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Russisches Schiff mit Atomteilen für Nordkorea vor Spanien gesunken

DATEI: Ein Kran entlädt Metallrollen von dem aus St. Petersburg kommenden Frachtschiff Kholmogory im Hafen von Kaliningrad, 30. Juni 2022
DATEI: Ein Kran entlädt Metallrollen von dem aus St. Petersburg kommenden Frachtschiff Kholmogory im Hafen von Kaliningrad, 30. Juni 2022 Copyright  AP Photo
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Von Aleksandar Brezar
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Ermittler in Spanien haben herausgefunden, dass der 2024 im Mittelmeer gesunkene russische Frachter offenbar geheime Atom-U-Boot-Teile nach Nordkorea transportieren sollte.

Ein russisches Frachtschiff, das im Dezember 2024 im Mittelmeer zwischen Spanien und Algerien nach Explosionen im Maschinenraum gesunken war, hatte Komponenten für zwei U-Boot-Atomreaktoren geladen. Diese waren offenbar für Nordkorea bestimmt, wie eine Untersuchung nun ergab.

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Die Ursa Major sank am 23. Dezember 2024 mit 16 Besatzungsmitgliedern an Bord. 14 Mitglieder der Crew wurden gerettet und nach Spanien gebracht, zwei Besatzungsmitglieder - der zweite Ingenieur Nikitin und der Ingenieur Jakowlew - werden nach wie vor vermisst und gelten als tot.

Ein Torpedo und geheime Nuklear-Fracht

Spanische Ermittler gehen nun davon aus, dass das Schiff möglicherweise absichtlich von einem westlichen Geheimdienst mit einem seltenen Torpedo versenkt wurde, um Russland daran zu hindern, fortschrittliche Nukleartechnologie an Nordkorea zu liefern, wie CNN berichtet.

Das russische Außenministerium hatte zunächst erklärt, das Schiff sei nach einer "Explosion im Maschinenraum" gesunken, gab aber keine Erklärung für die Explosion.

Der russische Kapitän des Schiffes erklärte den Ermittlern jedoch später, dass es sich bei den im Schiffprotokoll als "ungefährliche Güter" deklarierten Gegenständen - zwei große Lukendeckel - in Wirklichkeit um Bauteile für zwei Kernreaktoren handelte, die denen in U-Booten ähneln.

Der Kapitän ging zudem davon aus, dass das Schiff schließlich in den nordkoreanischen Hafen Rason umgeleitet werden sollte, um die Reaktoren abzuliefern, so eine mit den Ermittlungen vertraute Quelle. Aus Angst um seine Sicherheit äußerte sich der Kapitän aber nicht weiter zu der Ladung.

Das Schiff, das bisher unter dem Namen Sparta III bekannt war, wurde 2009 gebaut. Laut offiziellen Angaben befand es sich auf dem Weg von St. Petersburg nach Wladiwostok und hatte zwei große Kräne, 129 leere Container und Lukendeckel geladen. Die Ermittler fragten sich jedoch, warum Moskau eine solche Fracht auf dem Seeweg um die Welt schickt, anstatt das umfangreiche Eisenbahnnetz des Landes zu nutzen.

Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Kräne an Bord waren, um bei der Auslieferung der sensiblen Nuklearfracht nach der Ankunft in Nordkorea zu helfen.

Die spanische Lokalzeitung La Verdad veröffentlichte im Dezember 2024 erstmals einige Einzelheiten der spanischen Untersuchung des Vorfalls.

Verdächtige Umstände und russische Einmischung

Das Schiff wurde von Oboronlogistika betrieben, einem Unternehmen im Besitz des russischen Verteidigungsministeriums. Nur zwei Monate vor dem Untergang gab Oboronlogistika bekannt, dass die Schiffe der Reederei eine Lizenz für den Transport von Atommaterial erhalten hatten.

Das Schiff war seit dem Beginn von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine im Jahr 2022 von den USA und dem Vereinigten Königreich mit Sanktionen belegt worden, da der Eigner die russische Armee belieferte.

Der Untergang ereignete sich nur zwei Monate, nachdem der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un rund 10 000 Soldaten zur Unterstützung von Putins Krieg in die Ukraine entsandt hatte - ein Austausch, der den Kreml nach Ansicht der Ermittler dazu veranlasst haben könnte, im Gegenzug Nukleartechnologie an Pjöngjang zu liefern.

Russland und Nordkorea haben außerdem seit Ende 2024 ein Abkommen, in dem sie sich gegenseitig militärische Hilfe zusichern.

Ein atomgetriebenes U-Boot war auf seiner Wunschliste für hochentwickelte Waffen, die Kim während einer politischen Konferenz im Jahr 2021 ankündigte. Zu den weiteren Waffen gehörten ballistische Interkontinentalraketen, Hyperschallwaffen, Spionagesatelliten und Mehrkopfraketen.

Nordkorea veröffentlichte im Dezember 2025 Fotos von Kims Besuch, auf denen zu sehen ist, wie in einer Montagehalle ein weitgehend fertiggestellter Rumpf eines atomgetriebenen U-Boots gebaut wird, der offenbar mit einem Korrosionsschutzanstrich versehen ist.

Pjöngjang hat angedeutet, dass es plant, das U-Boot mit Atomwaffen zu bewaffnen, und nennt es ein "strategisches Lenkraketen-U-Boot" oder ein "strategisches Atomangriffs-U-Boot".

Während sich die Frage stellte, ob Nordkorea, ein stark sanktioniertes Land, die Ressourcen und die Technologie für den Bau von U-Booten mit Nuklearantrieb beschaffen könnte, hielten es Experten zunächst für wahrscheinlicher, dass Pjöngjang mit Moskaus Know-how einen eigenen Reaktor konstruiert hat, anstatt einen ausgemusterten russischen zu erwerben.

In den Monaten nach dem Untergang des russischen Frachters wurden in der Nähe des Wracks, das sich in einer Tiefe von etwa 2 500 Metern befindet, erhebliche militärische Aktivitäten festgestellt.

Eine Woche nach dem Vorfall verbrachte das russische Spionageschiff Yantar - das Anfang 2025 in der Nähe britischer Gewässer entdeckt wurde, was die britische Regierung zu ernsten Warnungen veranlasste - fünf Tage lang über dem Wrack der Ursa Major.

In der Zwischenzeit haben US-Nuklear-"Schnüffel"-Flugzeuge das gesunkene Schiff im vergangenen Jahr zweimal überflogen, wie aus öffentlich zugänglichen Flugdaten hervorgeht.

Die spanischen Behörden haben erklärt, dass eine Bergung des Schiffsdatenschreibers ohne erhebliche Kosten und Risiken unmöglich sei. Experten haben sich die Frage gestellt, warum dies der Fall sein sollte, wenn kein radioaktives Material im Spiel ist.

Russische Behauptungen und Verbindung zu Syrien

Der staatliche russische Betreiber Oboronlogistika behauptete, das Schiff befinde sich "auf einer weiteren Reise in den Fernen Osten mit bedeutender Projektladung im Rahmen staatlicher Aufgaben zur Entwicklung der Hafeninfrastruktur und des Nördlichen Seewegs".

Der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) hatte jedoch zuvor berichtet, dass die Ursa Major eigentlich nach Syrien unterwegs war, um nach dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad bei der Evakuierung russischer Militärausrüstung aus den Stützpunkten in Tartus und Khmeimim zu helfen.

Die Ursa Major wurde jahrelang als Teil des russischen "Syrian Express" eingesetzt - einer Versorgungsroute, die militärische Ausrüstung und Waffen zu den russischen Streitkräften in Syrien transportierte.

In einer britischen Sanktionsliste heißt es, dass Schiffe der Oboronlogistika für den Transport von Raketen aus Syrien ins Schwarze Meer genutzt wurden.

Die spanische Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die Hinweise darauf, dass das Schiff vermeintlich nach Syrien unterwegs war, wahrscheinlich vom wahren Zweck der Reise ablenken sollten.

Auf Druck von Abgeordneten der Opposition gab die spanische Regierung im Februar nur eine kurze Erklärung zu den Ermittlungen ab,in der sie die Aussage des Kapitäns über die Komponenten für zwei Atomreaktoren, die denen in U-Booten ähneln, bestätigte.

Der südkoreanische Geheimdienst berichtete im September 2025, dass Moskau Pjöngjang bereits einen Atomreaktor übergeben habe, und mehrere südkoreanische Regierungsbeamte erklärten gegenüber Medien, dass der Kreml im Verdacht stehe, in der ersten Hälfte des Jahres 2025 zwei bis drei nukleare U-Boot-Antriebsmodule nach Nordkorea zu schicken.

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