Der neue Chef der Schweizer Armee, Benedikt Roos, zeigte sich am Donnerstag "nicht optimistisch", was die Luftverteidigungskapazitäten seines Landes angeht. Für die Erhöhung der Sicherheit seien erhebliche Investitionen erforderlich.
In der Schweiz wächst die Sorge über die eigenen Rüstungskapazitäten. Der neue Chef der Schweizer Armee Benedikt Roos sagte am Freitag, das Land verfüge noch nicht über die notwendigen Abwehrmechanismen gegen mögliche Drohnenangriffe, wie sie im Krieg im Nahen Osten eingesetzt werden.
"Die Welt von heute ist komplexer, dynamischer und in mancher Hinsicht gefährlicher geworden", sagte Roos vor Reportern auf einem Militärstützpunkt in Thun.
"Machtpolitik ist kein neues Phänomen, aber heute manifestiert sie sich wieder in einer offenkundigeren und unmittelbareren Weise", fügte er hinzu.
Auf die Frage, ob die Schweiz auf mögliche neue Bedrohungen durch Drohnenangriffe vorbereitet sei, sagte Roos, er sei "nicht sehr optimistisch". "Wenn es um die Bedrohungen geht, die wir jetzt im Iran sehen, haben wir mehr oder weniger nichts, überhaupt nichts, null."
Sein Land habe "Lücken" in seinen Luftabwehrkapazitäten, die es zu schließen gelte. Die beiden größten Prioritäten seien "Cyberangriffe im Informationsbereich" und "die Bedrohung aus großer Entfernung".
Erhöhung der Verteidigungsausgaben "erforderlich"
Vergangene Woche hat die Schweizer Regierung das Parlament um die Genehmigung von Verteidigungsausgaben in Höhe von 3,7 Milliarden Euro gebeten, die sich auf den Ausbau der bodengestützten Luftabwehr, den Schutz vor Drohnen und zusätzliche Cyberspace-Fähigkeiten konzentrieren.
Geplant sind u. a. die Beschaffung von IRIS-T SLM-Raketensystemen aus deutscher Produktion im Wert von 1 Milliarde Euro und die Verbesserung des Schutzes vor Minidrohnen für rund 76 Millionen Euro.
"Die Schweiz ist derzeit nicht ausreichend gegen die wahrscheinlichsten Formen der Bedrohung geschützt", sagte Verteidigungsminister Martin Pfister. Er sagte, dass andere Bereiche, wie die Erneuerung der Fahrzeugflotte, nun zumindest für die nächsten drei Jahre weniger Priorität hätten als die neu definierten, prominenteren Bedrohungen.
Anfang dieses Monats vereinbarten die EU und die Schweiz außerdem, ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Außenpolitik, Sicherheit und Verteidigung zu verstärken.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und ihr Schweizer Amtskollege Ignazio Cassis unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, in der sie die strategische Bedeutung ihrer außen- und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit betonten und engere Beziehungen versprachen.
Sie unterzeichneten auch ein technisches Abkommen, das es der Schweiz, die für ihre Neutralität bekannt ist, ermöglicht, leichter an gemeinsamen zivilen oder militärischen Missionen teilzunehmen, "um die Stabilität in Europa zu wahren".