Nach US-geführten Gesprächen in Washington haben Israel und der Libanon eine bedingte Waffenruhe vereinbart. Doch ob sie in Kraft tritt, hängt vor allem von der Hisbollah ab.
Israel und der Libanon haben sich am Mittwoch auf eine bedingte Waffenruhe verständigt. Voraussetzung sei ein "vollständiger Stopp" der Angriffe durch die vom Iran unterstützte Hisbollah, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung nach von den USA geführten Gesprächen in Washington.
Demnach tritt die Waffenruhe nur in Kraft, wenn die Hisbollah ihre Angriffe vollständig einstellt und ihre Kämpfer aus dem Süden des Libanon abzieht.
Da die Vereinbarung an Bedingungen für die Hisbollah geknüpft ist, bleibt offen, wie es nun weitergeht. Bereits am Dienstag hatte ein ranghoher Hisbollah-Funktionär, Mahmud Qomati, gewarnt, die Bewegung werde eine "teilweise Waffenruhe" nicht akzeptieren.
Verhandlungen laufen seit März
Die Gespräche in Washington waren die vierte Runde direkter Verhandlungen zwischen libanesischen und israelischen Diplomaten. Sie laufen seit Anfang März, nachdem am 2. März neue Kämpfe ausgebrochen waren. Damals hatte die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel nach eigenen Angaben zur Unterstützung Irans wieder aufgenommen.
Beide Seiten, die keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten, einigten sich zudem auf die Einrichtung sogenannter Pilotzonen. Dort sollen ausschließlich die libanesischen Streitkräfte die Kontrolle übernehmen; andere bewaffnete Gruppen wären ausgeschlossen.
Die geplante Waffenruhe kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Israel seine Angriffe zuletzt deutlich ausgeweitet hat. Die israelische Armee führt derzeit ihre tiefste Bodenoffensive im Libanon seit zwei Jahrzehnten.
Trump fordert separate Verhandlungen über Libanon
Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump bestätigt, mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu ein angespanntes Telefonat über die ausgeweitete Militäroffensive im Libanon geführt zu haben. Er kündigte an, die Gespräche über den Libanon-Konflikt von den Verhandlungen über den Krieg mit Iran trennen zu wollen.
"Ich möchte das trennen. Ich möchte eine eigene Schiene, denn es sind zwei verschiedene Dinge", sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten.
Teheran beharrt hingegen darauf, dass beide Konflikte miteinander verbunden sind. Außenminister Abbas Araghchi warnte, jeder Angriff auf Beirut würde eine "vollumfängliche Wiederaufnahme" des Krieges auslösen.
Beide Seiten wollen sich in der Woche ab dem 22. Juni erneut zu Gesprächen treffen, "mit dem Ziel, eine umfassende Vereinbarung zu erreichen", heißt es in der Mitteilung weiter.
Gefechte im Libanon dauern an
Auch am Mittwoch gingen die Gefechte mit Angriffen über die Grenze hinweg weiter. Nach Behördenangaben töteten israelische Angriffe mindestens neun Menschen im Süden des Libanon. Die Hisbollah erklärte, sie habe israelische Soldaten ins Visier genommen.
Nach Angaben des israelischen Militärs drangen aus dem Libanon zwei Raketen und ein "feindliches Fluggerät" in israelisches Gebiet ein.
Zur israelischen Offensive berichtete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA, israelische Angriffe hätten ein Auto auf der Hauptausfallstraße aus der Hauptstadt ins Visier genommen.
Die Agentur meldete zudem Angriffe auf mehr als 20 Ziele im Süden des Landes. Einige erfolgten demnach, nachdem das israelische Militär Bewohner mehrerer Dörfer zur Evakuierung aufgefordert hatte.
Das libanesische Gesundheitsministerium erklärte unterdessen, ein israelischer Angriff auf Al-Hawsh nahe der Stadt Tyrus habe vier Syrer und zwei Palästinenser getötet. Medienberichten zufolge wies ein Sprecher des israelischen Militärs diese Darstellung zurück. "Uns ist kein solcher Angriff in dem Gebiet bekannt", sagte er demnach.
Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums traf ein weiterer israelischer Angriff im Süden einen Krankenwagen. Zwei Sanitäter der Risala Scouts Association, die mit der Amal-Bewegung, einem Verbündeten der Hisbollah, verbunden ist, kamen dabei ums Leben.
Das Ministerium veröffentlichte Fotos eines schwer beschädigten Krankenwagens. Aus dem Fahrzeug fielen OP-Masken auf die Straße und lagen verstreut auf dem Asphalt.
Seit Beginn der Kämpfe sind nach lokalen Angaben mindestens 130 Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Gesundheitseinrichtungen getötet worden.