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Rheinmetall-CEO über ukrainische Drohnenhersteller: "Hausfrauen mit 3D-Drucker"

Rheinmetall-Chef über ukrainische Drohnenhersteller: Hausfrauen mit 3D-Druckern
Rheinmetall-Chef über ukrainische Drohnenhersteller: Hausfrauen mit 3D-Druckern Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Nach den Äußerungen seines CEOs meldet sich das Unternehmen Rheinmetall mit einer Stellungnahme. Armin Papperger hatte ukrainische Drohnenunternehmen als "Hausfrauen mit 3D-Druckern" bezeichnet.

Es war ein kurzer Moment, der jetzt im Nachhinein für Aufsehen sorgt. Der Chef der Rüstungsfirma Rheinmetall, Armin Papperger, soll in einem Interview über ukrainische Drohnenhersteller gesagt haben, sie seien "Hausfrauen mit 3D-Druckern in der Küche". Echte Innovationen würde er ihnen nicht zutrauen.

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Die Ukraine ist empört und Rheinmetall versucht, die scharfen Worte zu korrigieren.

In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem US-Magazin The Atlantic sagte Armin Papperger, die Entwicklung von Drohnentechnologie in der Ukraine sei "wie mit Lego zu spielen". Demnach würden in den Fabriken "ukrainische Hausfrauen" arbeiten. "Sie haben 3D-Drucker in der Küche und stellen Drohnenteile her. Das ist keine Innovation", erklärte Papperger weiter.

Eklat auf Social Media: Rheinmetall-CEO wertet ukrainische Drohnen ab

Einen technologischen Durchbruch habe die Ukraine nach Ansicht von Papperger nicht erzielt. "Das ist wie mit Legosteinen spielen", sagte der Rheinmetall-CEO. "Wie auch immer", kommentierte er abschließend und gestand dem Kriegsland zu, dass die Entwicklung kleiner Drohnen "toll" sei. Mit der Arbeit der eigenen Firma Rheinmetall sowie von Rüstungskonzernen wie Lockheed Martin und General Dynamics sei das ihm zufolge allerdings nicht vergleichbar.

Die Aussagen des Rheinmetall CEOs lösten scharfe Kritik aus. Der ukrainische Präsidentenberater Oleksandr Kamyschin reagierte auf der Plattform X gleichgültig. "Na gut", schrieb er, "Inzwischen haben unsere LEGO Drohnen bereits mehr als 11.000 russische Panzer zerstört".

Kamyschin verteidigte in einem weiteren Post die Arbeitnehmerinnen und sagte, bei seinen Besuchen in Waffenfabriken habe er häufig ukrainische Frauen gesehen, die genauso arbeiteten wie Männer. "Sie sind großartige Hausfrauen, und doch müssen sie hart in den Militärfabriken arbeiten. Sie verdienen Respekt."

Unter dem Hashtag MadeByHousewives hagelte es Memes und Anspielungen auf die Effektivität ukrainischer Drohnen. Nicht nur die Politik, auch die ukrainischen Rüstungsunternehmen ließen die Worte von Papperger nicht unkommentiert.

Mit den Äußerungen von Papperger konfrontiert, antwortete das ukrainische Drohnenunternehmen Skyfall auf Anfrage von The Atlantic: "Wenn eine Drohne, die von ukrainischen 'Hausfrauen' gebaut wurde, ausreicht, um Panzer und Artillerie auszuschalten, dann sind wir wohl offiziell in der Ära der 'Hausfrauen' angekommen."

Kritik an Papperger auch aus Deutschland

Pappergers Äußerungen sind nicht nur in der Ukraine schlecht angekommen. Der deutsche Militärexperte Nico Lange warnte vor Überheblichkeit und spricht sogar von einem "ernsten Sicherheitsrisiko", sollte man die neue Realität des Krieges nicht ernst nehmen.

Aktuell zeige sich die neue Ökonomie des Krieges nach Langes Ansicht beispielsweise im Iran. Das Land setze ihm zufolge "auf hohe Mengen Drohnen, Raketen und kleinen Booten. Das überlastet Abwehrsysteme – und zwingt uns zu einem anderen Denken", erklärt der Militärexperte weiter und appelierte, dass Technologieführerschaft eines der Ziele sein muss.

Die Expertise der Ukraine durch die eigene Erfahrung als Kriegsland seit über vier Jahren ist demnach in der Golfregion stark gefragt. Denn Russland nutzte vielfach die sogenannten Shahed-Drohnen nach iranischer Bauart, die auch jetzt seit dem Beginn des US-israelischen Angriffs im Iran zum Einsatz kommen.

Ende Februar wurden ukrainische Experten in die Region entsandt, um bei der Abwehr von iranischen Drohnenangriffen zu helfen.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist derzeit in Begleitung von einer Delegation mit rund 200 Experten durch mehrere Golfstaaten. Zuletzt hat er mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabsichen Emiraten eine Zusammenarbeit zur Luftverteidigung vereinbart.

Rheinmetall rudert zurück

Unter dem Post von Präsidentenberater Alexander Kamyschin hat nicht nur Rheinmetall selbst Stellung genommen, auch der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter, Oberst a.D und Stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe Auswärtiges entschuldigte sich in den Kommentaren, "wenn er könnte".

Die Firma Rheinmetall selbst antwortete ebenso: "Wir haben größten Respekt vor den enormen Anstrengungen, die das ukrainische Volk seit nunmehr über vier Jahren unternimmt, um sich gegen den russischen Angriff zu verteidigen", heißt es in dem Statement. Dabei spreche besonders für die Ukraine, dass sie selbst mit begrenzten Mitteln äußerst effektiv kämpfe, so Rheinmetall auf der Plattform X weiter.

Dabei würde jede Frau und jeder Mann einen "unermesslichen Beitrag" leisten, der Kampfgeist sei eine Inspiration. "Wir sind dankbar, dass wir die Ukraine mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen können", erklärte das Unternehmen abschließend.

Rheinmetall ist das größte deutsche Rüstungsunternehmen und und baut neben Panzern auch verschiedene Arten von Munition. Analysten trauen dem Konzern massives Wachstum zu, die Firma selbst erwartet ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro.

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