Der neue Ebola-Ausbruch im Kongo hat bisher 65 Todesfälle und 246 Verdachtsfälle verursacht.
Die obersten Gesundheitsbehörden Afrikas haben einen neuen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo bestätigt.
Der neue Ausbruch habe bereits 65 Todesfälle und 246 Verdachtsfälle verursacht, wie die Afrikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (Africa CDC) am Freitag mitteilten.
Wo hat der Ausbruch begonnen?
Die Verdachtsfälle wurden vor allem in den Gesundheitszonen Mongwalu und Rwampara in der Provinz Ituri registriert. Auch in Bunia, der Hauptstadt der Provinz, wurden Verdachtsfälle gemeldet.
Ituri liegt im abgelegenen Osten des Kongo, mehr als 1.000 Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa entfernt. Die Region verfügt nur über ein schlecht ausgebautes Straßennetz.
Bislang wurden vier der gemeldeten Todesfälle durch Labortests bestätigt. Dennoch stuften die Behörden den Ausbruch aufgrund der Vielzahl an Verdachtsfällen offiziell als Ebola-Ausbruch ein.
Sorge vor weiterer Ausbreitung
Besonders besorgt zeigen sich die Behörden über die Nähe der betroffenen Gebiete zu Uganda und Südsudan. Bunia, die größte Stadt Ituris, liegt unweit der ugandischen Grenze.
Laut Africa CDC besteht zudem die Gefahr einer weiteren Ausbreitung durch starke Bevölkerungsbewegungen, unter anderem im Zusammenhang mit dem Bergbau, sowie durch die anhaltende Sicherheitslage in der Region. Im vergangenen Jahr wurden bei Angriffen bewaffneter Gruppen in Teilen Ituris Dutzende Menschen getötet und Tausende vertrieben.
Zusätzlich bereiten den Behörden lückenhafte Kontaktlisten Sorgen. Die lokalen Gesundheitsdienste versuchen derzeit, mögliche Kontaktpersonen infizierter Menschen zu identifizieren.
Was ist Ebola?
Das Ebola-Virus wurde erstmals 1976 nahe des Ebola-Flusses im heutigen Kongo entdeckt. Die ersten Ausbrüche ereigneten sich in abgelegenen Dörfern Zentralafrikas nahe tropischer Regenwälder.
Ebola ist eine schwere und oft tödlich verlaufende Krankheit, die Menschen und Primaten befällt.
Das Virus wird von Wildtieren wie Flughunden, Stachelschweinen oder Primaten auf den Menschen übertragen. Die weitere Verbreitung erfolgt durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder kontaminierten Materialien infizierter Personen.
Zu den Symptomen zählen Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, Halsschmerzen, Erbrechen und Durchfall. In schweren Fällen kann es zu inneren Blutungen, Organversagen und zum Tod kommen.
Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate liegt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei etwa 50 Prozent. Bei früheren Ausbrüchen lag sie zwischen 25 und 90 Prozent.
Gibt es Impfstoffe gegen Ebola?
"Ebola ist zwar weiterhin eine ernste Krankheit, doch Prävention, Behandlung und Reaktion auf Ausbrüche haben sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich verbessert", erklärte Daniela Manno von der London School of Hygiene & Tropical Medicine.
Für einige Ebola-Varianten existieren inzwischen Impfstoffe. Diese werden häufig im Rahmen sogenannter Ringimpfungen eingesetzt, bei denen Kontaktpersonen bestätigter Fälle schnell geimpft werden, um die Ausbreitung einzudämmen.
Der Zugang zu Impfstoffen bleibt im Kongo jedoch schwierig. Gründe dafür sind unter anderem mangelnde Infrastruktur und fehlende Finanzierung.
Bereits beim vergangenen Ausbruch, der sich über drei Monate hinzog, hatte die WHO zunächst Probleme bei der Lieferung von Impfstoffen. Diese trafen erst eine Woche nach offizieller Bestätigung des Ausbruchs ein.
Der Kongo steht bei der Bekämpfung von Krankheitsausbrüchen regelmäßig vor logistischen Herausforderungen. Das Land ist flächenmäßig das zweitgrößte Afrikas, viele Regionen sind schwer erreichbar.
Gesundheitsbehörden äußerten zuletzt zudem Sorge über die Auswirkungen von Mittelkürzungen der USA. Washington hatte frühere Ebola-Einsätze im Kongo finanziell unterstützt, unter anderem 2021 mit Hilfen der Entwicklungsbehörde USAID.
Der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo
Der aktuelle Ausbruch ist bereits der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit der ersten Entdeckung des Virus im Jahr 1976.
Er folgt nur etwa fünf Monate nach dem Ende des vorherigen Ausbruchs, der im Dezember nach 43 Todesfällen für beendet erklärt worden war.
Beim Ebola-Ausbruch zwischen 2018 und 2020 im Osten des Landes starben mehr als 1.000 Menschen. Noch schwerer war nur die Epidemie von 2014 bis 2016 in Guinea, Sierra Leone und Liberia mit mehr als 11.000 Todesopfern.
Wie kann ein Ausbruch eingedämmt werden?
"Nicht-medikamentöse Maßnahmen bleiben der wichtigste Bestandteil der Reaktion auf Ebola-Ausbrüche", so Anne Cori vom Imperial College London.
Dazu gehören insbesondere die schnelle Identifikation und Isolation von Infizierten, die Nachverfolgung von Kontaktpersonen sowie sichere Bestattungen.
Die WHO betont zudem, dass die Einbindung der Bevölkerung entscheidend sei, um einen Ausbruch erfolgreich einzudämmen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen medizinische Versorgung, Überwachung, Labordiagnostik, Infektionsschutz in Gesundheitseinrichtungen, sichere Bestattungen, Impfungen sowie Aufklärung der Bevölkerung.