In einem spektakulären Zugriff ist Alla S. in Rheine in NRW festgenommen und inzwischen an die Bundesstaatsanwaltschaft in Karlsruhe überstellt worden. Die Mutter von zwei Jugendlichen soll mit einem Komplizen, der in Spanien festgenommen wurde, versucht haben, einen Rüstungsmanager auszuspionieren.
Schon seit mehreren Jahren lebte Alla S., die aus Rumänien stammt, mit ihren beiden Kindern in einem Mehrfamilienhaus in Rheine in Nordrhein-Westfalen. Am vergangenen Dienstag wurde die 45-Jährige in einer spektakulären Polizeiaktion festgenommen und am 25. März an die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe überstellt. Einen Tag später holte das Jugendamt laut Medienberichten die beiden Jugendlichen ab.
Die Frau soll als sogenannte "Wegwerf-Spionin" zusammen mit einem Komplizen versucht haben, für Russland einen Rüstungsmanager aus Bayern auszuspionieren - sogar ein geplantes Attentat auf den Unternehmer im Auftrag von Putins Geheimdienst wollten die deutschen Justizbehörden nicht ausschließen. Der mutmaßliche Komplize ist ein Ukrainer, der in Spanien festgenommen wurde.
"Sie sagte nie Hallo"
Bei ihren Nachbarn in der Wohnsiedlung in Rheine war Alla S. offenbar nicht sehr beliebt. Aus der Wohnung seien oft Schreie zu hören gewesen. BILD zitiert eine Nachbarin, die die mutmaßliche Spionin als meist schlecht gelaunt beschreibt: "Wenn man sie im Treppenhaus getroffen hat, sagte sie nie Hallo. Sie konnte kein Deutsch, hat immer Türkisch und Englisch gesprochen."
Nach ihrem Komplizen, dem 43-jährigen Sergey N., soll Alla S. den Manager eines Unternehmens in Bayern ausspioniert haben, das Kampfdrohnen und Bauteile in die Ukraine liefert. Laut Bundesanwaltschaft in Karlsruhe war der Unternehmer schon seit Dezember 2025 im Visier der Putin-Agenten, zunächst soll Sergey N. im Internet Informationen über den Rüstungsunternehmer gesammelt und Videos von dessen Büro gemacht haben.
Seit einigen Wochen - nämlich seit Anfang März - soll Alla S. Handyvideos vom Privathaus des Unternehmers gefilmt haben.
Sogenannte "Wegwerf-Agenten" oder Low-Level-Agenten werden von den russischen Geheimdiensten nicht für ihre Tätigkeit ausgebildet. Sie gelten als Putins Schattenarmee, erhalten meist nur eine Art "Taschengeld" - und werden von Russland fallengelassen, sobald sie enttarnt worden sind.
Dabei hatte Russlands Präsident, der einst selbst in der DDR lebte und arbeitete, zuletzt noch den verurteilten sogenannten Tiergarten-Mörder Wadim Krassikow aus einem deutschen Gefängnis geholt.
In Rheine stellte die Polizei im offenbar zugemüllten Auto von Alla S. - einem VW - auch russischsprachige Texte sicher.
"Sie hat oft in Badelatschen vor der Tür gesessen und telefoniert", erzählt eine Nachbarin Reportern. "Auffällig war im Nachhinein, dass sie regelmäßig Zettel mit einer Frau ausgetauscht hat. Sonst deutete nichts darauf hin, dass sie eine Spionin ist."