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Sind erneuerbare Energien für Stromausfall in Spanien verantwortlich?

Laut einer Umfrage der BBVA-Stiftung stellen 15 % der Spanier den Klimawandel in Frage
Laut einer Umfrage der BBVA-Stiftung stellen 15 % der Spanier den Klimawandel in Frage Copyright  Wikipedia
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Von Javier Iniguez De Onzono
Zuerst veröffentlicht am
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Trotz der Studien über die Ursachen des enormen Stromausfalls, der auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen ist, glauben viele ausschließlich erneuerbare Energien hätten den Blackout auf der iberischen Halbinsel verursacht. Was steckt dahinter?

Nach sechs Monaten Untersuchung von etwa 50 Fachleuten aus ganz Europa hatte das Europäische Netz der Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) auf 472 Seiten voller technischer Details die Ursachen des großflächigen Stromausfalls auf der iberischen Halbinsel vom April 2025 ermittelt.

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Eine Reihe von Spannungsschwankungen führte dem Bericht zufolge zu den weit verbreiteten Unterbrechungen, die das spanisch-portugiesische Netz aus dem Gleichgewicht mit dem übrigen europäischen Netz brachten. Doch diese Erkenntnis ging offenbar an der Öffentlichkeit vorbei.

Das Meinungsforschungsinstitut Sigma Dos hat eine Analyse zur Wahrnehmung der Solarenergie, zum Klimawandel und zu den Ereignissen vom 28. April 2025 veröffentlicht.

Während die Mehrheit der Befragten (43,3 %) glauben, dass der Vorfall durch ein Versagen der Kraftwerke oder durch eine Abschaltung gemäß den Sicherheitsprotokollen (33,6 %) verursacht wurde, macht fast ein Drittel (32,8 %) die Vorrangstellung der erneuerbaren Energien im spanischen Energiemix dafür verantwortlich. Eine Minderheit vermutet immer noch, dass es sich um einen Cyberangriff handelte (10,7 %), eine Theorie, die schon am Tag des Stromausfalls verworfen wurde.

Mehr als 60 % der im März in Spanien erzeugten Energie stammte aus erneuerbaren Quellen - 'Euronews' mit Daten von Red Eléctrica

Diese öffentliche Wahrnehmung der Rolle der erneuerbaren Energien ist zudem bei mehreren Medien und politischen Akteuren verbreitet. Im Februar 2026 kritisierte Emmanuel Macron - dessen Land die größte Menge an Atomenergie in Europa erzeugt - vor sechs internationalen Zeitungen das spanische Energiemodell. Dabei gibt es in Spanien zusammen mit Portugal derzeit die niedrigsten Energiepreise in Europa, während aufgrund der Blockade der Straße von Hormus die Beschaffung von Gas Sorgen bereitet.

"Frankreich hat nie einen Verbund mit Spanien gefördert, um die Vorteile der erneuerbaren Energien zu nutzen", konstatierte einer der Journalisten. "Spanien ist eine falsche Debatte", antwortete Macron. "Das Problem ist, dass es ein Modell mit 100 % erneuerbaren Energien hat [eine ungenaue Zahl, wie man in der obigen Grafik sehen kann - Anmerkung der Redaktion], das sein eigenes Stromnetz nicht unterstützt. Der Stromausfall in Spanien hat nichts mit den Verbundnetzen zu tun, sondern damit, dass kein System, zumindest mit der heutigen Technologie, eine solche Abhängigkeit von erneuerbaren Energien unterstützen kann."

Wie kommt es zum Verlust an Glaubwürdigkeit der erneuerbaren Energien?

Pere Jurado, Spezialist für politische und ökologische Kommunikation und Gründer von Nexo Ambiental, einem Beratungsunternehmen für öffentliche Interessenvertretung, verweist auf eine Kombination von Faktoren: das Desinteresse am alarmistischen Diskurs über den Klimawandel, insbesondere unter jungen Menschen, die eine politische Nutzung des Themas wahrnehmen, oder eine Überrepräsentation der Klimaleugner in sozialen Netzwerken.

"Die Debatte über Atomkraft und erneuerbare Energien und damit auch über das Energiemodell hat sich polarisiert", erklärt Jurado. "Der Stromausfall war ein außergewöhnliches Ereignis, das sich wahrscheinlich nicht wiederholen wird, und fand in einer Zeit statt, in der die Öffentlichkeit den Institutionen stark misstraut. In Spanien gibt es ein strategisches Engagement für erneuerbare Energien, das in den ländlichen Gebieten zu Protesten gegen dieses Modell führt".

"Der Blackout", so der Experte,"fand zu einer Zeit statt, in der mehrere sehr technische Energiedebatten gleichzeitig stattfanden: die Schließung des Kernkraftwerks Almaraz oder die Zentralisierung des Netzes selbst standen auf der Tagesordnung".

Berater Jurado erinnert daran, dass viele Fachleute die Kernenergie jenseits der derzeitigen gesellschaftlichen Polarisierung als grüne Energie betrachten und ein großer Teil der Physikwissenschaft sich für sie ausspricht. Die Europäische Kommission schlug 2022 vor, die Klassifizierung der grünen Energien zu ändern und Kernenergie und Erdgas einzubeziehen, um bestimmte Investoren zu begünstigen.

Dies war nicht der einzige Versuch von Ursula von der Leyen, Atomkraft zu fördern. "Die Reduzierung des Engagements für die Kernenergie war ein strategischer Fehler für Europa", erklärte sie im vergangenen März, obwohl sie die Spanierin Teresa Ribera als ihre wichtigste Vizepräsidentin für ihre derzeitige Exekutive ausgewählt hatte. Die ehemalige Ministerin für den ökologischen Wandel in Madrid galt -zumindest bisher - als überzeugte Verfechterin der erneuerbaren Energien und war die Architektin des derzeitigen Energiekurses in Spanien.

Steigt die Ablehnung der aktuellen Klimapolitik in Spanien?

Laut einer kürzlich durchgeführten Studie der BBVA-Stiftung über die wissenschaftliche Kultur stellen 15 % der Befragten in Spanien die Existenz des Klimawandels in Frage. Allerdings zweifeln nur 4 % der Personen mit einem sehr hohen wissenschaftlichen Kenntnisstand am Klimawandel , doch bei Personen mit einem sehr geringem wissenschaftlichen Kenntnisstand steigt der Anteil auf 21 %.

Auch die ideologische Voreingenommenheit wird deutlich: 29 % der Personen, die ideologisch auf der rechts stehen, halten die These, dass der Klimawandel nicht existiert, für wahr. Nur 6 % der Personen, die sich als links einordnen, leugnen den Klimawandel, so der Think Tank der spanischen Bank.

Pere Jurado relativiert diese Daten: "Dieselben Umfragen zum Klimawandel, die besagen, dass über 80 % der spanischen Gesellschaft besorgt oder sehr besorgt über den Klimawandel sind, besagen auch, dass sich nur 20 % durch diese Politik vertreten fühlen. Es besteht eine Diskrepanz zwischen den Werten und Prioritäten der Gesellschaft und den Klimaschutzmaßnahmen, insbesondere bei den konservativen Bevölkerungsgruppen, aber nicht nur bei ihnen." Und der Experte sagt mit Blick auf die Rechtspopulisten in Spanien: "Selbst bei einem großen Teil der Vox-Wähler ist die Sensibilität für die Auswirkungen des Klimawandels sehr hoch. In dieser Hinsicht gibt es noch viel zu tun".

Jurado ist der Meinung, dass die Kommunikationsstrategien bestimmter umweltpolitischer Sektoren nicht funktionieren. Die Verwendung des Begriffs "Notfall", um über dieses anthropozentrische Phänomen zu sprechen, löst bei einem bestimmten Teil der Bevölkerung, der die negativen Auswirkungen menschlichen Handelns auf das Klima nicht sofort wahrnimmt, Ablehnung hervor.

"Die katastrophalsten Ankündigungen haben sich nicht bewahrheitet, und viele Menschen haben sie als Schwindel oder Betrug empfunden. Das bedeutet nicht, dass sie den Klimawandel leugnen: Wenn überhaupt, dann spielen sie seine Auswirkungen herunter und damit auch die Notwendigkeit von Maßnahmen, die von vielen sozialen und wirtschaftlichen Bereichen als aggressiv oder ihren Interessen zuwiderlaufend empfunden werden ", schließt der Berater.

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