Das polnische Verteidigungsministerium hatte Euronews bereits Ende April mitgeteilt, General Christopher Todd Donahue habe vorgeschlagen, eine Kampfbrigade nach Polen zu verlegen. Wer ist der General?
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Warschau arbeitet die polnische Seite intensiv daran, die Präsenz amerikanischer Truppen auf polnischem Territorium wirtschaftlich und logistisch abzusichern. Rechtsgrundlage ist das Abkommen über verstärkte Verteidigungszusammenarbeit (EDCA), das am 15. August 2020 in Warschau unterzeichnet worden war.
Gepanzerte Brigade in Polen?
Ein mögliches Element dieser Kooperation könnte ein Vorschlag von General Christopher Todd Donahue sein, Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa und Afrika.
„General Christopher Todd Donahue hat vorgeschlagen, eine gepanzerte Brigade-Kampfgruppe (ABCT – Armored Brigade Combat Team) samt Unterstützungsmaterial im Rahmen des Programms APS (Army Pre-positioned Stock) der US-Armee nach Polen zu verlegen“, teilte das Verteidigungsministerium in einer an Euronews übermittelten Erklärung mit.
Das Ministerium betonte, dieser Vorschlag habe eine Reihe von Arbeitstreffen und Gesprächen nach sich gezogen, entsprechend der Zuständigkeitsverteilung aus dem EDCA-Abkommen.
„Der Vorschlag sieht vor, die Suche nach geeigneten Standorten zu koordinieren und einen bilateralen Aktionsplan zu erarbeiten. Dieser soll zentrale Punkte regeln: Anforderungen an die Infrastruktur, Zeitpläne, Ressourcenzuweisung, rechtliche Rahmenbedingungen, die Aufteilung von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sowie die Mechanismen des operativen Konzepts“, erläuterte das Ministerium.
USA verzichten auf Stationierung Tausender Soldaten in Polen
Wie Euronews bestätigt wurde, verzichtet Washington trotz früherer Ankündigungen von Präsident Donald Trump auf den Plan, 4000 Soldaten in Polen zu stationieren. Die Verlegung war ursprünglich Teil einer breiter angelegten Strategie des Pentagons, die den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland vorsieht.
Unmittelbarer Hintergrund dieser Entscheidung sind wachsende Spannungen zwischen Washington und Berlin, nachdem Bundeskanzler Frederic Merz die amerikanisch-israelischen Militäreinsätze im Iran als unüberlegt kritisiert hatte. Präsident Trump reagierte mit einer Serie scharfer Beiträge in den sozialen Netzwerken und forderte Merz auf, sich um die „Reparatur des eigenen Landes“ zu kümmern.
In Warschau wurde seit Wochen darüber spekuliert, dass ein Teil der aus Deutschland abgezogenen Truppen nach Polen verlegt werden könnte. Vizepremier Władysław Kosiniak-Kamysz bemühte sich nach Bekanntwerden der Entscheidung, die Erwartungen zu dämpfen. Er verwies darauf, dass sie Teil der bereits angekündigten Neuordnung der US-Truppenpräsenz in Europa sei, und betonte, die wachsenden Fähigkeiten der polnischen Armee sowie die schon jetzt im Land stationierten US-Kräfte stärkten die östliche NATO-Flanke ohnehin.
Präsident Karol Nawrocki erklärte dagegen beim Gipfel der Bukarest-Neun (B9) an der Seite von NATO-Generalsekretär Mark Rutte: „Wenn Präsident Trump sich entscheidet, Truppen aus Deutschland abzuziehen, ist Polen bereit.“ Das betonte er auch auf einer Pressekonferenz am 6. Mai bei gemeinsamen Militärübungen in Litauen.
Rutte wich in Bukarest detaillierten Fragen zu diesem Thema aus. Er stellte lediglich fest, dass die US-Präsenz in Europa „sehr groß und bedeutend“ bleibe. Derzeit sind in Polen von 8000 bis 10.000 US-Soldaten stationiert.
Wer ist General Christopher Donahue?
General Christopher Todd Donahue gehört zu den bekanntesten Gesichtern der US-Streitkräfte. Seit 2024 steht er an der Spitze der US-Armee in Europa und Afrika und leitet zugleich das NATO-Landstreitkräftekommando. Zuvor verantwortete er als Kommandeur der 82. US-Luftlandedivision die Sicherheit des Flughafens von Kabul während der Evakuierung der US- und Bündnistruppen aus Afghanistan im Jahr 2021. Er war der letzte US-Soldat, der die afghanische Hauptstadt verließ. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, die US-Armee bestätigte dies.
Im Februar 2022, kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, reiste Donahue an der Spitze eines Vorauskommandos der 82. Luftlandedivision nach Polen und landete auf dem Flughafen Jasionka bei Rzeszów. Zudem war er in Ausbildung und Beratung ukrainischer Offiziere eingebunden.
Ende Februar dieses Jahres besuchte er Warschau, wo er den US-Botschafter Tom Rose sowie den Generalstabschef der polnischen Streitkräfte, General Wiesław Kukuła, traf. Kukuła zeichnete ihn bei diesem Treffen mit der Medaille des Generalstabs der Polnischen Streitkräfte aus – „in Anerkennung seines Beitrags zur internationalen Sicherheit sowie zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Streitkräften der Republik Polen“.
Die Gespräche der beiden Generäle drehten sich um die Sicherheit der östlichen NATO-Flanke, darunter die Eckpunkte der Europäischen Abschreckungsinitiative sowie die Rolle von Fähigkeiten zum weitreichenden Schlag und einer verstärkten Präsenz von US-Truppen in Polen.