In Mali steht Russlands Söldnertruppe an der Seite der Junta, die gerade den aufständischen Dschihadisten der Befreiungsfront Azawad die Stadt Kidal überlassen mussten. Der Kreml reagiert kleinlaut.
Am Wochenende mussten etwa 400 russische Söldner des Afrikakorps - der Nachfolge-Organisation der Wagner-Söldner - aus der Stadt Kidal in Mali evakuiert werden. Die Dschihadisten der Azawad Befreiungsfront hatten die Russen und die malischen Regierungstruppen im Norden des Landes überrannt.
Es war eine symbolträchtige Niederlage der Putin-Truppe, die im November 2023 stolz die Totenkopf-Fahne der Wagner-Söldner in Kidal gehisst hatte. Jetzt zogen die militanten Tuareg ihre eigene Flagge auf.
Man habe sich zwar zurückgezogen, aber einen Putschversuch vereitelt, hieß es aus dem Kreml. Über eigene Verluste machte Moskau keine Angaben.
Ein Sprecher der separatistischen Tuareg-geführten Azawad-Befreiungsfront (FLA - für "Front de Libération Azawad") erklärte, die Truppen des russischen Afrikakorps und das malische Militär hätten nach dem Angriff vom Wochenende die Stadt Kidal verlassen. Es habe eine Vereinbarung über ihren friedlichen Abzug gegeben.
"Kidal wird für frei erklärt", sagte FLA-Sprecher Mohamed El Maouloud Ramadan.
Im Staatsfernsehen bestätigte der Chef der Streitkräfte am späten Sonntagabend, dass die malische Armee die Stadt verlassen habe und ihre Kräfte in Anefis, einer Stadt etwa 100 Kilometer südlich von Kidal, neu positioniert seien.
Auf Videos ist auch der Rückzug der russischen Söldner in Richtung der Stadt Gao zu sehen.
Um dem Vormarsch der Dschihadisten entgegenzuwirken, hatten die malischen Militärführer seit 2021 auf russische Söldner von Wagner und seit 2025 die des Africa Corps zurückgegriffen, doch die Gewalt hat sich seither immer weiter verschlimmert. Und einige der grausamsten Angriffe auf Zivilisten wurden laut internationalen Beobachtern von russischen Söldnern und Angehörigen der malischen Armee verübt.
Laut dem Journalisten Wassim Nasr, einem Experten für dschihadistische Bewegungen, „war schon lange klar, dass russische Söldner als Partner im Kampf gegen den Terrorismus ineffizient waren, sei es innerhalb der Wagner-Gruppe oder nun im Africa Corps. Die Angriffe vom Samstag haben diese Schwierigkeiten nur bestätigt“, erklärte er in der Washington Post.
Die Separatisten kämpfen seit Jahren für die Schaffung eines unabhängigen Staates im Norden Malis.
Militante schließen sich mit Separatisten zusammen
Bei der Anschlagsserie vom Wochenende schlossen sich die Separatisten erstmals mit der Al-Qaida-nahen Gruppe JNIM zusammen, die nach eigenen Angaben ebenfalls an dem Angriff auf Kidal beteiligt war.
Nach Angaben des FLA-Sprechers wird die Operation "in Partnerschaft mit der JNIM durchgeführt, die sich ebenfalls für die Verteidigung der Bevölkerung gegen das Militärregime in Bamako einsetzt", so Ramadan.
Die Separatisten forderten Russland auf, "seine Unterstützung für die Militärjunta" in Mali zu überdenken, da dessen "Aktionen zum Leid der Zivilbevölkerung beigetragen haben".
Nach den Anschlägen wurde für den Bezirk Bamako eine dreitägige nächtliche Ausgangssperre von 21.00 bis 06.00 Uhr verhängt.
Malis Verteidigungsministger getötet
Die malischen Behörden gaben am Sonntag den Tod des Verteidigungsministers, General Sadio Camara, bekannt, der am Samstag bei einem breit angelegten Angriff von Dschihadisten und Rebellen getötet wurde.
Laut einer Regierungserklärung wurde Camaras Wohnsitz am Samstag von einem Selbstmordattentäter angegriffen.
"Er lieferte sich ein Feuergefecht mit den Angreifern, von denen er einige neutralisieren konnte", hieß es. "Während der heftigen Auseinandersetzungen wurde er verwundet und anschließend in ein Krankenhaus gebracht, wo er leider seinen Verletzungen erlag.
Die Tötung von General Sadio erfolgte zu einem Zeitpunkt, als Mali am Samstag von einem der größten koordinierten Angriffe auf die malische Armee in der Hauptstadt Bamako und mehreren anderen Städten heimgesucht wurde, der auch den Sicherheitspartner des Sahelstaates, Russland, herausforderte, der in dem westafrikanischen Land Streitkräfte vor Ort hat.
Unter den 16 Verwundeten befanden sich Zivilisten und Militärangehörige, und mehrere Kämpfer wurden getötet, sagte Regierungssprecher Coulibaly.
Die Regierung erklärte am Sonntag, die Angriffe schienen beendet zu sein, aber es blieben einige Fragen offen.
Die Tötung von General Sadio ereignete sich gleichzeitig mit einem der größten koordinierten Angriffe auf die malische Armee in der Hauptstadt Bamako und mehreren anderen Städten. Unter den 16 Verwundeten befanden sich Zivilisten und Militärangehörige, und mehrere Kämpfer wurden getötet, sagte Regierungssprecher Coulibaly.
Eine Bedrohung für die gesamte Region
Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten verurteilte die Anschläge in Mali und rief "alle Staaten, Sicherheitskräfte, regionalen Mechanismen und die Bevölkerung Westafrikas auf, sich zu vereinen und in einer koordinierten Anstrengung gegen diese Geißel zu mobilisieren".
Die Separatisten kämpfen seit Jahren für die Schaffung eines unabhängigen Staates im Norden Malis, während die mit Al-Qaida und dem IS verbündeten Kämpfer die Regierung seit über einem Jahrzehnt attackieren.
Nach Militärputschen wandten sich die Juntas in Mali, Niger und Burkina Faso von ihren westlichen Verbündeten - vor allem von Frankreich - ab und baten Russland um Hilfe bei der Bekämpfung der islamistischen Kämpfer.
Doch die Sicherheitslage in der Region hat sich in jüngster Zeit verschlechtert, und die Zahl der Anschläge durch militante Gruppen ist drastisch gestiegen. Die Regierungstruppen wurden auch beschuldigt, Zivilisten zu töten, die sie der Zusammenarbeit mit den Militanten verdächtigen.