreifender Unsicherheit“. Die EZB sei dennoch gut aufgestellt, um die Turbulenzen zu bewältigen. Die Inflation liege derzeit nahe am Ziel von zwei Prozent, die Wirtschaft der Eurozone stehe vergleichsweise solide da.
„Wir verfügen über eine gestufte Palette von Optionen, wie wir reagieren können“, sagte sie in einer Rede in der EZB-Zentrale in Frankfurt.
Sie unterstrich, die geldpolitischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger würden „nicht handeln, bevor wir genügend Informationen über Umfang und Dauer des Schocks haben“. Ihr Versprechen, mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent zu erreichen, sei „bedingungslos“.
Bei ihrer jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche beließ die EZB die Zinsen wie erwartet unverändert. Zugleich warnte sie vor höherer Inflation und schwächerem Wachstum infolge des Kriegs.
Beobachter halten es nun für wahrscheinlicher, dass die Notenbank bereits im kommenden Monat die Kreditzinsen anhebt, um einen erwarteten Sprung der Verbraucherpreise zu begrenzen.
Die höheren globalen Öl- und Gaskosten haben die Spritpreise in der Eurozone sofort nach oben getrieben. Zugleich werden Erinnerungen an den Energieschock nach Russlands Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 wach.
Damals stand die EZB massiv in der Kritik. Sie habe die Zinsen nicht schnell genug erhöht und damit die ausufernde Teuerung nicht rechtzeitig gebremst, lautete der Vorwurf.
Lagarde versuchte nun, die Parallelen zu dieser Phase zu relativieren.
„Der erste Schock ist bisher geringer ausgefallen“, sagte sie. Zudem sei das Umfeld heute „günstiger“.
Als Russland nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Gaslieferungen nach Europa drosselte, war die Inflation bereits erhöht. Gründe waren laut Lagarde Lieferkettenprobleme nach der Pandemie und ein schon damals bestehender Mangel an Arbeitskräften.
Jetzt stehe die Wirtschaft der Eurozone solider da, betonte sie. Die Inflation bewege sich seit einiger Zeit in der Nähe des EZB-Ziels.