Vladimir D. steht in der Hierarchie der russischen Mafia ganz oben und könnte nach den von den Geheimdiensten gesammelten Informationen die Aktivitäten einer in Polen operierenden kriminellen Gruppe geleitet haben.
Ein ranghöchster Vertreter der postsowjetischen Mafia ist Ende April in der Woiwodschaft Masowien bei einer gemeinsamen Aktion des Zentralen Ermittlungsbüros der Polizei, der Agentur für innere Sicherheit und des Grenzschutzes festgenommen worden.
"Nach den gesammelten Informationen könnte der Mann die Aktivitäten einer untergeordneten kriminellen Gruppe überwachen, einschließlich der Organisation und des Ablaufs geplanter Verbrechen sowie der Verteilung von Geldern aus kriminellen Aktivitäten", so die Polizeibehörde jetzt.
Der 79-jährige hatte 1982 im Rahmen einer so genannten Krönung den Titel "Sack im Orden" verliehen bekommen. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die ihm unterstellten Kriminellen zu überwachen - sowohl bei der Planung von Operationen als auch bei der Verteilung der Erlöse. Interpol sprach eine Warnung an die Dienste der Mitgliedstaaten vor dem Mann aus, nach der er eine potenzielle Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt.
Da Vladimir D. nicht im Besitz eines gültigen Reisedokuments ist, beschloss das Gericht, ihn in einem bewachten Zentrum für Ausländer unterzubringen. Gleichzeitig ordnete Warschau an, dass er in sein Heimatland zurückkehren muss. Der Russe wird das Zentrum jedoch erst verlassen, wenn seine Identität bestätigt ist - ohne diesen Schritt ist eine Abschiebung nicht möglich.
Ein Hüter der Regeln der Unterwelt
Der sogenannte Titel "Dieb im Gesetz" (russisch: вор в законе – wor w sakonje) gilt als höchster Rang innerhalb der traditionellen Hierarchie der postsowjetischen Mafia. Der Titel stammt aus der sowjetischen Unterwelt und entwickelte sich insbesondere im Gulag-System der 1930er-Jahre. Ein solcher "gekrönter" Krimineller genießt innerhalb der organisierten Kriminalität besondere Autorität, vermittelt bei Konflikten und übt Einfluss auf kriminelle Netzwerke sowie Gefängnisstrukturen aus. Die Ernennung erfolgt traditionell durch andere hochrangige Vertreter der Unterwelt und ist an einen eigenen Ehrenkodex gebunden.
Um den Titel zu erlangen, müssen bestimmte Rituale und eine Zeremonie durchlaufen werden.
Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe lässt sich an Tätowierungen ablesen, deren Symbolik nur Eingeweihte verstehen. Die bloße Anwesenheit eines solchen "Ordnungshüters" im Hoheitsgebiet eines Landes - auch ohne nachgewiesene Straftaten - wird von den Geheimdiensten als Alarmsignal und potenzielle Sicherheitsbedrohung betrachtet.