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Nordsee-Insel Föhr kämpft mit großangelegter Aktion gegen Rattenplage

Rattengift darf in Deutschland bald nur stark eingeschränkt eingesetzt werden.
Rattengift darf in Deutschland bald nur stark eingeschränkt eingesetzt werden. Copyright  Photo by Siegfried Poepperl on Unsplash
Copyright Photo by Siegfried Poepperl on Unsplash
Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Rattenalarm statt Urlaubsidylle: Auf Föhr und Amrum soll eine groß angelegte Aktion die wachsende Plage eindämmen. Dafür werden Hotspots erfasst, private Grundstücke einbezogen und im Zweifel sogar Wohnungen betreten. Ob die Offensive wirkt, soll sich bis Ende 2026 zeigen.

Föhr, die zweitgrößte deutsche Nordseeinsel mit rund 82 Quadratkilometern und knapp 8.500 Einwohnern, gilt seit Generationen als idyllisches Urlaubsziel – bekannt für weite Salzwiesen, seltene Vogelarten und eine Landschaft fernab des Festlandtrubels. Doch die Idylle ist bedroht: Ratten haben die Insel in den vergangenen Jahren immer mehr besiedelt. Das Amt Föhr-Amrum hat deshalb ein großangelegtes Bekämpfungsprojekt auf den Weg gebracht.

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Einst rattenfrei – heute von Nagern überrannt

Lange galt Föhr als eines der letzten rattenfreien Naturparadiese an der deutschen Nordseeküste. Vor rund 20 Jahren erreichten die ersten Wanderratten die Insel und vermehrten sich seither massiv, berichten mehrere norddeutsche Medien. "Jetzt ist die Insel voll mit Ratten", warnt Naturschützer Dieter Risse im Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (SHZ). Auf seinem Andelhof in der Föhrer Marsch betreut Risse rund 20 Brutpaare der stark gefährdeten Uferschnepfe. Weil die heimische Natur jahrzehntelang keine Schutzmechanismen gegen die Nager entwickeln musste, sind die Folgen für die Vogelwelt heute besonders gravierend.

Großprojekt "Rattenbekämpfung" startet

Im April wurde das Projekt "Rattenbekämpfung" offiziell bekanntgegeben, das gemeinsam mit der Fachfirma Hartmann aus Treia umgesetzt wird. Die Aktion umfasst sowohl bebaute Ortslagen auf öffentlichen und privaten Flächen als auch sogenannte Hotspots in Vogelbrutgebieten auf Föhr und Amrum. Danach soll ausgewertet werden, wie wirksam die Maßnahmen waren und ob das Projekt fortgesetzt wird. Laut Kreisverordnung Nordfriesland sind Grundstückseigentümer zur Mitwirkung verpflichtet und müssen der Fachfirma Zugang zu ihren Liegenschaften gewähren.

Bodenbrüter ohne Chance

Denn das Nagerproblem ist groß: Die Ratten plündern systematisch die Gelege der Bodenbrüter, die in Föhrs Salzwiesen heimisch sind. Wo keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, bleibt von der Brut kaum etwas übrig, so Risse zum SHZ. Das Einfangen einzelner Tiere mit Lebendfallen hat demnach kaum Effekt.

Neben dem Naturschutz stellt die Plage auch ein ganz praktisches Infrastrukturproblem dar: In der Stadt Wyk musste nach Angaben der Kreiszeitung eine Wegdecke saniert werden, nachdem dort ein Rattennest entdeckt worden war.

Strengere EU-Regeln erschweren die Bekämpfung

Zusätzlich erschwert wird die Bekämpfung durch neue europäische Vorgaben. Seit Anfang 2026 gilt eine verschärfte EU-Regelung, die den Einsatz von Rattengift deutlich einschränkt. Im Wesentlichen dürfen entsprechende Mittel nur noch von professionellen Schädlingsbekämpfern verwendet werden, berichtet der Stern. Auch das Verbot von Dauerködern, sofern kein schwerwiegender Befall nachgewiesen ist, macht die Lage komplizierter.

Das Amt Föhr-Amrum hatte bereits im Februar 2026 einen detaillierten Handlungsleitfaden veröffentlicht, der Grundstückseigentümer über ihre gesetzliche Meldepflicht und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen informiert.

Rattenplage trifft Insel in touristisch schwieriger Zeit

Die Rattenplage trifft Föhr in einer Phase, in der der Inseltourismus ohnehin unter Druck steht. Im Jahr 2023 kamen mit rund 193.000 Gästen etwa 5,3 Prozent weniger Besucher auf die Insel als im Vorjahr; die Zahl der Übernachtungen sank um 8,2 Prozent auf rund 1,67 Millionen, berichtet das Inselmagazin WIR Insulaner.

Auf der Nachbarinsel Amrum setzte sich der Trend fort: Von Januar bis Oktober 2025 gingen die Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent zurück, die Übernachtungen um 3,5 Prozent auf rund 1,17 Millionen, wie Amrum News berichtet. Der Nordsee Tourismus Report 2025 prognostiziert für 2026 sogar einen weiteren zweistelligen Rückgang des Urlauberpotenzials an der gesamten deutschen Nordseeküste und spricht von einem strukturellen Wandel der Urlaubsinteressen.

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