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Zwischen den Fronten: Warum Zypern immer stärker ins Visier gerät

Zwischen den Fronten: Warum Zypern immer stärker ins Visier gerät
Copyright  Monica Pinna (Limassol, March 2026). Composite and editing: AI-assisted
Copyright Monica Pinna (Limassol, March 2026). Composite and editing: AI-assisted
Von Monica Pinna
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Am 1. März traf eine vom Libanon aus gestartete iranische Shahed-Drohne den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern und brachte den Krieg im Nahen Osten unerwartet näher an Europa heran.

Zypern, lange Zeit als stabiles Land wahrgenommen, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Frontgebiet im Spannungsfeld regionaler Konflikte, globaler Machtinteressen und der eigenen ungelösten Teilung.

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Die britischen Stützpunkte Akrotiri und Dhekelia nehmen rund 3 % der Fläche der Republik Zypern im Süden der Insel ein. Ihr Einfluss reicht jedoch weit über die eigentlichen Grenzen der Basen hinaus: Fast 60 % der Gemeinde Kourion mit ihren rund 40.000 Einwohnern überschneiden sich mit den britischen Hoheitsgebieten.

Im Dorf Akrotiri, das unmittelbar an den Stützpunkt grenzt, sind die Bewohner an die ständige Präsenz von Kampfjets und Patrouillen gewöhnt. Rund ein Drittel der Bevölkerung arbeitet auf der Basis.

Nach der Explosion der Drohne brach jedoch Chaos aus.

Der stellvertretende Bürgermeister von Akrotiri, Giorgos Kostantinou, zeigt Reporterin Monica Pinna die Nähe seines Dorfes zum britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri
Der stellvertretende Bürgermeister von Akrotiri, Giorgos Kostantinou, zeigt Reporterin Monica Pinna die Nähe seines Dorfes zum britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri Ivan Charalambous/Euronews März 2026

"Es gab zwar Sirenen, aber keine klaren Anweisungen", sagte der stellvertretende Bürgermeister von Akrotiri, Giorgos Kostantinou. Die Evakuierung wurde erst am folgenden Tag angeordnet. Rund 1.000 Menschen mussten vorübergehend umgesiedelt werden und kamen bei Verwandten, in Hotels oder in einem nahegelegenen Kloster unter.

Der Vorfall machte zudem eine rechtliche Grauzone deutlich: Die zyprischen Behörden haben keine Gerichtsbarkeit über die britischen Hoheitsgebiete, was ihre Handlungsmöglichkeiten in Notfällen erheblich einschränkt.

Strategischer Vorteil oder wachsende Bedrohung?

Die britischen Stützpunkte sind in Zypern seit Langem ein sensibles Thema. Das Vereinigte Königreich behielt sie nach der Unabhängigkeit der Insel im Jahr 1960 bei. Viele sehen in ihnen bis heute ein koloniales Erbe.

Nach dem Drohnenangriff hat die rechtsgerichtete Regierung in Nikosia neue Fragen über die Zukunft der Basen aufgeworfen, die seit Jahren politisch umstritten sind.

"Für viele Menschen wird die Basis zu einer Bedrohung", sagte Pantelis Georgiou, Bürgermeister der Gemeinde Kourion. "Wir brauchen Klarheit darüber, wer zuständig ist, insbesondere beim Katastrophenschutz."

Der Bürgermeister der Gemeinde Kourion, Pantelis Georgiou, erklärt: „Die Menschen fangen an, eine Militärbasis dieser Größe in der Gegend als Bedrohung zu empfinden.“
Der Bürgermeister der Gemeinde Kourion, Pantelis Georgiou, erklärt: „Die Menschen fangen an, eine Militärbasis dieser Größe in der Gegend als Bedrohung zu empfinden.“ Ivan Charalambous/Euronews März 2026

Zypern, das derzeit die rotierende Präsidentschaft des Rates der Europäischen Union innehat, ist kein Mitglied der NATO und bei seiner Verteidigung auf europäische Partner und das Vereinigte Königreich angewiesen. Nach dem Angriff entsandten mehrere europäische Länder militärische Einheiten in die Region, darunter auch Griechenland. Zudem erlaubte das Vereinigte Königreich den USA, seine Stützpunkte für "Verteidigungsmaßnahmen" zu nutzen.

Tourismus zwischen den Fronten

Trotz der Sicherheitsbedenken bemühen sich die Behörden, Ruhe auszustrahlen. Der Tourismus, der rund 12 % des zyprischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht, bleibt von zentraler Bedeutung.

Vertreter der Branche spielten den Vorfall zwar herunter, doch die Auswirkungen waren sofort spürbar: Die Hotelbuchungen gingen im März, also zu Beginn der Saison, um fast 40 % zurück.

Beamte betonen, dass das Ausmaß der langfristigen Folgen davon abhängen werde, wie sich der Konflikt weiterentwickelt.

Eine geteilte Insel unter Druck

Die Krise im Nahen Osten wirkt sich auch auf die anhaltende politische Teilung Zyperns aus.

Die Insel ist seit 1974 zwischen der international anerkannten Republik Zypern und der selbsternannten "Türkischen Republik Nordzypern", die nur von der Türkei anerkannt wird, geteilt. Das militärische Auftreten beider Seiten hat sich seither verschärft. Die Türkei hat ihre Präsenz im Norden ausgebaut, nachdem europäische Kräfte im Süden stationiert worden waren.

Nicosia: Grenzübergang zur selbsterklärten „Türkischen Republik Nordzypern“, die nur von der Türkei anerkannt wird
Nicosia: Grenzübergang zur selbsterklärten „Türkischen Republik Nordzypern“, die nur von der Türkei anerkannt wird Monica Pinna/Euronews März 2026

Analysten warnen, dass der Konflikt im Nahen Osten die Teilung weiter vertiefen und die Bemühungen um eine Wiedervereinigung zusätzlich verzögern könnte.

Zypern und die Folgen des Konflikts

Im Alltag scheint das Leben zunächst weiterzugehen. Doch unter der Oberfläche verändert der Krieg die Insel bereits — politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Zypern liegt zwar geografisch fern der eigentlichen Fronten, ist deren Folgen jedoch immer stärker ausgesetzt. Die entscheidende Frage lautet daher längst nicht mehr, ob der Konflikt die Insel trifft, sondern wie tiefgreifend seine Auswirkungen sein werden.

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